Mark Webber vertraut nicht jedem Fahrer so sehr wie Fernando Alonso

Formel 1 2012

— 15.05.2012

Lauda: Warum die Piloten früher nicht so hart fuhren

Niki Lauda erklärt, warum die Piloten einander heute im Duell härter bekämpfen - Die Red-Bull-Piloten finden, dass man sich nicht auf jeden Fahrer verlassen kann



Nico Rosbergs aggressive Manöver gegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso in Bahrain lösten eine Diskussion über Respekt zwischen den Formel-1-Piloten aus. Der Spanier argumentierte, dass aufregende rundenlange Duelle wie 1979 in Dijon zwischen Rene Arnoux und Gilles Villeneuve heute nicht mehr möglich wären, da man seinen Konkurrenten nicht mehr wie einst vertrauen könne.

Niki Lauda ist einer der Menschen, die dies beurteilen können. Der dreifache Weltmeister startete in den 1970er-Jahren in der Formel 1 und beendete seine Karriere 1985. Den Kontakt zur Königsklasse hat der spätere Jaguar-Teamchef, Ferrari-Berater und TV-Experte nie verloren. Er ist der Meinung, dass alleine der Zustand der Rennstrecken heute deutlich aggressivere Manöver möglich machen.

Mehr Härte wegen moderner Kurse

"Die Rennstrecken waren damals ganz anders", so Lauda gegenüber 'ServusTV'. "Wo heute Wiese und viel Platz ist, waren früher Leitschienen, und der Kurs war dort zu Ende. Das heißt, dass die geringsten Fehler darin geendet haben, dass man irgendwo dagegen geflogen ist und dein Rennen vorbei war. Jetzt ist das mit diesen ganzen Auslaufzonen viel ungefährlicher, und daher kann man das alles machen."

Früher musste man viel vorsichtiger mit seinen Konkurrenten umgehen, "denn sonst wäre es gleich zu einem Unfall gekommen", meint Lauda. "Das war schon eine andere Zeit, aber gottseidank hat sich die Formel 1 in die richtige Richtung entwickelt. Gottseidank passiert heute nichts mehr."

Webber vermisst Kameradschaft

Auch Mark Webber, der für seine besondere Härte, aber auch für seinen großen Mut im Zweikampf bekannt ist, sieht mangelnden Respekt zwischen den Piloten in der aktuellen Formel 1 nicht als Problem: "Ich glaube, das ist ganz in Ordnung. Natürlich haben wir jetzt ein paar neue Fahrer dabei, die noch nicht so lange dabei sind, aber der Respekt ist bei den vorderen Fahrern schon in Ordnung."

Dennoch fällt ihm gegenüber 'ServusTV' auf, dass der Kontakt zwischen den Piloten abseits der Strecke im Vergleich zu früher gelitten hat. "Heute gibt es nicht mehr so viel Kameradschaft wie früher", findet der "Aussie". "Damals war das wie eine Art Wanderzirkus - die Familie war dabei, und alle gehörten irgendwie zusammen. Alle wussten, dass es sehr gefährlich ist, was sie da machen, und alle zwei oder drei Monaten kam es auch zu schweren Unfällen. Die Stimmung war ganz anders im Fahrerlager."

Durch die enorme Sicherheit ist die familiäre Atmosphäre aber dem beinharten Wettbewerb gewichen, was sich teils auch auf der Strecke bemerkbar macht, glaubt Webber: "Da sind wir jetzt vielleicht etwas überheblicher geworden und können etwas frecher zur Sache gehen. Man fährt mal von der Strecke und kommt dann ohne Folgen wieder zurück."

Auf Alonso ist laut Webber Verlass

Dennoch gibt es auch heute noch Extremsituationen, wo man sich auf den Konkurrenten verlassen können muss. Das weiß niemand besser als Webber, der im Vorjahr beim Grand Prix von Belgien in einem haarsträubenden Manöver in der gefürchteten Senke von Eau Rouge Alonso überholte. Ein Manöver, das später von vielen kritisiert wurde und auch in einer Katastrophe hätte enden können, hätte der Ferrari-Pilot nicht mitgespielt.

Doch Webber argumentierte nach dem Rennen, dass er wusste, dass Alonso einer der Piloten ist, dem man in einer solchen Situation vertrauen kann. "Das würde ich vielleicht nicht mit jedem Fahrer genauso versuchen, aber ich wusste, dass ich eine Chance hatte", bestätigt er nun. "Dass es Fernando ist, spielt zumindest im Hinterkopf mit. Wenn es sich um einen anderen Fahrer handelt, von dem man vielleicht etwas anders denkt, dann könnte es sein, dass man die Situation anders angeht oder vielleicht etwas mehr Platz braucht."

Vettel: Fahrer handeln in Duellen intuitiv

Webber führt dies aber auch auf mangelnde Erfahrung einiger Piloten zurück: "Man muss sich schon auf die einzelnen Fahrer einstellen. Die Jungs, die ganz vorne mitfahren, sind relativ ähnlich, aber die anderen sind vielleicht noch nicht so erfahren in solchen Situationen. Es dauert, auch von denen den Respekt zu bekommen, den man braucht."

Teamkollege Sebastian Vettel erklärt, dass die Piloten in heißen Zweikämpfen oft kaum Zeit haben, um die Vorgehensweise strategisch zu planen, sondern intuitiv handeln. "In dem Moment hat man gar keine Zeit, um nachzudenken", so der zweifache Weltmeister gegenüber 'ServusTV'. "Wenn man darüber nachdenkt, dann ist die Lücke schon weg."

Vettel vertraut nicht allen Konkurrenten gleichermaßen

Das liegt auch daran, dass in der Formel 1 nicht ständig überholt wird und man seine Chance nutzen muss, "obwohl dies mit dem verstellbaren Flügel und mit den abbauenden Reifen jetzt etwas anders ist und mehr überholt wird. An gewissen Stellen hast du aber keine Zeit, nachzudenken."

Dennoch spielt es laut Vettel eine Rolle, mit wem man es auf der Strecke zu tun hat: "Man nimmt das glaube ich schon unterbewusst war, wer das ist, und startet das dann, oder sieht es von vornherein gar nicht als Lücke. Beim einen oder anderen wird man es möglicherweise an gewissen Stellen gar nicht als Option sehen, denn man weiß nicht so recht, wie der andere vielleicht dagegenhalten wird."

Fotoquelle: Ferrari

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