Teamchef Peter Sauber mit seiner Nachfolgerin Monisha Kaltenborn

Formel 1 2012

— 23.05.2012

Kaltenborn: "Ein großer Vertrauensbeweis"

Monisha Kaltenborn empfindet das Drittel der Anteile am Sauber-Team nicht als Geschenk, sondern als Verantwortung - Peter Sauber: "Als Bonus wäre das zu groß"



Schon seit Saisonbeginn ist bekannt, dass Peter Sauber das Zepter des Teamchefs in Hinwil ab 2013 an seine langjährige Partnerin Monisha Kaltenborn übergeben möchte, doch dass der Österreicherin schon seit Monaten auch ein Drittel der Sauber-Anteile gehören, war bis vor einigen Tagen neu - zumindest für die Öffentlichkeit: "Die Übertragung haben wir im letzten Jahr gemacht", verrät Sauber.

"Ich glaube, es ist wichtig, dass man die Zukunft aktiv plant - nicht so, dass man in ein gewisses Alter kommt, wo die Ereignisse die Zukunft diktieren. Dafür gibt es ja Beispiele", meint der 68-Jährige. "Monisha und ich arbeiten sehr lange zusammen und ich habe es im letzten Jahr als wichtigen Schritt empfunden, sie möglichst gut einzubinden. Wir beide betrachten das als eine klare Verpflichtung und nicht als irgendeinen Bonus - denn als Bonus wäre das zu groß."

Schon seit Jahren bei Sauber

Warum gerade Kaltenborn die ideale Nachfolgerin ist? "Es ist sehr, sehr schwierig, jemanden zu finden, der ein Team leiten kann", sagt Sauber. "Wir arbeiten jetzt schon seit vielen Jahren zusammen. Monisha war schon in vielen wichtigen Funktionen, zum Beispiel beim Aushandeln des letzten Concorde-Agreements, gemeinsam mit BMW. Schon davor hatte sie eine Funktion bei Sauber Petronas Engineering, immerhin eine Firma mit damals 60 Mitarbeitern."

Schon lange vor dieser Zeit verdiente sich die indisch verwurzelte Juristin bei den Vereinten Nationen ihre ersten Sporen als Rechtsanwältin, ehe sie über einige andere Stationen 1998 bei der Liechtensteiner Fritz-Kaiser-Gruppe landete. Kaiser war damals Anteilseigner des Sauber-Teams, sodass Kaltenborn in ihrer damaligen Tätigkeit erstmals mit der Formel 1 in Berührung kam. Schon zwei Jahre später übersiedelte sie dann von Liechtenstein nach Hinwil.

"Ich fühlte mich von Anfang an wohl im Team. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier wachsen kann", erinnert sie sich. "Am Anfang kümmerte ich mich ja nur um die juristischen Belange. Die erstrecken sich natürlich auf alle Bereiche einer Firma, aber mir wurde die Freiheit gegeben, mich mehr und mehr in verschiedene Bereiche zu entwickeln. Ich kam im Jahr 2000 zum Team nach Hinwil. Davor arbeitete ich von Liechtenstein aus für Sauber."

"2001 wurde ich ins Management-Komitee bestellt. Dadurch erhielt ich einen viel besseren Einblick in die Deals mit Bernie und der FIA. Dadurch fühlte ich mich mehr und mehr als Teil des Teams. Das wurde über all die Jahre immer stärker", so Kaltenborn. "Mir wurde immer die Gelegenheit gegeben, Herausforderungen anzunehmen, die sich boten, und es waren viele Herausforderungen, auch schon vor der BMW-Zeit."

Darüber, wer die Idee hatte, Kaltenborn Anteile zu überschreiben, wird bei Sauber ebenso geschwiegen wie darüber, ob in die Transaktion auch eine finanzielle Gegenleistung involviert war. Tatsache ist, dass Kaltenborn mit einem Verkauf ihrer Anteile reich werden kann, auch wenn man davon ausgehen muss, dass im Vertrag eine befristete Verkaufs-Sperre festgeschrieben wurde. Klar ist nur: "Ich wurde nie in irgendetwas hineingedrückt", unterstreicht sie.

Gleiche Werte wie Sauber

"Das ist das Schöne an unserer Zusammenarbeit: Wir sind vielleicht in vielerlei Hinsicht ziemlich unterschiedlich, aber wir teilen die wichtigen Werte für das Team", sagt sie über Sauber. "Für uns beide ist das Team am wichtigsten. Wenn diese Werte übersteinstimmen, ist man sich hinsichtlich der Grundlagen, wie man etwas anpacken will, meistens einig. Wenn sich dann solche Situationen ergeben, passen sie einfach und entwickeln sich ganz von selbst, auf natürliche Weise."

Damit, ein Drittel der Teamanteile überschrieben zu bekommen, hätte sie eigenen Angaben nach "nie gerechnet. Für mich ist es ein großer Vertrauensbeweis, dass man mir gemeinsam mit Peters Sohn Alex zutraut, diese Firma in Zukunft zu leiten - nach den Werten, die Peter als Firmengründer wichtig sind. Er ist nicht nur unser Gründer, sondern er gibt mit seiner Persönlichkeit auch den Charakter der Marke Sauber vor. Diesen wollen wir in Zukunft beibehalten."

"Das funktioniert seit 40 Jahren, was im Motorsport eine sehr lange Zeit ist, wenn man bedenkt, welche großen Namen währenddessen von der Bildfläche verschwunden sind. Und all das aus einem Land heraus, das nicht wirklich für Motorsport bekannt ist und keine Motorsport-Industrie hat. Speziell zu Beginn der Geschichte des Teams stellten sich dem Team daher große Herausforderungen", sagt Kaltenborn über den Standort in der Schweiz.

Die Anteile empfindet sie nicht als Geschenk oder Bonus, der sie in einigen Jahren reich machen könnte, sondern aufgrund der Geschichte des Teams vielmehr als "eine große Verantwortung, die man in einem 40 Jahre alten Team, 20 davon in der Formel 1, übernimmt. Auch aus der Formel 1 sind in diesen 20 Jahren große Namen verschwunden, aber wir sind immer noch hier. Wir wollen sicherstellen, dass das so bleibt", kündigt Kaltenborn an.

Fotoquelle: Sauber

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