Jenson Button hatte am Nachmittag in Barcelona die Nase knapp vorn

Formel 1 2012

— 11.05.2012

Barcelona: Bestzeit für Button, Geheimtipp Lotus?

Jenson Button sicherte sich am Freitag des Spanien-Grand-Prix die Tagesbestzeit, das schnellste Renntempo legte aber das Lotus-Team an den Tag



Jenson Button sicherte sich am Freitag die Tagesbestzeit in den Vorbereitungen zum Grand Prix von Spanien in Barcelona, doch den vielleicht besten Eindruck hinterließ bei nahezu 30 Grad Celsius nicht sein McLaren-, sondern das Lotus-Team um Kimi Räikkönen und Romain Grosjean. Besonders während der Longruns in der letzten halben Stunde des zweiten Freien Trainings konnte das Lotus-Duo mit konstant gutem Tempo überzeugen.

"Wenn alle gleich viel Sprit drin haben, was wir natürlich nicht wissen, dann ist der Lotus das schnellste Auto", hält Experte Marc Surer fest, schränkt aber ein: "Zehn Kilo machen hier vier Zehntelsekunden aus." Daher sollte man die starke 1:29.4er-Longrun-Zeit von Bruno Senna (18./Williams/1,648) ebenso wenig auf die Goldwaage legen wie die konstanten 1:29er- und 1:30er-Zeiten der Lotus-Piloten oder die Leistung der Red Bulls, die meistens über 1:31 Minuten blieben.

Zeitenjagd nicht im Mittelpunkt

Der Kampf um die Tagesbestzeit war heute ohnehin eine ganz andere Disziplin, in der Button mit den weicheren Pirelli-Softs die Nase vorne hatte. Der McLaren-Pilot fuhr 1:23.399 Minuten und hängte seinen ersten Verfolger Sebastian Vettel (Red Bull) um 0,164 Sekunden ab. McLaren blieb auch am Nachmittag bei der neuen Nase mit dezenter Stufe, entfernte aber den merkwürdig anmutenden Querbalken, bei dem es sich um eine Vorrichtung für einen 2013er-Fahrersicht-Test handelte.

Interessant: Button und Vettel spulten je 38 Runden ab. Vettel war im ersten Sektor um zwei und im zweiten um eine Zehntelsekunde schneller, im dritten hatte jedoch Button die Nase vorne. Dritter wurde Nico Rosberg (Mercedes/+0,372), am Nachmittag einer von nur vier Fahrern mit mehr als 40 Runden. "Wir haben Longruns geübt, sind viele Runden gefahren und haben einen ganz guten Lernprozess gemacht", lobt Norbert Haug.

Der Mercedes-Sportchef warnt aber davor, in die beiden heutigen Sessions zu viel hineinzuinterpretieren: "Barcelona ist eine Sphinx als Rennstrecke, verändert sich laufend - auch während der Session", spielt Haug auf die wechselnden Temperatur- und Gripverhältnisse an und ergänzt: "Ich hatte gedacht, dass insgesamt ein bisschen schnellere Zeiten gefahren werden, aber die Temperaturen sind auch höher als beim Testen."

Surer hat Lotus auf der Rechnung

Platz vier sicherte sich heute der Zweite des Vorjahres, Lewis Hamilton (McLaren/+0,510) - und erst auf P5 und P6 folgten Räikkönen und Grosjean, jeweils mit gut einer halben Sekunde Rückstand. "Wenn sie wirklich vollgetankt waren, waren sie extrem gut", findet Surer. "Vor allem haben sie mehrere Runden geschafft. Eine schnelle Runde kann man ja mal hinkriegen, aber dann bauen die Reifen ab. Das war nicht der Fall. Schon beeindruckend."

Siebter des Tagesklassements wurde mit 666 Tausendstelsekunden Rückstand Barcelona-Spezialist Mark Webber (Red Bull). Der Australier sorgte allerdings für den ersten nennenswerten Ausritt des Tages, als er nach knapp einer Stunde ins Kiesbett rodelte und jede Menge Steinchen auf die Strecke schleppte. Wenig später verzeichnete dann Heikki Kovalainen (20./Caterham/+2,897) einen staubigen Ausritt unmittelbar vor Webbers Nase.

Alonso kann nicht mehr zulegen

Nichts wurde es mit einer Freitagsbestzeit von Lokalmatador Fernando Alonso (Ferrari), die sich der Veranstalter gewünscht hätte, um den Ticketverkauf anzukurbeln. Denn der Spanier konnte sich als einziger Stammfahrer im Vergleich zum Vormittag nicht steigern und fiel so noch vom ersten auf den 13. Platz zurück. Am Nachmittag fehlten ihm 1,201 Sekunden auf die Spitze - da war sogar Teamkollege Felipe Massa (11.) um zwei Zehntelsekunden schneller.

Aber auch wenn Ferrari trotz zahlreicher Neuerungen sicher noch nicht aus eigener Kraft siegfähig ist, sollte Alonso unter normalen Umständen zumindest ein Kandidat für die ersten vier Startreihen sein. "Die sind zur falschen Zeit raus", erklärt Surer. "Dann hatte er Verkehr und bekam auch die Runde nicht sauber hin. Wenn Massa Elfter ist und ich den Alonso-Faktor einrechne, dann müsste Alonso irgendwo da stehen, wo auch Michael Schumacher ist."

Der belegte heute übrigens den achten Platz, nicht einmal sieben Zehntelsekunden hinter Button. Kamui Kobayashi (Sauber) und Nico Hülkenberg (Force India) rundeten die Top 10 ab und waren die letzten beiden Piloten mit weniger als einer Sekunde Rückstand. Es bestätigt sich also die Erwartung, dass es besonders auf die schnelle Einzelrunde extrem eng zugehen könnte, weil die Teams schon im Winter Gelegenheit hatten, mit den aktuellen Autos in Barcelona zu testen.

Nur zwei Runden für Karthikeyan

Im hinteren Teil des Feldes gab es diesmal keine nennenswerten Überraschungen. Bei den neuen Teams liegt wie immer Caterham vor Marussia (Timo Glock um gut drei Zehntelsekunden schneller als Charles Pic) und HRT. Pech hatte allerdings der HRT-Inder Narain Karthikeyan: Erst musste er im Vormittagstraining zuschauen, wie Dani Clos mit seinem Auto fuhr, und dann rollte er am Nachmittag schon nach zwei Runden mit technischen Problemen aus.

Als entscheidendes Kriterium kristallisierten sich jedenfalls schon am ersten Tag die Reifen heraus, von denen diesmal die Mischungen Soft und Hard im Angebot sind. Der Unterschied auf eine schnelle Runde liegt bei 1,5 Sekunden, dafür bauen die weichen Reifen nach der ersten, spätestens nach der zweiten Runde stark ab - und zwar um bis zu eine halbe Sekunde pro Runde. Die harten Pirellis sind langsamer, aber dafür wesentlich konstanter.

Fotoquelle: xpbimages.com

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