Monaco auf Bewährung: Der Druck auf Felipe Massa im Ferrari-Team steigt

Formel 1 2012

— 19.05.2012

Massa lobt Alonso: "Super in Form, perfekt"

Felipe Massa im Interview: Wie er seine derzeitigen Leistungen einschätzt, warum er Fernando Alonso bewundert und wie er sich auf Monaco vorbereitet



Während Fernando Alonso punktgleich mit Sebastian Vettel die Fahrer-WM anführt, liegt Felipe Massa mit zwei Punkten gerade mal an 17. Stelle. Monaco könnte, so die Gerüchteküche, schon sein letztes Rennen im Ferrari sein. Dass er angesichts des schiefen teaminternen Stallduells gehörig unter Druck steht, weiß der Brasilianer, 2008 immerhin noch 20-Sekunden-Weltmeister, auch selbst: "Ja, ich bin angepisst", meint Massa in Bezug auf das letzte Rennen in Barcelona. "Selbst heute kann ich den Grund für die Durchfahrstrafe noch nicht verstehen. Das war der Punkt, an dem mein ganzes Rennen ruiniert wurde."

Frage: "Felipe, der Teamkollege ist immer der Referenzpunkt für einen Rennfahrer. Zwischen dir und Fernando Alonso steht es nach Punkten derzeit 2:61..."
Felipe Massa: "Ich finde, das einzige Rennen, bei dem es dieses Jahr einen großen Unterschied zwischen mir und Fernando gab, war Australien. In Malaysia war es wegen des Regens schwierig, das wahre Bild zu sehen. Ab China war der Unterschied zwischen uns beiden im Qualifying nicht mehr so dramatisch. Selbst in Barcelona wäre meine Zeit in Q2 gleich gut wie bei den vorherigen Rennen gewesen, und auch am Sonntag war mein Tempo nicht weit weg. Außerdem muss man in Betracht ziehen, dass Fernando momentan außergewöhnlich fährt. Er ist super in Form, vielleicht sogar perfekt."

F2012 ein schwieriges Auto

Frage: "Glaubst du, dass es ein spezifisches Problem mit dem Auto gibt, das dich davon abhält, das Maximum herauszuholen?"
Massa: "Es ist jedenfalls kein leicht zu fahrendes Auto, mit dem man nur schwer eine gute Balance findet. Ich habe mich schon oft dabei ertappt, wie ich mit dem Auto kämpfen musste, und unter solchen Umständen geht schnell mal hier oder da ein Zehntel verloren. Mit meinem Fahrstil habe ich vielleicht etwas mehr Schwierigkeiten, weil es mir nicht gelingt, sauber zu fahren."

"Außerdem weiß man ja, dass wir nicht genug aerodynamischen Anpressdruck haben, und ausgangs der langsamen Kurven fehlt es uns an Traktion. Vielleicht ist das das größte Problem. In Spanien haben wir einen erheblichen Schritt nach vorne geschafft, wie man an Fernandos Leistung im Rennen sehen konnte, aber mein Tempo war auch nicht schlecht, wenn ich freie Fahrt hatte. In Sachen Topspeed gelangen uns kleine Fortschritte. Das ist ein weiterer Bereich, in dem wir seit Saisonbeginn hinterher hinken."

Frage: "Hast du das Gefühl, dass dir das Team vertraut, und was nimmst du aus dieser schwierigen Phase mit?"
Massa: "Absolut, ja, ich merke, dass das ganze Team hinter mir steht. Sie sind natürlich nicht glücklich über die Ergebnisse, aber ich ja auch nicht. Wir alle wollen, dass sich das normalisiert. Das ist möglich und das ist das, was ich will. Mit der Hilfe des Teams kann mir das gelingen."

Frage: "Eine schwierige Frage, die aber auf die eine oder andere Weise gestellt werden muss: Hast du je darüber nachgedacht, dass du vielleicht seit dem Unfall in Budapest nicht mehr so schnell sein könntest wie früher?"
Massa: "Das habe ich mich selbst schon 45.000 Mal gefragt - warum auch nicht? Ich habe die Jahre davor in drei Jahren elf Rennen gewonnen - da liegt diese Frage auf der Hand. Es ist auch nicht so, dass ich mich nur selbst hinterfrage, sondern ich suche auch nach Antworten, stelle mir viele Fragen und unterziehe mich laufend medizinischen Untersuchungen. Alle Ärzte, bei denen ich war, schwören Hand aufs Herz, dass es absolut keine Spuren von der Kollision mit der Feder gibt."

Siegeswillen nicht verloren gegangen

"Ich selbst fühle mich nicht im Geringsten anders als vor jenem Wochenende. Und wenn es stimmen würde, dass ich meinen Siegeswillen verloren habe, wie kann man dann erklären, dass ich am Start wahrscheinlich immer noch einer der besten Fahrer bin und sicher kein Fahrer bin, der sich beim Überholen zurückhält?"

Frage: "Es ist fast 30 Jahre her, dass es am Saisonbeginn fünf Sieger in fünf verschiedenen Autos gegeben hat. Woher kommt diese Unvorhersehbarkeit?"
Massa: "Ich finde das klasse für die Show, weil mehrere Teams konkurrenzfähig sind. Ich glaube, die vielen Änderungen in den vergangenen Jahren, technisch wie finanziell, haben sich entscheidend ausgewirkt. Bis vor ein paar Jahren hatten die mit wenig Budget keine Chance, aber heute ist das nicht mehr so. Ich glaube, dieser Trend wird anhalten, auch weil es in die Richtung geht, die Kosten weiter zu reduzieren, um dem Rechnung zu tragen, was im Rest der Welt passiert."

Frage: "Ist die Reifenperformance wirklich so unberechenbar und wichtig?"
Massa: "Ja, aber der Einfluss variiert von Strecke zu Strecke. In Bahrain und Spanien war der Abbau so groß, dass er eine entscheidende Rolle spielte, aber anderswo, wo der Abbau in der Norm liegt, hat immer noch das schnellste Auto die Oberhand. Gleichzeitig haben diejenigen die besten Siegchancen, die am besten mit den Reifen haushalten, die beste Strategie haben und keine Fehler machen."

Frage: "Monaco ist dein zweites Heimrennen. Wie ist es, mit einem Formel-1-Auto auf den Straßen zu fahren, auf denen du tags zuvor und danach noch mit deinem Sohn spazieren gehst?"
Massa: "An normalen Tagen kommt es dir nicht vor wie eine Rennstrecke, abgesehen von der Loews-Haarnadel, wo die Kerbs nie weggemacht werden. Wenn du dort vorbeikommst, wird dir immer bewusst, dass du dich auf einer Grand-Prix-Strecke befindest, aber überall sonst denkst du nicht daran. Jetzt, so kurz vor dem Rennen, sind die ganzen Leitplanken und Kerbs natürlich schon installiert. Felipinho weiß, dass ich hier Rennen fahre, aber ihn interessiert rennfahrerisch gesehen nur, ob ich bei Mario-Kart die Bonuspunkte hole! Dieses Videospiel spielen wir andauernd..."

2008 nahe am Monaco-Sieg dran

Frage: "Wie ist es, in Monaco eine perfekte Runde zu fahren und/oder auf Pole-Position zu stehen?"
Massa: "Das ist fantastisch! Ich bedaure heute noch, dass ich 2008 nicht gewonnen habe, als ich vor allen anderen losgefahren bin. Der Regen und das Safety-Car haben mir sicher keinen Gefallen getan, denn mein Tempo war gut genug, um zu gewinnen. Die Runde am Tag davor war erstaunlich, etwas, was ich nie vergessen werde. In Monaco ins Ziel zu kommen, ist schon ein gutes Ergebnis, aber wenn du gewinnst, schreibst du Geschichte."

Frage: "Gestern warst du in Maranello, um im Simulator zu arbeiten. Wie sah dein Programm aus?"
Massa: "Das hatte nichts mit dem nächsten Rennen zu tun, teilweise auch, weil man das echte Monaco sowieso nicht simulieren kann. Wir arbeiten hauptsächlich an einem Backup nach Barcelona, um zu bestätigen, was wir dort am vergangenen Wochenende gelernt haben."

Frage: "Stimmst du deinen Kollegen, ganz besonders Fernando, zu, die sagen, dass ein Strecken-Testtag viel mehr wert ist als dutzende Tage im Simulator?"
Massa: "Absolut, hundertprozentig. Nichts kann das Fahren auf der Strecke ersetzen. Das sage ich nicht nur, weil ich als Fahrer auf der echten Rennstrecke mehr Spaß habe, sondern auch die Ingenieure würden mir da zustimmen."

Frage: "Gehst du an das nächste Rennen anders heran als an die anderen?"
Massa: "Ja, vor allem in körperlicher Hinsicht. Der Monaco-Grand-Prix ist ein langes Rennen, in dem man sich nie auch nur einen Moment erholen kann. Man ist immer am Limit, streift immer an den Leitplanken. Daher trainiere ich viel mehr Aerobic als sonst, über einen langen Zeitraum. Technisch gesehen ist das Setup ziemlich spezifisch, denn nur das Rennen in Singapur kann man ein bisschen mit dem in Monaco vergleichen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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