Erklärungsbedarf: Ecclestone will den Schritt an die Börse noch 2012 nacholen

Formel 1 2012

— 01.06.2012

Ecclestone zieht die Reißleine: Börsengang abgeblasen

Eurokrise, Asienflaute und der Facebook-Misserfolg: Die Formel 1 verschiebt in unsicheren Zeiten ihren Börsengang in Singapur, will aber 2012 auf das Parkett



Vollbremsung vor der Finanzschikane: Am Freitagmorgen wurde der geplante Börsengang der Formel 1 auf unbestimmte Zeit verschoben. "Es läuft alles geordnet ab. Wir bereiten uns vor und wann immer wir wollen, können wir loslegen", meint Bernie Ecclestone im Gespräch mit der Nachrichtenagentur 'Reuters'. Dem TV-Sender 'Bloomberg' sagt der Promoter: "Mein Gefühl rät mir, alles fertig zu machen und in zwei Monaten fortzufahren, wenn sich die Märkte beruhigt haben."

Ecclestone, der gegenüber der britischen Tageszeitung 'Guardian' den Oktober oder November als möglichen neuen Termin in Aussicht stellt, wehrt sich dagegen, die Entscheidung als eine "Verschiebung" zu bezeichnen, da im Vorfeld kein konkreter Termin genannt worden sei. Mit der Einreichung Börsenprospektes am Handelsplatz Singapur war schon kommende Woche gerechnet worden. Die kurzfristige Rolle rückwärts kommt dennoch nicht überraschend.

Flaute in Asien und Probleme in der Eurozone

Schließlich hatte Ecclestone den Zeitpunkt für den Schritt auf das Handelsparkett schon kürzlich mit Verweis auf die Lage an den Finanzmärkten infrage gestellt. "Wenn die Leute schon nicht in Unternehmen investieren wollen, die seit 20 Jahren an der Börse sind, warum dann in ein neues?", so der Formel-1-Promoter, der 2012 den Motor wieder anwerfen will. "Wir sagten, wir würden es in diesem Jahr machen. Es wird in diesem Jahr passieren", stellt Ecclestone klar.

Ein weltweiter Rückgang der an den Börsen erzielten Gewinne um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sowie die Probleme in der Eurozone erregten Skepsis. Nicht weniger als 46 Unternehmen verschoben im laufenden Kalenderjahr Börsengänge in Asien oder stoppten solche Projekte gänzlich, dazu flaute die Konjunktur im einstigen Boomland China merklich ab. Zwei abschreckende Beispiele dürften die Entscheidung der Formel-1-Verantwortlichen mitgeprägt haben.

Druck deutlich reduziert

Der Londoner Juwelier Graff kündigte am Donnerstag an, auf einen Einstieg in Hongkong zu verzichten. Die in den USA an den Start gegangene Facebook-Aktie verzeichnete einen Kursverlust von 22 Prozent, der Konzern reduzierte darüber hinaus seine Gewinnerwartung.

Dazu hatte im Mai ein 1,6 Milliarden Dollar schwerer Verkauf von 21 Prozent der Anteile durch den Formel-1-Mehrheitseigner CVC Capital Partners an amerikanisch-norwegische Investoren den Druck, an die Börse zu gehen, reduziert. CVC erwartet den Schätzungen von Analysten zufolge zwischen zwei und drei Milliarden Dollar vom Schritt auf das Handelsparkett.

Werben um Investoren geht weiter

Hinzu kommt, dass die Formel 1 mit den Promotion-Gebühren der Rennveranstalter und den Übertragungsrechten über zwei weitere große Einnahmequellen verfügt. Wie 'Reuters' von einer namentlich nicht genannten Quelle erfahren haben will, setzt die Formel-1-AG ihr Werben um Investoren vor dem Marktstart fort, soll aber dabei deutlich weniger aggressiv vorgehen.

Wirklich nur aufgeschoben oder doch aufgehoben? Diese Spekulationen werden nicht nur an den Finanzmärkten beginnen, wenn es um die Formel 1 und ihren Börsenstart geht. Schließlich hatten die Verantwortlichen, darunter auch der erst vor Wochenfrist installierte Holding-Vorsitzende Peter Brabeck-Letmathe, sich in der Vergangenheit immer wieder ein Hintertürchen offen gelassen, wenn es um die wirtschaftliche Zukunft der Königsklasse des Motorsports ging.

Fotoquelle: xpbimages.com

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