Der Kanadier Jacques Villeneuve ist in Montreal als Formel-1-TV-Experte tätig

Formel 1 2012

— 08.06.2012

Frühere Erzrivalen loben Schumacher

Ausgerechnet seine früheren Erzrivalen Jacques Villeneuve und David Coulthard finden, dass der sehr optimistische Michael Schumacher für den ersten Sieg überfällig ist



Totgesagte leben länger: Viele haben Michael Schumacher nach zwei durchwachsenen Comeback-Saisons an der Seite von Nico Rosberg bei Mercedes bereits abgeschrieben, doch 2012 präsentiert sich der siebenmalige Weltmeister teilweise in Topform - wenn auch meistens unglücklich. In Monte Carlo gewann er sogar erstmals wieder ein Qualifying, doch wegen einer Plus-Fünf-Strafe stand er trotzdem nicht auf Pole-Position.

Dass die Leistungen insgesamt deutlich besser geworden sind, anerkennen aber sogar ehemalige Rivalen wie zum Beispiel Jacques Villeneuve, dem Schumacher beim legendären WM-Finale von Jerez de la Frontera 1997 (erfolglos) in den Williams gefahren ist: "Michael schlägt sich dieses Jahr großartig", lobt der 41-Jährige, der seine Formel-1-Karriere im Jahr 2006 nicht ganz freiwillig beenden musste, gegenüber 'Autosport'.

Ingenieur für Erfolg mitverantwortlich?

"Michael fährt dieses Jahr besser, wie in seinen besten Tagen", findet Villeneuve. "Er war schon das ganze Jahr beeindruckend, und in Monaco konnte man das sehen. Er hatte schon mächtig Pech in dieser Saison, aber er hat immer wieder zurückgeschlagen." Den Grund dafür glaubt er auch zu kennen: "Er fährt besser, seit er mit Jock Clear zusammenarbeitet." Der war nämlich nach Andrew Shovlin interimistisch für den Schumacher-Mercedes zuständig, ehe Peter Bonnington übernahm.

"Das zeigt, dass du da draußen nicht allein sein kannst", analysiert Villeneuve die Zusammenarbeit zwischen Schumacher und Clear, der bei Williams und BAR noch sein eigener Vertrauens-Renningenieur war. "Du brauchst den richtigen Ingenieur, dem du vertrauen kannst und der dich versteht." Rennfahren sei nämlich auch psychologisch, und ein intaktes Verhältnis zum Renningenieur mache einen "riesigen" Unterschied: "So hatte es Michael bei Benetton und Ferrari, und mit Jock scheint er diese Unterstützung wieder gefunden zu haben.

Verständnis zeigt er auch dafür, dass Schumacher mit der aktuellen Formel 1 und insbesondere mit den Pirelli-Reifen nur mühsam zurechtkommt: "Wenn dir das Auto nicht liegt, kannst du nicht dagegen ankämpfen", weiß Villeneuve. "Du kannst der beste Fahrer der Welt sein, aber wenn sich das Auto für dich nicht richtig anfühlt und das Fahren nicht natürlich ist, wird es sehr schwierig, diese letzten zwei, drei Zehntel herauszuquetschen."

Montreal eine Mercedes-Strecke?

David Coulthard, ebenfalls ein ehemaliger Schumacher-Rivale, glaubt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Mercedes-Pilot wieder ganz vorne steht: "Kann Michael in Kanada gewinnen? Auf Basis dessen, was wir in Monaco gesehen haben, kann er das, ja." Denn der heutige Mercedes-DTM-Fahrer glaubt, dass die Strecke in Montreal aufgrund der Stärken des Silberpfeils (vor allem DRS und Traktion) für den F1 W03 wie maßgeschneidert sein müsste.

Gerade in Montreal, wo Schumacher schon 2011 erstmals wieder am Podium geschnuppert hat, könnte der Zeitpunkt richtig sein, um endgültig den Durchbruch zu schaffen: "Michael hat in Monaco bewiesen, dass er immer noch den Speed hat, um ganz vorne zu stehen, wenn die Umstände passen", schreibt Coulthard in seiner 'Autosport'-Kolumne. "Ich finde, dass es noch nie eine bessere Zeit für einen 43-jährigen Sieger in der Formel 1 gegeben hat."

Schumacher glaubt an seine Chance

Schumacher selbst, dem siebenmaligen Weltmeister, würde es gefallen, im siebten Saisonrennen der siebte Sieger zu werden: "Ich mag die Sieben", lächelt er, "und Montreal kommt unserem Auto sicher entgegen. Wir haben schon in Monaco gesehen, dass wir stark sein können, und hier ist die Situation ähnlich. Ich bin sehr zuversichtlich. Wenn man sich das Comeback vom Anfang bis jetzt anschaut, dann waren wir sicher noch nie so nahe an einem guten Ergebnis wie jetzt."

"Seit Malaysia waren wir eigentlich immer ziemlich gut", fügt er an. "Wir haben das Auto sehr gut verstanden und haben seither konstante Rennen abgeliefert. Es geht nur darum, das Auto zu verstehen und das Maximum herauszuholen." Für das kommende Wochenende ist Schönwetter angesagt, trotzdem glaubt Schumacher, dass besonders die Temperaturen wieder ein entscheidender Faktor sein könnten.

"Du kannst das Auto am Samstag feintunen, aber du darfst für Sonntag nichts mehr ändern. Also musst du schätzen, wie das Wetter wird", erklärt der Deutsche. "Nehmen wir China: Fünf Grad Streckentemperatur haben plötzlich alles zu unseren Gunsten gedreht, obwohl es davor nicht so toll ausgesehen hat. Bekommen wir dieses Wochenende so eine Chance? Wir das Wetter so beständig wie vorhergesagt? Das ist die Frage."

Fotoquelle: xpb.cc

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