Sebastian Vettels Frontflügel wurde durch den Schumacher-Crash beschädigt

Formel 1 2012

— 15.05.2012

Vettel verteidigt Schumacher: "War ein Rennunfall"

Während Christian Horner Michael Schumacher als Auslöser für das schwierige Red-Bull-Rennen sieht, ortet Sebastian Vettel bei der Kollision keinen Schuldigen



Nach dem Grand Prix von Bahrain hatten viele schon damit gerechnet, dass bei Red Bull der Knoten geplatzt ist und das Weltmeister-Team nun in gewohnter Manier die Formel 1 dominieren wird. Doch davon kann nach dem Grand Prix von Spanien, der in der Vergangenheit stets als Gradmesser für das Kräfteverhältnis in der Formel 1 galt, nicht mehr die Rede sein.

Im Qualifying fuhr Sebastian Vettel als bester Red-Bull-Pilot bloß die achtbeste Zeit, Mark Webber schied bereits in Q2 aus. Und auch das Rennen lief nicht nach Plan, denn beide Piloten mussten ihre Frontflügel an der Box wechseln - Vettel wurde zudem noch eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt. Ursache der Probleme war im Fall von Vettel die Kolission zwischen Michael Schumacher und Bruno Senna.

Schumacher-Senna-Crash machte Vettel das Leben schwer

"Uns hat dieses Manöver, das Michael da veranstaltet hat, eine Menge gekostet", lässt Teamchef Christian Horner gegenüber 'ServusTV' durchscheinen, dass er den Rekord-Weltmeister für den Schuldigen hält. "Michael war der Auslöser." Der Zwischenfall hatte für Vettel gleich doppelt negative Folgen, erklärt Horner: "Erstens der Schaden am Frontflügel, denn man hat gesehen, was für ein Riesen-Wrackteil da in Sebastians Auto reingeknallt ist, und zweitens die Durchfahrtsstrafe, die er bekommen hat."

Vettel, der Schumacher wohlgesonnen ist, hält sich gegenüber 'ServusTV' mit Schuldzuweisungen zurück: "Man hat in diesen Situationen nicht viel Zeit. Man weiß, dass man auf der Geraden vielleicht nicht den ganz großen Geschwindigkeitsüberschuss erzeugen konnte. Ich glaube, so etwas muss man einfach in die Kategorie Rennunfall einordnen. Solche Dinge passieren leider."

Obwohl er unmittelbar hinter Schumacher fuhr, findet er unterschiedliche Betrachtungsweisen legitim: "Man kann jetzt natürlich sagen, der eine ist draufgefahren. Man kann aber auch sagen, es gehören immer zwei dazu."

Warum die Nase gewechselt werden musste

Dass seine Probleme mit dem Frontflügel einen Zusammenhang mit dem Crash hatten, war Vettel lange nicht bewusst. "Zu dem Zeitpunkt, als ich die Probleme spürte, hatte ich keine Erklärung dafür, denn ich war nicht neben der Strecke, bin mit niemandem kollidiert", schildert er die unklare Situation. "Ich dachte, dass vielleicht ein Teil am Flügel hängengeblieben ist und das verursacht."

Doch es gibt einen Grund, warum zwischen der Kollision mit dem Wrackteil und den einsetzenden Problemen ein gewisser Zeitraum lag. "Vorne links war ein Teil des Flügels, der einen weiteren Teil zusammenhält, gebrochen", erklärt Vettel. Der Schaden hatte sich zunächst nicht ausgewirkt, "bis dann dieser Steg nachgegeben hat und gebrochen ist." Er bereut den Nasenwechsel im Nachhinein nicht: "Es war die vollkommen richtige Entscheidung. Man verliert zwar Zeit beim Boxenstopp, aber die Jungs haben das recht schnell hinbekommen."

Welche Folgen hatten die Durchfahrtsstrafe?

Sehrwohl bereut er aber die Durchfahrtsstrafe. Hätte er den DRS-Knopf am Ende der Start-Ziel-Geraden, wo Gelbe Flaggen geschwenkt wurden, nicht gedrückt, dann wäre er vermutlich der Strafe durch die Rennkommissare entgangen, denn so fuhr er im ersten Sektor trotz Gefahrensituation seine bis zu diesem Zeitpunkt schnellste Sektorzeit.

"Das mit der Gelben Flagge muss ich auf meine Kappe nehmen", gesteht Vettel. "Im Rennen habe ich es nicht ganz verstanden, ich war mir in dem Moment keiner Schuld bewusst. Wir haben das öfter in der Fahrerbesprechung besprochen, vielleicht habe ich da nicht richtig zugehört."

Dennoch glaubt der Red-Bull-Pilot, dass er ohne die Strafe bestenfalls um einen Position besser platziert gewesen wäre, zumal er in der Endphase mit tollen Überholmanövern aufzeigte. "Die Durchfahrtsstrafe kostet zwar Zeit, aber viel mehr als Platz fünf wäre nicht drin gewesen, denn der Abstand von Platz fünf auf vier waren 50 Sekunden", rechnet er.

Furiose Endphase von Vettel

Nach dem letzten Stopp teilte sich Vettel die Reifen perfekt ein, um das Maximum herauszuholen: "Wir sind glaube ich 25 Runden vor dem Ende reingekommen, und ich wusste, dass die Reifen halten müssen. Da ist es nicht einfach, sich den Stint so einzuteilen, dass man in den letzten zehn Runden mehr Körner hat als die anderen, aber das hat gottseidank geklappt, und ich konnte dann an drei Piloten vorbeigehen."

Und so gelang es Vettel im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Webber, seinen Punktestand doch noch erheblich zu verbessern und in der WM die Führung zu verteidigen. Der "Aussie" musste hingegen in den letzten Runden des Rennens eine Überrundung über sich ergehen lassen und ging zudem mit Platz elf leer aus.

Bei Webber ging alles schief

Webber war in der sechsten Runde der erste Pilot, der sich planmäßig frische Reifen abholte, um nicht im Verkehr zu stecken. Doch wenig später klagte er ähnlich wie Vettel über einen plötzlichen Abtriebsverlust beim Frontflügel. "Ich hatte ein riesiges Problem mit der Front des Wagens", bestätigt er gegenüber 'ServusTV'. "Die Nase hat irgendwie überhaupt nicht funktioniert, daher mussten wir stoppen."

Durch den Nasenwechsel verlor er zusätzlich Zeit, außerdem war er durch zwei Stopps in den ersten 17 Runden von seiner ursprünglich geplanten Strategie abgekommen. "Ab Runde 18 begann dann im Grunde die zweite Rennhälfte für mich, das war keine ideale Strategie", sagt er. "Da war schon alles für uns gelaufen, denn Barcelona ist nicht wie Schanghai oder Bahrain, wo es mehrere Überholmöglichkeiten gibt."

Mysteriöses Problem mit der Nase

Während in Vettels Fall als sicher gilt, dass ein Wrackteil von Schumachers Mercedes den Flügel beschädigt hatte, tappt man bei Webber im Dunkeln. "Wir haben direkt nach Marks Funkspruch anhand der Daten gesehen, dass da etwas nicht in Ordnung war, dass die Balance nicht mehr stimmte", schildert Horner die Verwirrung am Kommandostand. "Vielleicht wurde der Flügel von einem dicken Stück Gummi oder einem Trümmerstück getroffen. Der Flügel wird jetzt in der Fabrik zerlegt und überprüft."

Später steckte Webber zu allem Überdruss auch noch bis zum Rennende hinter Nico Hülkenberg fest. "Gegen den Force India hatte ich keine Chance", resümiert Webber. "Der hat ein gutes KERS, ist gut auf der Geraden und hat auch eine gute Traktion. Wenn du ein Auto mit schlechter Traktion vor dir hast, geht es leichter. Er war auf einigen Teilen der Runde recht langsam, aber nach der Kurve war er wieder recht stark." Er übt aber auch Selbstkritik: "Ich bin ein bisschen enttäuscht, weil ich vielleicht nicht genug Risiko eingegangen bin. Aber über Funk wird dir gesagt 'Pass auf deine Reifen auf, riskiere nicht so viel' - es hat eben nicht gepasst."

Fotoquelle: xpbimages.com

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