Noch beäugen sie sich skeptisch: Vettel (links) und Alonso bald im gleichen Dress?

Formel 1 2012

— 20.06.2012

Das Wunderkind hat die Qual der Wahl

Vettel und Ferrari: Zusammenarbeit mit Alonso offenbar unproblematisch, Geld, Know-How und Karriereplanung sprechen allerdings für einen Verbleib bei Red Bull



"Im Leben sollte man niemals nie sagen", erklärt Stefano Domenciali gegenüber 'Auto Bild motorsport' mit einem breiten Grinsen, wenn es um eine mögliche Zukunft Sebastian Vettels bei Ferrari geht. Vor ihm liegt eine Fotomontage, die den aktuellen Red-Bull-Piloten im roten Overall der Scuderia zeigt. Ein Bild, dass sich der Italiener innerlich schon längst ausgemalt hat? Denn es ist nicht das erste Mal, dass der Teamchef so offen mit der Verpflichtung des amtierenden Weltmeisters kokettiert.

Kommt einer der spektakulärsten Fahrerwechsel der vergangenen Jahre tatsächlich zustande? Ein Wörtchen mitsprechen könnte in dieser Angelegenheit Fernando Alonso, dessen Vertrag bei der Scuderia noch bis 2016 läuft. Domenicali sieht kein Problem darin, dass sich die beiden Stars ins Gehege kommen könnten - so wie es im Jahr 2007 der Fall war, als der Spanier und Lewis Hamilton bei McLaren aneinander gerieten und sich schließlich um den WM-Titel brachten - zugunsten von Ferrari.

"Zwei intelligente Jungs"

Der Teamchef glaubt an einen Burgfrieden in Maranello auch dann, wenn Vettel Alonso den Nummer-eins-Status im Team tatsächlich durch seine bloße Präsenz streitig machen sollte. "Ich denke, beide sind intelligente Jungs, die miteinander harmonieren könnten", so der Ferrari-Teamchef. Auch Bernie Ecclestone kann sich die deutsch-spanische Kombination vorstellen: "Das dürfte nicht das Problem sein. Beide sind Rennfahrer, die ständig neue Herausforderungen suchen", sagt der Formel-1-Promoter gegenüber 'Auto Bild motorsport'.

Ecclestone glaubt daran, dass es sowohl für Alonso als auch für Vettel eine große Herausforderung wäre, mit und gleichzeitig gegen den anderen zu fahren: "Jeder würde denken, ich kann den anderen schlagen, weil beide selbstbewusste Burschen sind. Und Stefano würde dafür sorgen, dass beide absolut gleiches Material bekommen", vertraut er auf Domenicalis Neutralität im teaminternen Kampf - wie sie bei Ferrari lange nicht selbstverständlich war.

Wie bei Lauda und Piquet

Aus Erfahrung rät Ecclestone, das Duell sportlich und auf der Strecke auszufechten: "Er müsste das sagen, was ich immer als Teamchef gesagt habe, beispielsweise als ich 1979 bei Brabham mit Niki Lauda und dem damals noch sehr jungen Nelson Piquet auch zwei sogenannte Platzhirsche im Team hatte", erinnert sich der 81-Jährige an seinen Umgang mit zwei starken Charakteren. "Ich sagte: 'Jungs, es ist ganz einfach. Wer schneller ist, ist die Nummer eins im Team'", meint der Formel-1-Promoter.

Allerdings gibt es aus Ecclestones Sicht doch noch ein Argument, dass gegen das Zustandekommen des Megatransfers spricht: Vettels Karriereplanung. "Ich würde ihm das jetzt noch nicht empfehlen. Noch ist er zu jung", bremst der Brite die Euphorie. "Normalerweise beendet man seine Karriere bei Ferrari. Eines Tages könnte es also passieren." Doch wann ist eines Tages? Für Felipe Massa gibt es von Domenicali bisher nur Lippenbekenntnisse, für Vettel fast schon Liebeserklärungen.

Red Bull hat noch nicht aufgegeben

Doch bei Red Bull glaubt man, beim Tauziehen um den Heppenheimer die stärksten Argumente auf seiner Seite zu haben. Motorsport-Berater Helmut Marko spricht gegenüber 'Auto Bild motorsport' von "einem guten Einvernehmen" und bezeichnet die Möglichkeit, dass Vettel und der Brausehersteller 2014 nicht mehr zusammenarbeiten, als "gering". Die Gründe dafür lägen im neuen Reglement und der Einführung der V6-Motoren, die der langfristig an Red Bull gebundene Stardesigner Adrian Newey und Renault am besten umsetzten könnten.

Marko gibt zu bedenken: "Im Moment deutet alles darauf hin, dass Renault mit dem neuen Motor-KERS-System State of the Art sein wird. Wenn das so ist, ergibt sich der Rest automatisch." Und auch beim Geld könnte Red Bull nachlegen, was Marko nachvollziehen kann: "Er schaut, was sein Marktwert ist, und da ist es klar, dass er adäquat bezahlt werden will." Gerüchte ranken sich um einen Vertragsentwurf, der Vettel 75 Millionen Euro in drei Jahren sichern soll.

"Die letzten drei Jahre war Vettel nun mal der Erfolgreichste", zeigt der Österreicher Verständnis für mögliche Vettel-Forderungen und unterstreicht: "Wir haben ein gutes Einvernehmen mit ihm. Er weiß, was technisch bei uns passiert. Die Möglichkeit, ihn 2014 nicht mehr bei uns zu haben, ist gering. Sebastian stellt sich folgende Fragen. Wo kann ich gewinnen und wo habe ich das beste Umfeld, damit ich diese Leistung bringen kann?" Das sieht Marko zumindest bis einschließlich 2014 bei Red Bull.

Fotoquelle: xpbimages.com

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