Vettel sicherte sich die Pole-Position zum Großen Preis von Kanada

Formel 1 2012

— 09.06.2012

Blütenweiße Pole-Position für Vettel in Montreal

Vier Bestzeiten an einem Tag: Sebastian Vettel steht in Kanada vor Lewis Hamilton und Fernando Alonso - Mercedes-Konfusion um Michael Schumacher



Ob die DFB-Kicker bei der Fußball-Europameisterschaft in Lemberg nachlegen können, ist noch ungewiss, aber der erste große deutsche Sporterfolg des heutigen Abends steht bereits fest: Sebastian Vettel sicherte sich mit einer überragenden (und für viele überraschenden) Vorstellung im Qualifying in Montreal die Pole-Position für den Grand Prix von Kanada.

Der Red-Bull-Pilot dürfte sich nun bemühen, sich möglichst schnell durch diverse Interviews und Briefings zu arbeiten, um mit Joachim Löws Elf mitzufiebern: "Wenn jetzt noch Deutschland gegen Portugal gewinnt, ist es ein super Tag! Ich bin gespannt und drücke die Daumen", grinst Vettel und gesteht, dass er in Gedanken schon nicht mehr in Montreal, sondern im 6.785 Kilometer Luftlinie entfernten Lemberg in der Ukraine ist...

Vettel in allen Sessions Schnellster

Der Polesetter von 2011 blieb heute ungeschlagen, fuhr 1:14.442 Minuten im dritten Freien Training, 1:14.661 in Q1, 1:14.187 in Q2 und 1:13.784 im zweiten Q3-Run. Dabei hätte im Top-10-Finale schon sein erster Versuch von 1:13.905 Minuten für die Bestzeit gereicht. "Ich bin sehr glücklich, jetzt hat's endlich mal gepasst", freut sich der derzeitige WM-Zweite. "Ich glaube, wir haben in Barcelona und Monaco ziemlich viel verstanden und gelernt."

"Wir hatten bisher ein fantastisches Wochenende ohne Probleme mit dem Auto", bilanziert Vettel. "Wir konnten dem Auto vertrauen, die Bedingungen lesen und einen Rhythmus finden. Ich konnte mich im Qualifying immer weiter steigern. Anfangs sah es sehr eng aus, aber am Ende war der Abstand doch größer. Das ist schön, aber tatsächlich beträgt unser Vorsprung auf Lewis nur acht Meter in der Startaufstellung. Es wird ein interessantes Rennen."

Zunächst war Fernando Alonso (Ferrari) sein erster Verfolger, doch Lewis Hamilton (McLaren) fand im letzten Run noch einmal fast vier Zehntelsekunden und ging so noch am Spanier vorbei. Rückstand des zweitplatzierten Montreal-Spezialisten: 0,303 Sekunden. "Es war schwierig für uns", bedauert Hamilton. "Ich musste schon im dritten Training kämpfen, Temperatur in die Reifen zu bekommen, aber ich bin glücklich mit der Leistung und sehr froh, in der ersten Reihe zu stehen."

Ferrari-Neuerungen zahlen sich aus

Alonso hatte im Finish die erste Startreihe durchaus in Reichweite, fuhr sogar absolute Bestzeit im ersten Sektor - aber hinten raus ließ er die Zeit liegen. Trotzdem ist er nicht unzufrieden: "Das Auto fühlte sich schon gestern mit den neuen Teilen ziemlich gut an", freut er sich. "Die Balance ist viel besser, auch für Felipe. Das ist ein erster Schritt, aber die Arbeit hört nie auf. Aber im Moment bin ich sehr glücklich und den Jungs in der Fabrik sehr dankbar."

Sein Vorsprung auf Mark Webber (Red Bull) betrug zwei Zehntelsekunden, während der Australier nach hinten fünf Hundertstelsekunden Vorsprung auf Felipe Massa hatte. Der bestätigte mit dem guten sechsten Platz einerseits seine ansteigende Formkurve, andererseits aber auch, dass der von McLaren kopierte Auspuff funktioniert. Zudem scheint der Ferrari mit den wärmeren Temperaturen als am Freitag besser zurechtzukommen als etwa der McLaren.

Zitterpartie für Button

Denn nicht nur Hamilton konnte die Erwartungen nicht ganz erfüllen, sondern auch der durch die verlorene Trainingszeit verunsicherte Jenson Button wusste nicht zu überzeugen. In der Haarnadelkurve blockierte immer wieder ein Rad, und hätte nicht Pastor Maldonado nach absoluter Q2-Bestzeit im ersten Sektor seinen Williams in der "Wall of Champions" versenkt, wäre der Vorjahressieger im Top-10-Finale nicht einmal dabei gewesen.

Selbst ohne Maldonado war es für Button eine Zitterpartie, denn der elftplatzierte Kamui Kobayashi hatte nur acht Tausendstelsekunden Rückstand. Das Sauber-Team hatte sich vor der Abreise nach Kanada sicher mehr erwartet als die Startpositionen elf und 15 (Sergio Perez) - da ist auch der mit 324 km/h beste Qualifying-Topspeed nur ein schwacher Trost. Offensichtlich war weniger heute mehr, zumindest hinsichtlich der Flügeleinstellung.

Siebter wurde Romain Grosjean (Lotus/+0,861), Achter Paul di Resta (Force India/+0,921), Neunter Michael Schumacher (Mercedes/+1,028). Letzter brach nach Sektor eins ab, machte eine abfällige Handbewegung. Das kann aber unmöglich an Massa gelegen haben, der brav aus dem Weg gegangen ist, oder? "Das Team hat mir gesagt, dass ich rein muss und mir die rote Ampel schon gezeigt wurde, obwohl ich bei grünen Lichtern vorbeigefahren bin. Ich verstehe es nicht", verneint Schumacher.

Schumacher: Vorwurf ans Team

"Kalkuliert war, dass wir eine Aufwärmrunde fahren und dann in der zweiten Runde attackieren, weil wir in Q2 gesehen haben, dass das besser war. In Q3 haben wir es im ersten Turn mit einer Runde probiert, was nicht so gut war. Für den letzten Run wollten wir deshalb umstellen", erklärt er. "Ich weiß nicht, was da schiefgelaufen ist. Man hat ja gesehen, wo ich vorher gewesen bin. Ich gehe nicht davon aus, dass ich in der Runde langsamer gefahren wäre."

Ein großer Abwesender in Q3 war heute Kimi Räikkönen, der am Lotus-Boxenfunk technische Probleme meldete: "Mit dem Differenzial, eine hydraulische Geschichte", sagt der "Iceman". "Wir hatten schon am Freitag einige Schwierigkeiten damit. Die traten nun wieder auf. Das Differenzial funktioniert nicht so, wie es sollte. Verhält sich das Auto einmal nicht optimal, dann ist es bei einem so engen Feld natürlich schwierig." Unterm Strich Platz zwölf.

Nico Hülkenberg, phasenweise an diesem Wochenende stark unterwegs, aber unterm Strich doch Verlierer im Force-India-Stallduell, wurde 13. Enttäuschend die Williams-Performance: Bruno Senna (16.) konnte einfach keine Glanzlichter setzen, Maldonado gingen im entscheidenden Moment wieder einmal die Nerven durch. Das etablierte Q1-Opfer war diesmal aber Jean-Eric Vergne (Toro Rosso), dem mehr als eine Sekunde auf den Top-17-Cut fehlte.

HRT diesmal klar vor Marussia

Die Überraschung im "kleinen Qualifying" der drei schwächsten Teams war HRT, denn Pedro de la Rosa hängte die beiden Marussia-Piloten diesmal relativ klar ab und wurde 21. Warum für Timo Glock (22.) nicht mehr ging? "Die Jungs vor mir hatten stark verlangsamt und ich musste die Schikane mit dem ersten Reifensatz abkürzen", so der Marussia-Pilot. "Und ich musste mit dem zweiten Satz Reifen in der Aufwärmrunde feststellen, dass dieser nicht so richtig funktioniert."

Topfavorit auf den Sieg scheint nun Vettel zu sein, aber mit Prognosen sollte man in dieser verrückten Saison vorsichtig sein. "Ich habe es aufgegeben, Vorhersagen zu treffen", winkt sogar Red-Bull-Stardesigner Adrian Newey ab. "Das Starterfeld ist unheimlich eng zusammen. Kleinigkeiten entscheiden darüber, ob du Sechster oder Erster wirst. In Q2 waren die ersten 13 nur durch sechs Zehntelsekunden voneinander getrennt."

Fest steht, dass die Reifen morgen wieder eine große Rolle spielen könnten. Allerdings steht diesmal kein rasanter Abbau zu befürchten, wie man das in dieser Saison schon oft erlebt hat, denn die Pirellis können angeblich bis zu 70 Runden am Stück überleben. Aber: "Es ist eine besondere Strecke, auf der es sehr schwierig ist, die Reifen auf Temperatur zu bekommen, weil es nicht so viele Kurven gibt", weiß Polesetter Vettel um das Geheimnis.

Fotoquelle: xpbimages.com

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