Das Sauber-Team und die "Blues" präsentierten heute ihre Partnerschaft

Formel 1 2012

— 10.05.2012

Sauber und Chelsea: Wer hat wen kontaktiert?

Weiterhin bleibt unklar, wie sinnvoll die Partnerschaft zwischen Sauber und dem FC Chelsea ist - Widerspruch hinsichtlich der ersten Kontaktaufnahme



"Out of the Blue": Beim neuen Partner, den Sauber in den vergangenen Wochen mittels Platzhalter auf der Motorhaube angekündigt hat, handelt es sich um den Fußballverein FC Chelsea aus London. Doch was genau hinter dem Deal steckt und inwiefern das Schweizer Formel-1-Team davon profitieren kann, erschließt sich vielen Experten noch nicht.

Unklar bleibt zudem, wer auf wen zugegangen ist. "Wir wurden kontaktiert", behauptet Sauber-Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn, "und es war von Anfang an sehr klar, dass beide Seiten viel Potenzial in einer solchen Kooperation sehen." Chelsea-Geschäftsführer Ron Gourlay widerspricht, was die Herstellung des Erstkontakts angeht: "Es war ein einzigartiger Vorschlag, der dem Eigentümer des Chelsea FC unterbreitet wurde."

Barcelona: Passender Präsentations-Schauplatz

Für den Briten bedeutete die heutige Pressekonferenz anlässlich des ersten Grand Prix der Partnerschaft zwischen Formel 1 und Fußball übrigens eine Rückkehr in eine Stadt des Triumphs. Denn Chelsea trifft im Champions-League-Finale bekanntlich auf Bayern München und erreichte das Endspiel durch ein glückliches 2:2 auswärts gegen den FC Barcelona. Das Hinspiel an der Stamford Bridge hatten die "Blues" aus London mit 1:0 gewonnen.

"Es ist schön, wieder mit einer erfolgreichen Geschichte hierher zurückzukehren", freut sich Gourlay, der den revolutionären Deal mit Sauber vor allem mit einer Aneinanderkettung von PR-Floskeln umschreibt. Immerhin stellt er klar, dass Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch kein Interesse daran hat, Sauber-Anteile zu übernehmen: "Es geht überhaupt nicht darum, uns in Sauber einzukaufen. Es geht nicht um Geld, sondern um Bindung."

"Es geht darum, zwei der größten Sportarten der Welt zusammenzubringen und unser Wissen und unsere Erfahrung zu verwenden, um daraus Nutzen für unsere Geschäfte zu ziehen. Chelsea hat weltweit ungefähr 250 Millionen Fans, die meisten außerhalb Großbritanniens", sagt er. Monisha Kaltenborn nickt zustimmend: "Indem man diese zwei Player zusammenbringt, schafft man eine riesige Community, aus der sich viele Möglichkeiten ergeben können, sowohl sportlich wie auch kommerziell."

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ungewöhnlichen Partnerschaft waren Gerüchte aufgekommen, dass sich Abramowitsch bei Sauber einkaufen könnte. Es gilt als offenes Geheimnis, dass das Sauber-Team im Februar von akuten finanziellen Schwierigkeiten geplagt wurde und man damals auf der Suche nach einem Geldgeber war. Doch anscheinend scheint sich der russische Milliardär nicht für eine Partnerschaft auf Investorenbasis zu interessieren.

Was verspricht sich Abramowitsch?

"Roman ist ein Formel-1-Fan. Er ist absolut erfreut, dass wir zusammengekommen sind", sagt Gourlay zwar, und "mit einem anderen Team hätten wir das auch nicht gemacht". Aber seinem Klub und auch seinem Chef gehe es nicht darum, ein Engagement in der Formel 1 einzuleiten, sondern vielmehr um die Nutzung von Synergien. "Es ist der Beginn einer hoffentlich sehr langen Partnerschaft", wünscht er sich.

Um die Fans beider Seiten zusammenzubringen, soll der Einsatz von Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter intensiviert werden, denn: "Es bringt nichts, 250 Millionen Chelsea-Fans und auch die Sauber-Fans auf der ganzen Welt zu haben, wenn wir nicht mit ihnen in Kontakt treten können", erklärt Gourlay. Und: "Die Formel 1 fährt 20 Rennen und erreicht durch das Fernsehen die halbe Weltbevölkerung."

Besonders interessant für Chelsea sind dabei sogenannte "neue Märkte" wie Asien oder der Mittlere Osten. Die dortigen Chelsea-Fans haben nämlich in der Regel nur über Fernsehen oder Internet die Möglichkeit, ihren Stars auf die Beine zu schauen. "Es ist für diese Menschen sehr schwierig, nach London an die Stamford Bridge zu kommen, und wir können wiederum nur alle zwei Jahre eine Asien-Tour machen", bedauert der Chelsea-Geschäftsführer.

Queens Park Rangers auf Chelseas Spuren?

"Ich glaube, es gibt vieles, was wir voneinander lernen können und was uns beide voranbringen kann. Wir sehen uns jeden Tag den gleichen sportlichen und geschäftlichen Herausforderungen ausgesetzt. Hoffentlich können wir diese gemeinsam noch besser meistern", fährt er fort und rechnet trotz vieler gescheiterter Verbindungen zwischen Fußball und Motorsport in der Vergangenheit damit, "dass andere Fußballklubs folgen werden".

Vielleicht auch die Queens Park Rangers, ebenfalls in London beheimatet, die Bernie Ecclestone und Flavio Briatore vergangenes Jahr an Caterham-Eigentümer Tony Fernandes verkauft haben. Apropos Ecclestone: Der Formel-1-Geschäftsführer ist glühender Chelsea-Fan und wird beim Champions-League-Finale mit Sicherheit seinen Landsleuten die Daumen drücken. "Er kommt zu den Spielen, obwohl er einen so hektischen Terminplan hat", freut sich Gourlay.

Sauber-Fahrer Sergio Perez ist allerdings bekennender FC-Barcelona-Fan. "Schauen wir mal, ob er das in ein paar Monaten immer noch ist", lacht Gourlay. "Er kennt sich im Fußball unglaublich gut aus. Auch einige unserer Spieler in London verfolgen die Formel 1. Da gibt es also viele Synergien zwischen den beiden Teams. Es geht um die Verbindung mit den Fangemeinden, die Sauber und die Formel 1 haben, die aber auch Chelsea hat. Da gibt es viele Ähnlichkeiten."

Fotoquelle: xpbimages.com

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