Louts will sich nicht auf das Risiko einlassen, mit dem Setup zu experimentieren

Formel 1 2012

— 21.06.2012

Lotus und das Nullsummenspiel mit dem E20

Kimi Räikkönen und Romain Grosjean erleben mit einem reifenschonenden Auto Segen und Fluch zugleich - Spagat zwischen Qualifying und Rennen muss gelingen



Trotz sieben Siegern in sieben Rennen warten die vielleicht besten Sonntagsfahrer noch immer auf ihren Pokal: Spätestens seit dem Kanada-Grand-Prix und der Aufholjagd von Romain Grosjean dürfte klar sein, dass der Lotus E20 auf fast jeder Strecke siegfähig ist. Einzig: Er gewinnt nicht, sondern fährt aus wenig optimalen Startpositionen höchstens auf das Podium. Der Grund dafür liegt offenbar in der Tatsache, dass es dem Team nicht gelingt, die optimale Balance zwischen Qualifying und Rennen zu finden.

Eric Boullier weiß, wie wichtig das Zeittraining für ein mögliches Platzen des Lotus-Knotens ist: "Wenn du gewinnen willst, musst du aus den ersten zwei Reihen losfahren. Aber wir müssen auch die richtige Balance halten und die Stärken des Autos im Rennen wahren", gibt der Teamchef gegenüber 'Autosport' zu bedenken. Der Grund dafür, dass der E20 auf die Renndistanz gesehen oft das schnellste Auto ist, liegt offenbar in seinem schonenden Umgang mit den Reifen.

Ein Segen, aber auch ein Fluch: Denn das ist gleichzeitig die Erklärung für die Qualifying-Schwäche. Denn die Pneus kommen nicht so schnell auf Temperatur wie bei der Konkurrenz. James Allison legt im Gespräch mit der britischen Fachzeitschrift nahe, statt mit dem Nullsummenspiel Setup zu operieren, lieber ein Update des Autos durchzuführen, um die Probleme mit der Reifentemperatur in den Griff zu bekommen.

Der Chefingenieur erklärt das Vorgehen: "Es gibt zwei Wege nach oben: Entweder die Gesamtleistung so zu verbessern, dass du brachial durch das Qualifying fegst und die Sonntage sogar noch besser sind", nennt Allison ein Szenario. Das andere sieht so aus: "Oder du stimmst das Auto etwas feiner auf den Samstag ab, strauchelst dann aber im Rennen." Klar, dass Lotus Variante eins bevorzugt.

Ob nun mit oder ohne Update spielt die Strecke in Valencia dem Team in die Hände. Rauer Asphalt, schnelle Kurven und hohe Temperaturen wirkten sich in dieser Saison immer zugunsten den Schwarz-Goldenen aus. "Das Podium in Montreal kam etwas unerwartet, war aber gut für das Team, um die Gunst der Stunde zu bewahren und Selbstvertrauen zu tanken. Wenn wir diese Haltung beibehalten und etwas Feintuning betreiben, sind wir noch leistungsfähiger", prognostiziert Allison.

Der Brite wünscht sich: "Ich würde unglaublich gerne der achte Sieger sein." Ein Blick in die jüngere Formel-1-Geschichte wird ihm Mut machen: 2009 wurde Reifenflüsterer Jenson Button mit einem Brawn-Auto Weltmeister, das sogar im Rennen Schlangenlinien fahren musste, um die Pneus irgenndwie auf Temperatur zu bringen.

Fotoquelle: xpbimages.com

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