"Baby-Piloten": Jacques Villeneuve macht sich Sorgen um die Sicherheit

Formel 1 2012

— 07.06.2012

Villeneuve: Überraschungen langweilig, Gefahr zu hoch

Ex-Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve kritisiert die Szene: Reifen haben zu großen Einfluss, "Baby-Piloten" haben keinen Respekt vor der Gefahr



Am kommenden Wochenende gastiert die Formel 1 auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal. Der kanadische Rennkurs trägt den Namen des früheren Grand-Prix-Helden, der vor 30 Jahren bei einem Unfall in Zolder ums Leben gekommen war. Sein Sohn Jacques holte das nach, was dem Vater in seiner viel zu kurzen Karriere nie vergönnt war: Er wurde Formel-1-Weltmeister. Der mittlerweile 41-Jährige agiert am Rennwochenende als Co-Kommentator von 'Sky Sports F1'.

Die Zuschauer des Senders dürfen sich schon jetzt auf kernige Aussagen freuen. Jacques Villeneuve gilt seit jeher als Charakterkopf, der seine Meinung schonungslos ausdrückt. Einige Kostproben lieferte der Champion am Mittwoch vor dem Rennen. "Ich bin kein allzu großer Fan von der aktuellen Formel 1. Wegen der Reifen ist mir das alles zu wenig vorhersehbar. Die Fahrer können kaum etwas tun. Die Reifen funktionieren plötzlich nicht und man kann nichts machen", so Villeneuve.

"Das entspricht nicht den Standards in der Königsklasse. Es sollte berechenbarer sein", meint der Kanadier. "Es ist schön, dass man mal einen Underdog siegen sieht. Aber so etwas sollte eben nur selten passieren. Im Moment passiert es aber ständig", kritisiert er. "Teams und Piloten aus dem Mittelfeld sind urplötzlich vorne, weil zufällig mal alles passt. Die Topteams können nichts dagegen unternehmen. Das ist doch nicht logisch. Die Besten sollten gewinnen."

Nicht nur die Unberechenbarkeit ist dem Ex-Formel-1-Star ein Dorn im Auge. Auch die jungen Piloten stehen in der Kritik. "Ich finde es seltsam, was man heutzutage für respektvollen Umgang hält und was nicht. Es scheint diesbezüglich beim Rennfahren keine Einigkeit zu geben", schildert Villeneuve seine Sicht. Es herrsche große Gefahr. "Alle vergessen heutzutage, dass die Formel 1 gefährlich ist. Die denken alle, es sei ein Videospiel."

Fahrer unterschätzen die Gefahren

Es habe in den vergangenen Monaten immer wieder Unfälle gegeben, die mit etwas weniger Glück schlimm hätten ausgehen können. "Alle berufen sich immer wieder auf die Regel, dass man die Linie einmal wechseln darf. Aber es gibt einen Punkt, an dem ein solcher Linienwechsel zu spät ist. Dann wird es gefährlich. Und das vergessen viele", meint Villeneuve. "Es liegt vieles auch an den Rennkommissaren. Manche Dinge bestrafen sie gar nicht, andere Dinge bestrafen sie in falscher Form."

Der 41-Jährige nennt Beispiele: Nico Rosbergs Defensivtaktik in Bahrain, Heikki Kovalainens harter Kampf in Monaco gegen Jenson Button, das Verhalten der Sauber-Piloten in China. Auch die Fahrt von Bruno Senna im Zweikampf mit Michael Schumacher in Barcelona sei nicht sauber gewesen. "Senna ist dort ein ganz anderes Rennen gefahren. Er war unfassbar langsam und hat die Leute blockiert, die um Punkte gekämpft haben. Das nenne ich nicht gerade intelligentes Fahren", sagt er und wundert sich, dass sein Ex-Rivale Schumacher bestraft wurde.

"Es gibt keinen Respekt untereinander. Ich denke, als vor 20 oder 30 Jahren das Risiko für Leib und Leben deutlich höher war, da gab es noch einen gewissen Respekt. Damals waren Leute unterwegs, die hart für ihre Teilnahme an solchen Rennen gekämpft hatten", beschreibt Villeneuve. "Früher gab es das nicht, dass zwölfjährige Jungs eine komplette Finanzierung für den Rennsport gesichert hatten. Damals musste man sich dies alles mit Schweiß erarbeiten. Damals waren keine kleinen Jungs unterwegs. Heutzutage sind es Babys."

Diese unbedarfte "Videospiel-Mentalität" sei eine große Gefahr. Viele aktuelle Piloten gehen laut Villeneuve ein zu hohes Risiko ein. Man verhalte sich zwar meist den Regeln entsprechend, aber nicht verantwortungsbewusst. "Eines Tages wird etwas passieren. Dann wird ein Haufen neuer Regeln kommen, eine klare Überreaktion folgt", meint der erfahrene Kanadier. "Es ist eben kein Videospiel. Es ist sehr, sehr gefährlich. Und es ist hart."

Fotoquelle: xpb.cc

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