Ross Brawn verspricht, dass beide Mercedes-Boliden ident sind

Formel 1 2012

— 12.06.2012

Zuverlässigkeit: Warum ist stets "Schumi" das Opfer?

Während Nico Rosberg 2012 keine Probleme hat, verzeichnete Michael Schumacher in Montreal den vierten Defekt - Ross Brawn analysiert die ungleiche Fehlerquote



Die Mercedes-Fehlerquote ist auffällig: Während Nico Rosberg dieses Jahr stets das Ziel erreichte und seine Zuverlässigkeit daher bei 100 Prozent liegt, schied Teamkollege Michael Schumacher bei fünf von sieben Rennen aus. Nur einmal war daran ein Fahrfehler schuld - bei der Kollision mit Williams-Piloten Bruno Senna in Spanien. Die weiteren Ausfallsgründe: Getriebeschaden in Melbourne, ein nicht angeschraubtes Rad in Schanghai, ein Problem mit dem Benzindruck in Monte Carlo und ein kaputtes DRS in Montreal.

Doch wie kann es passieren, dass das Pech an "Schumis" F1 W03 klebt, während bei seinem Teamkollegen alles makellos läuft? Teamchef Ross Brawn führt dies gegenüber 'Bild.de' nicht auf Schlamperei zurück: "Beide Autos werden gemäß identischer Standards nach demselben Prozess entworfen, gebaut und gewartet. Unser Ziel ist stets die totale Zuverlässigkeit mit null Fehlern."

Brawn spricht Schumacher frei

Dass Schumachers aggressiver Fahrstil damit etwas zu tun haben könnte, schließt er ebenfalls aus: "Das hat absolut nichts mit Michael zu tun, alles liegt ausschließlich in unserer technischen Verantwortung." Zudem komme er in den Genuss einer gleichwertigen Technikertruppe wie Teamkollege Rosberg: "An beiden Autos arbeiten ebenbürtige Ingenieure, Techniker und Mechaniker von höchstem Niveau."

Den Eindruck, dass Probleme ausschließlich am Auto des Rekordweltmeisters auftreten würden, will er so nicht stehenlassen lassen. Er verweist auf das dritte Freie Training in Kanada, als Rosberg ein Problem mit der Kupplung hatte, "das uns ebenfalls zurückwarf".

Der 57-Jährige führt die technischen Pannen darauf zurück, dass das Team bei seinem Versuch, an die Spitze zu kommen, Risiken nehmen muss. Da seien "leider manchmal in Phasen Fehler nicht zu verhindern - bei niemandem." Doch all das ändert nichts an der Tatsache, dass sich bei Mercedes dringend etwas ändern muss, will man tatsächlich mit den Topteams um den WM-Titel kämpfen. Unter den aktuellen Umständen ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Rosberg vom Defektteufel aus dem Titelrennen gerissen wird.

Wie Brawn den Defektteufel verjagen will

Doch welche Maßnahmen hat Teamchef Brawn ergriffen, um die Zuverlässigkeit in seinem Team auf ein professionelles Niveau zu heben? "Wir müssen sicherstellen, dass wir die Gründe für die Probleme vollständig verstehen und diese dann rasch, aber systematisch beseitigen", erklärt der Brite die Vorgehensweise. Er ist sicher: "Jedes Teammitglied ist sich seiner Verantwortung äußerst bewusst, und die Probleme sind nicht auf fehlende Aufmerksamkeit oder Sorgfalt zurückzuführen."

Er warnt aber auch davor, sich nun durch eine eventuelle Panikreaktion zu verzetteln: "Es ist klar, dass wir uns steigern müssen, gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht falsche Schritte machen und dadurch neue Probleme schaffen. Es gibt keine Wunderwaffe, mit der wir alles lösen können."

Vertragsverhandlungen: Vergrault man Schumacher?

Dass bei Rosberg bisher kaum Probleme aufgetreten sind, gibt ihm Hoffnung. Außerdem habe das Team "seit jeher grundsätzlich eine sehr gute Zuverlässigkeitsquote. Jetzt müssen wir kontrolliert und logisch weiterarbeiten und sieben Tage die Woche Tag und Nacht alles geben, um die Probleme zu lösen."

Das wird auch unbedingt notwendig sein, will man Schumacher tatsächlich zu einer Verlängerung seines zu Saisonende auslaufenden Dreijahres-Vertrages bringen, auch wenn sich Brawn diesbezüglich noch gelassen gibt: "Nach meiner Erfahrung mit Michael bringen ihn schwierige Zeiten da zu, das Team noch mehr zu stützen und zu motivieren. Wir werden unser Bestes geben, um ein perfektes und absolut zuverlässiges Auto zu bauen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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