Es läuft nicht: Michael Schumacher ist der Pechvogel der Saison 2012

Formel 1 2012

— 11.06.2012

Sutil fühlt mit Pechvogel Schumacher

Michael Schumacher bleibt nach dem nächsten Ausfall in Montreal der Pechvogel der Saison - Adrian Sutil: "Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr"



Zehnter in Malaysia, Zehnter in Bahrain, aber ansonsten nur Nullrunden: Michael Schumacher, da sind sich die Experten einig, fährt 2012 die bisher stärkste Saison seit seinem Comeback, doch auf die Ergebnisse schlägt sich das nicht nieder. WM-Platz 18 bedeutet, dass sich der siebenmalige Weltmeister derzeit hinter Gegnern wie Jean-Eric Vergne und Daniel Ricciardo einreihen muss.

Dabei rechnete die 'Bild am Sonntag' vor dem Rennen in Montreal aus: "Hätte 'Schumi' alle vier Rennen auf dem jeweiligen Platz auch beendet, auf dem er bei seinen Ausfällen lag, hätte er jetzt 63 WM-Punkte. Und noch verrückter dieses Szenario: Wäre er nach seiner Qualifikations-Bestzeit in Monaco nicht um fünf Startplätze strafversetzt worden, hätte er das Rennen wahrscheinlich gewonnen. Schumacher hätte dann 82 Punkte und würde die WM klar anführen!"

Alle haben Pech, aber Schumacher am meisten

Zugegeben, eine Milchmädchenrechnung, denn keiner der Titelanwärter hat seine Punkteausbeute bisher maximiert, und bis auf Lewis Hamilton und Fernando Alonso ist jeder Fahrer schon mindestens einmal leer ausgegangen. Sprich: Schumacher ist nicht der Einzige, der Pech hatte. Aber dass sich Pleiten, Pech und Pannen bei ihm häufen, ist nicht von der Hand zu weisen, und der Punkterückstand auf Nico Rosberg (2:67) sicher nicht repräsentativ.

Adrian Sutil findet es "furchtbar", was sein Landsmann gerade durchmacht: "Man kann's gar nicht verstehen, dass es immer nur den einen Fahrer erwischt. Es ist wirklich offensichtlich, es ist nicht irgendeine Ausrede, dass es technische Defekte sind. Es erwischt immer ihn. Bei Schumacher sind alle Probleme, während Nico seelenruhig seine Rennen zu Ende fahren kann. Das ist für Schumacher wirklich enttäuschend", zeigt der 'Sky'-Experte Verständnis.

"Schlimmer geht's nicht", fühlt Sutil, selbst seit der Trennung von Force India Ende 2011 arbeitslos, mit dem Mercedes-Piloten mit. "Er wird sich allmählich auch Gedanken machen, was da los ist, aber was soll man machen? Man muss sich neu motivieren, man muss einfach die Fakten zusammenlegen und sagen: Okay, das war falsch, das müssen wir besser machen und es nochmal versuchen. Es bleibt gar nichts anderes übrig."

Rosberg ohne vergleichbare Probleme

"Es ist die Mechanik und es ist das Material", weiß er. "Das lässt sich alles austauschen. Natürlich geht so ein Auto immer perfekt an den Start, aber manchmal trifft's halt einen aus irgendwelchen Gründen, und dann geht das Auto kaputt. Das muss jetzt auf jeden Fall bald mal aufhören, denn es kostet so viele Punkte. Wenn man das mit dem Punktekonto von Nico vergleicht, ist der Unterschied gravierend. Das ist natürlich für die Team-WM dann auch ein Riesenproblem."

Auch für die bevorstehenden Vertragsverhandlungen? "Sowas hilft natürlich nicht bei der Entscheidung", glaubt Sutil. "Wenn man nur noch solche Rennwochenenden erlebt, dann vergeht einem irgendwann die Lust. Da kann man noch so stark und hart im Nehmen sein, aber irgendwann hat man einfach keine Lust mehr, weil man keine Lösung mehr findet. Es sind schon noch einige Rennen und es kann sich noch alles wenden, aber es wird jetzt allmählich Zeit."

Gestern in Montreal lag Schumacher an achter Stelle, als ihm sein Renningenieur Peter Bonnington ins Cockpit plärrte: "Dein Heckflügel schließt nicht, Warnung!" Aber da bretterte der Silberpfeil schon durch die Wiese. Schumacher kam daraufhin an die Box, wo sich die Mechaniker noch ein Weilchen plagten, aber der feststeckende DRS-Mechanismus ließ sich nicht reparieren. Mit offenem Heckflügel weiterzufahren, war keine Option.

"Das ist natürlich unfahrbar", erklärt Sutil. "Die Balance ist extrem schwierig dann, weil man hinten gar keinen Grip mehr hat und vorne viel zu viel. Deswegen auch der Ausritt ins Gras. Sie haben noch versucht, das mit Gewalt runterzudrücken, aber keine Chance. Das ist ein Hydrauliksystem. Das hat dann meistens tiefgründige Ursachen, die nicht in Ordnung waren, und deswegen mussten sie auch das Rennen beenden."

Schumacher: Kein Vorwurf ans Team

Schumacher selbst nimmt sein Pech schon mit einer Mischung aus Teamgeist und Galgenhumor: "Vielleicht kann man sagen: Zum Glück ist es mein Auto. So kann Nico das Maximum an Punkten einfahren und für das Team das Beste aus der Situation machen", meint er achselzuckend. "Es sind Prototypen, die in sehr kurzer Zeit gefertigt werden. Da können solche Dinge vorfallen. Dass sie sich in so kurzer Zeit so häufen, ist ohne Frage sehr ungewöhnlich."

Schon im Montreal-Qualifying hatte sich der 43-Jährige insgeheim über sein Team geärgert, weil er in Q3 zu spät auf die Strecke geschickt wurde, sodass er vor seiner geplant letzten Runde um Sekundenbruchteile zu spät über die Ziellinie fuhr. Und dass dann im Rennen ausgerechnet das DRS defekt war, das schon beim Grand Prix von Bahrain für Probleme gesorgt hatte, kommt bei einem Perfektionisten wie Schumacher sicher nicht gut an.

Zumindest nach außen macht er aber gute Miene zum bösen Spiel, schließlich weiß er, dass keine Absicht dahintersteckt: "Dass das ärgerlich ist, darüber brauchen wir nicht zu reden, aber ich gehe davon aus, dass es für jeden im Team ärgerlich ist. Deswegen hat mein Team auch mein vollstes Vertrauen. Die Jungs probieren ihr Bestes und sind mit Sicherheit genauso enttäuscht, wie ich das jetzt bin", macht Schumacher niemandem einen Vorwurf.

Fotoquelle: xpbimages.com

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