Müssen sich die Topteams an die Heckansicht des Williams gewöhnen?

Formel 1 2012

— 16.05.2012

Marko: "Maldonado wird in Monaco Kreise um uns fahren"

Ein Pay-Driver als Goldgriff: Warum Pastor Maldonado die Debatte um Bezahlfahrer ad absurdum führt und wieso die Topteams nun die nächste Demütigung fürchten



Verkehrte Welt: Vor einigen Monaten wurde das Williams-Team noch dafür gescholten, mit zwei sogenannten Bezahlfahrern in die Saison zu gehen. Vor allem die Verpflichtung von Bruno Senna wurde von vielen Experten als kapitaler Fehler und als Sinnbild für den Abstieg des einst so erfolgreichen Williams-Rennstalls in die Bedeutungslosigkeit angesehen.

Nach dem fünften Saisonrennen sind diese kritischen Stimmen verstummt: Senna schlug sich bisher besser als erwartet und Maldonado darf sich seit wenigen Tagen Grand-Prix-Sieger nennen. Während man 2011 in 19 Rennen mit dem einstigen Vizeweltmeister Rubens Barrichello fünf mickrige WM-Punkte ergatterte, sind es nun nach fünf Rennen bereits 43. Red-Bull-Teamchef Christian Horner bringt es gegenüber 'ServusTV' auf den Punkt: "Das war ein unglaublicher Tag für Frank Williams. Sein 70. Geburtstag, den Grand Prix gewonnen - und die Fahrer bezahlen ihn auch noch."

Maldonado und Perez: Pay-Driver mit Talent

Schon beim zweiten Saisonrennen in Malaysia wurden Puristen von Sergio Perez, der ebenfalls als Pay-Driver klassifiziert wurde, eines besseren belehrt: Der Mexikaner, der von Telmex-Boss Carlos Slim unterstützt wird, hätte im Sauber-Boliden beinahe den Sieg errungen. Interessanterweise wurde Maldonado 2010 in der GP2-Serie Meister und Perez Vizemeister - ein Beweis für vorhandenes Talent.

"Man darf nicht vergessen, dass Pastor vor ein paar Jahren GP2-Meister war", findet auch Horner. "Der kam schon nicht umsonst in die Formel 1, er hat auch keine Fehler gemacht. Fernando hat am Ende enorm viel Druck gemacht, und trotzdem ist er nicht zusammengebrochen."

Auch Lauda begann als Bezahlfahrer

Wer glaubt, dass Bezahlfahrer, die für ihr Cockpit Geld mitbringen müssen, ein Phänomen der Formel-1-Neuzeit sind, der irrt. Selbst Rekordweltmeister Michael Schumacher musste sich 1991 mit Mercedes-Geldern bei Jordan einkaufen, um den Sprung in die Formel 1 zu schaffen. Und auch der dreifache Weltmeister Niki Lauda bezahlte bereits Anfang der 1970er-Jahre für seinen Formel-1-Sitz.

Der Wiener kaufte sich 1972 mit einem Kredit der österreichischen Raiffeisenbank bei March ein. Um seine Karriere nach der erfolglosen ersten Saison bei B.R.M. fortsetzen zu können, sah er sich sogar gezwungen, vorzugeben, in Besitz eines Großsponsors zu sein - die Karriere der Legende hing also zu Beginn an einem seidenen Faden.

Lauda bestätigt gegenüber 'ServusTV', dass er "ein Jahr lang" Pay-Driver war: "Danach hat es Gott sei Dank funktioniert." Freilich brachte er nicht wie heute Maldonado über 30 Millionen Dollar Mitgift mit, sondern "umgerechnet 150.000 Euro". Der Österreicher relativiert aber: "Das war damals ein Haufen Geld, so viel, wie heute eine Million. Ich musste einen Kredit aufnehmen, das war ein bisschen mühsam."

Niemand hatte Williams auf der Rechnung

Für Williams ist Maldonado jedenfalls ein Goldgriff, zumal das Team im Winter Hauptsponsor AT&T verloren hatte und auf die Gelder des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA angewiesen ist. Red-Bull-Pilot Mark Webber traute jedenfalls seinen Augen nicht, als er den Überraschungsführenden im Rückspiegel größer werden sah.

"Es war schon eine komische Situation, als mir am Funk gesagt wurde, dass ich den Führenden des Rennens vorbeilassen soll", schildert er gegenüber 'ServusTV'. "Das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Als es klar war, dass Pastor gewinnen würde, dachte ich 'Wow, was für eine Riesen-Überraschung'. Er ist aus dem Nichts gekommen und hat gewonnen. Überrundet zu werden, ist nicht unbedingt angenehm."

Auch Teamkollege Sebastian Vettel, der immerhin noch Sechster wurde, ist ebenfalls verblüfft. "Man konnte nicht annähernd vermuten, dass wir nach Spanien kommen und sie da das Rennen gewinnen", wundert er sich gegenüber 'ServusTV'. Er verweist auf die Wintertest auf dem Circuit de Catalunya: "Da war Williams nie in einer Position, wo wir gesagt haben, die muss man auf dem Zettel haben, weil sie einfach zu weit weg waren. Aus dem Grund war es eine Überraschung für alle."

Droht nun die nächste Demütigung?

Eine Überraschung, die nun in Monaco eine Fortsetzung erleben könnte. Denn Maldonado gilt seit jeher als absoluter Spezialist für den winkeligen Kurs im Fürstentum. In der GP2 war der Venezolaner in den engen Gassen nicht zu stoppen - im Vorjahr hätte er bei seiner Formel-1-Premiere in Monte Carlo im wenig konkurrenzfähigen FW33 mit Sicherheit WM-Punke geholt, hätte ihn nicht Lewis Hamilton kurz vor Schluss aus dem Weg geräumt.

Red-Bull-Konsulent Helmut Marko fürchtet nun in Monaco die ganz große Maldonado-Show, denn nicht nur Maldonado, sondern auch der Williams FW34 kann in den langsamen Kurven seine Stärken so richtig ausspielen. "Wenn der Williams wirklich eine so gute Traktion hat, dann fährt der Maldonado in Monte Carlo Kreise um alle anderen", sagt er gegenüber 'auto motor und sport'. Anlass für diesen Schluss waren die langsamen Kurven im letzten Streckensektor in Barcelona, die Maldonado dazu nutzte, um sich Runde für Runde vor der Start-Ziel-Geraden ein beruhigendes Polster auf Fernando Alonso herauszufahren - ein Schlüssel zum Sieg.

Fotoquelle: Williams

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