Siegerauto oder Eintagsfliege? Mercedes muss den F1 W03 konstanter machen

Formel 1 2012

— 08.05.2012

Brawn: "Haben auch bei nächsten Rennen Siegerauto"

Ross Brawn erklärt, warum das Ende der chaotischen Ergebnisse naht und wieso er sicher ist, dass sein Team nicht nur in China siegfähig war



Der Mercedes-Saisonstart war die reinste Achterbahnfahrt. Nach den beinahe blamablen ersten Rennauftritten gab es bereits Spekulationen über ein mögliches Ende des Formel-1-Engagements, ehe Nico Rosberg in Schanghai die Silberpfeile wie Phönix aus der Asche aufsteigen ließ. Er und Michael Schumacher stellten ihre Boliden in die erste Startreihe, und während der Rekordweltmeister nach einem Patzer beim Boxenstopp ausschied, dominierte Rosberg das Rennen und siegte.

Ein Moment, auf den der Wiesbadener 111 Rennen lang warten musste. "Das hat dem Team natürlich einen Schub gegeben", fällt Teamchef Ross Brawn gegenüber der 'DPA' auf. "Wir waren sehr stolz, den ersten Silberpfeil-Sieg der neuen Ära einzufahren und dass wir Nico seinen ersten Sieg ermöglicht haben." Der Brite ist überzeugt: "Er war ganz sicher schon vorher gut genug dafür, wenn er zur rechten Zeit im richtigen Auto und im richtigen Team gewesen wäre. Es ist eine große Motivation für das Team, eine tolle Leistung."

Doch schon in Bahrain merkte man im Silberpfeil-Lager, das es sich beim China-Triumph bloß um eine Momentaufnahme gehandelt hatte. "Das geht so schnell wieder vorbei", verweist Brawn auf den ersten Sieg. "Wir müssen uns auf die Herausforderungen der Zukunft konzentrieren, nicht auf die Erfolge der Vergangenheit."

Wie stark ist Mercedes?

Doch wie gut ist Mercedes dieses Jahr wirklich? Zu Saisonbeginn glänzte man zwar im Qualifying, erwies sich aber in den Rennen alles andere als konkurrenzfähig, in China war man plötzlich dominant und in Bahrain fuhr Rosberg zwar im Vorderfeld mit, hatte aber keine Chance auf den Sieg.

"Die Fahrer haben in allen vier bisherigen Rennen einen hervorragenden Job gemacht", spricht Brawn Rosberg und Schumacher von jeglicher Schuld an den durchwachsenen Leistungen frei. "Wir haben leider das Auto nicht jedes Mal so zum Arbeiten bekommen, wie wir es uns gewünscht hätten."

Der ehemalige Ferrari-Technikchef ist zuversichtlich, dass das Rennen in China das wahre Potenzial von Mercedes gezeigt hat und der Realität näher kommt als die vom übermäßigen Reifenverschleiß geprägten Enttäuschungen. Er sei "sicher", dass der Mercedes bei den nächsten Rennen ein Siegerauto sein wird: "China war kein Zufall. Wir haben ein sehr intensives und konkurrenzfähiges Entwicklungsprogramm. Während der ersten vier Rennen in Übersee konnten wir noch nicht so viel verändern, aber wir haben noch einiges in der Hinterhand. Auf diese Weise können wir unsere Leistung stabilisieren und vielleicht sogar noch steigern."

Unberechenbare Rennen werden seltener werden

Brawn führt dies vor allem auf die verstärkte Technikerabteilung in Brackley zurück. "Wir haben Bob Bell, Aldo Costa und Geoff Willis geholt, das zahlt sich jetzt genauso aus wie einige andere strategische Veränderungen", bestätigt er. "Ich glaube nicht, dass wir unseren Gegnern in irgendeiner Weise unterlegen sind. Und das sollten auch unsere Ergebnisse zeigen."

Und die fehlende Konstanz sieht der Mann aus Manchester keineswegs als Mercedes-Schwäche. Das beweisen auch die vier Sieger in den ersten vier Rennen. "Die ersten vier Rennen waren bei allen Teams von Unbeständigkeit geprägt", sagt Brawn. Er führt dies auf die für viele Teams noch unbekannten neuen Pirelli-Reifen zurück und verspricht Besserung und berechenbarere Ergebnisse. "Wir sammeln immer noch Erfahrungen mit unseren Autos, vor allem aber darüber, wie unsere Autos mit der neuen Reifen-Generation funktionieren. Wenn man es auf den Punkt hinbekommt, wie wir in China, dann kommen großartige Ergebnisse heraus."

Daher ist er überzeugt: "Letztlich werden sich die besten Autos durchsetzen, weil die Teams die Sache mit den Reifen immer öfter richtig hinbekommen werden. Es kann vielleicht etwas dauern, bis die Rangfolge der Teams feststeht. Aber ich denke, dass die guten Teams und die guten Fahrer letztlich immer den besseren Job machen werden."

Wann schafft "Schumi" den Durchbruch?

In beiden Bereichen sieht er sein Team hervorragend aufgestellt. Rosberg musste dem Team laut Brawn auch vor dem Debüttriumph nichts mehr beweisen, Schumachers Ergebnisse litten bisher bloß unter mangelndem Glück. "Wenn ich ehrlich bin, haben wir in den letzten zwei Rennen nicht unseren besten Job für ihn gemacht", übt er Selbstkritik. "Sonst hätte er zwei sehr starke Ergebnisse einfahren können."

Dass der Rekordweltmeister dadurch die Geduld verlieren könnte, glaubt Brawn nicht: "Michael ist einer der besten Teamplayer, er akzeptiert diese Dinge. Er hat ein bisschen Pech gehabt, obwohl er dieses Jahr sehr stark ist. Wenn wir alles richtig machen, dann werden wir auch bei ihm die Ergebnisse sehen. Und das werden wir schaffen."

Schon in Barcelona? Nicht ganz auszuschließen, denn Mercedes machte beim Test in Mugello eine gute Figur. "Ich glaube, dass wir die Reifen und die Abstimmung unseres Autos jetzt viel besser verstehen", gibt er sich zuversichtlich.

Fotoquelle: xpbimages.com

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