Jenson Button glaubt, die Ursache für die Kanada-Probleme gefunden zu haben

Formel 1 2012

— 21.06.2012

Button: "Hoffentlich so zufrieden wie im Simulator"

Jenson Button versichert, dass man bei McLaren nichts unversucht gelassen hat, den jüngsten Problemen auf die Schliche zu kommen und ist optimistisch



Jenson Button plagte sich in Montreal mit massiven Reifenproblemen, die in einer fehlenden Balance seines McLaren-Mercedes begründet lagen. Seither sind zwei Wochen vergangen, die das Team zu einer intensiven Fehleranalyse genutzt hat.

In seiner Medienrunde am Donnerstag spricht Button über die Erkenntnisse in der Fabrik, über seine Erwartungen für das Rennwochenende in Valencia und weiteren Saisonverlauf, über Motivationsprobleme und über ein Jahr mit vielen sportlichen Highlights in Großbritannien.

Frage: "Jenson, in der dieser verrückten Saison ist noch nichts entschieden. Auch du hast als Tabellenachter noch alle Chancen. Weißt du inzwischen genauer, was bei den zurückliegenden Rennen nicht stimmte?"
Jenson Button: "Im Simulator ja, in der Realität nein. Ich saß seit dem zurückliegenden Rennen in Kanada nicht im Auto und kann daher nur hoffen, dass sich die Erkenntnisse aus dem Simulator auch auf der Strecke bewahrheiten. Wir haben an allen Bereichen des Autos gearbeitet und fanden einige Verbesserungen für mein Setup. Wir verstehen inzwischen sowohl die Balance- als auch die Reifenprobleme, die ich in Kanada hatte, viel besser. Alles Weitere müssen wir abwarten. Hoffentlich können wir hier ein gutes Wochenende zeigen."

Frage: "Kannst du etwas mehr in die Details gehen? Ron Dennis sprach davon, dass du im Vergleich zu Lewis Hamilton mit einer anderen Hinterradaufhängung unterwegs warst, stimmt das?"
Button: "Ich hatte eine andere Geometrie der Hinterradaufhängung. Sie unterschied sich komplett (von jener an Hamiltons Auto; Anm. d. Red.). Dass die Aufhängung allein die Ursache des Problems war, wage ich aber zu bezweifeln. Wir haben inzwischen eine klare Vorstellung davon, womit wir an diesem Wochenende beginnen werden und das wird nicht mit dieser Aufhängung sein. Ich hoffe auf ein gutes Paket und auf ein gutes Gefühl von Beginn an."

Frage: "War die Radaufhängung der Grund für deine Handlingsprobleme in Kanada?"
Button: "Ich glaube nicht, dass sie der alleinige Grund war. Das Problem war, dass wir die Aufhängung an jenem Wochenende erstmals einsetzten. Am Freitag konnte ich nur wenige Runden drehen. Rückblickend hätten wir wohl auf die andere Geometrie setzen sollen, aber das taten wir nicht. Stattdessen blieben wir auf dem eingeschlagenen Weg und testeten quasi während des Rennens. Ich hatte an den Hinterreifen starkes Graining. Ich glaube aber wie gesagt nicht, dass die Aufhängung der alleinige Grund dafür war. Wir haben in der Fabrik und am Simulator auch in anderen Bereichen - sowohl mechanisch als auch elektronisch - gearbeitet, um eine Balance zu finden. Ich gehe davon aus, dass wir hier gut aussehen sollten."

Frage: "Es kommt überraschend, dass die Elektronik und nicht allein die Mechanik für deine Probleme verantwortlich scheint. Siehst du das ähnlich?"
Button: "Wie schon gesagt: Ich glaube nicht, dass es ein alleiniges Problem gibt. Seit dem zurückliegenden Rennen haben wir in der Fabrik große Anstrengungen unternommen und einige Verbesserungen gefunden. Es stimmt, dass diese sowohl im mechanischen als auch im elektronischen Bereich liegen. Jetzt hoffe ich, dass ich auf der Strecke mit dem Auto genauso zufrieden sein werde wie im Simulator."

Gutes Gefühl für Valencia

Frage: "Welches Ergebnis rechnest du dir für das Valencia-Wochenende aus? Es kann ja nur besser werden oder?"
Button: "Das stimmt. Ich hoffe, dass ich an diesem Wochenende ein Lächeln im Gesicht tragen werde. In dieser Saison geht nahezu jeder Fahrer mit dem Gefühl gewinnen zu können in einen Grand Prix. Das ist bei mir nicht anders. Wenn es ein Problem gibt, ist McLaren ein großartiges Team, um es zu lösen. Ich bin zuversichtlich, dass wir hier ein gutes Wochenende haben werden. Es wird sehr heiß sein, was es für alle schwierig macht. Damit meine ich nicht nur die körperliche Beanspruchung, sondern auch die Belastungen in Bezug auf das Auto, allen voran Bremsen und Reifen. Es gilt an diesem Wochenende wieder viele Informationen zu sammeln. Hoffentlich erleben wir einen problemlosen Freitag und Samstag, um so viele Daten wie möglich zu sammeln."

Frage: "Die Strecke in Valencia wurde oft dafür kritisiert, dass sie nicht besonders aufregend sei. Die aktuelle Saison hingegen ist sehr aufregend. Wie glaubst du fügen sich diese beiden Dinge am Wochenende zusammen?"
Button: "Das Überholen wird nach wie vor schwierig werden. Überholmanöver sind natürlich das, was die Leute sehen wollen. Wir erleben eine lustige Saison, denn das Feld ist viel stärker durchgemischt als üblich. Dennoch erwarte ich hier nicht besonders viele Überholmanöver. Die DRS-Zonen wurden verändert. Im vergangenen Jahr hatten wir zwei, in diesem Jahr gibt es nur noch eine. Das mag überraschend klingen, weil sich dadurch natürlich die potenzielle Anzahl der Überholmanöver reduziert. Es ist aber so, dass die DRS-Zone, die wir in diesem Jahr haben, verlängert wurde. Diese Maßnahme führt hoffentlich zu etwas mehr Action auf der Strecke."

Richtige Balance das A und O

Frage: "Sieben Rennen, sieben verschiedene Sieger. Ist das für die Fahrer nicht eine seltsame Situation?"
Button: "Für einen kurzen Moment ist es tatsächlich seltsam, doch man kommt schnell darüber hinweg. Für mich gibt es derzeit andere Dinge, über die ich mir Gedanken mache. Es ist ohne Frage eine ungewöhnliche Saison. Ob sie in dieser Form weitergeht, müssen wir abwarten. Was uns betrifft, so stecken wir derzeit unsere Köpfe zusammen und versuchen eine Balance für das Auto zu finden, mit der ich glücklich bin."

Frage: "Welche waren bei den zurückliegenden Rennen deine größten Probleme?"
Button: "Das Problem in Kanada war, dass ich bis zum Rennstart nie mit viel Sprit im Auto unterwegs war, da ich am Freitag kaum zum Fahren kam. Es gab einige Überraschungen. Eine meiner größten Sorgen war das Haushalten mit den Reifen. Am linken Hinterreifen setzte bereits nach zwei Runden Graining ein. Das ist bei einem Formel-1-Auto immer ein großes Problem. Dadurch ging der Reifen sehr schnell kaputt und ich musste oft an die Box kommen. Es waren ganz sicher nicht die besten eineinhalb Stunden meiner Rennfahrerkarriere."

Frage: "Glaubst du, dass dir die härteren Reifenmischungen an diesem Wochenende in die Karten spielen werden?"
Button: "Ich würde nicht sagen, dass wir in Kanada ein Reifenproblem hatten. Es wurde zum Reifenproblem, weil wir nicht die richtige Balance hatten."

Kein psychologisches Problem

Frage: "Befindest du dich vom psychologischen Standpunkt her gerade in der schwierigsten Saison deiner Karriere?"
Button: "Nein, ganz sicher nicht. Wir alle haben im Verlauf unserer Karrieren schwierige Zeiten durchzumachen, aber dazu gehört meine aktuelle ganz sicher nicht. Ich würde nicht sagen, dass ich das zurückliegende Rennen genossen habe, aber ich liebe nach wie vor diesen Sport und fahre für ein fantastisches Team. Ich weiß, dass sich die Dinge sehr schnell wieder drehen können. Wir können schon bei den anstehenden Rennen wieder um Siege mitfahren. Insofern ist es definitiv nicht die schlimmste Zeit in meiner Karriere."

Frage: "Was macht das Rennfahrerleben für Lewis derzeit einfacher als für dich?"
Button: "Wenn ich das wüsste, hätte ich ein deutlich sorgenfreieres Leben. Ich bin aber ein positiv denkender Mensch, der diesen Sport sehr gut kennt. Ich bin jetzt seit zwölf Jahren im Geschäft und befinde mich inmitten meiner 13. Saison. Ich weiß genau, welch großen Unterschied es macht, wenn das Auto so läuft, wie man sich das als Fahrer vorstellt."

Frage: "Fällt es schwer, den Glauben an sich selbst zu behalten, wenn man so viele Sorgen hat wie du derzeit?"
Button: "Das ist überhaupt kein Problem. Ich durchlief während meiner Karriere gute und schlechte Zeiten. Ich habe ganz sicher kein Problem mit dem Selbstvertrauen."

Hamiltons Performance macht Hoffnung

Frage: "Schöpfst du Hoffnung aus der Tatsache, dass Lewis in Kanada mit dem Auto so gut zurechtkam?"
Button: "Ja, ganz eindeutig. Sein Ergebnis zeigte, dass wir die Pace haben. Ich würde aber nicht sagen, dass wir das absolut schnellste Auto haben. Lewis und das Team lieferten an jenem Tag großartige Arbeit ab. Die richtige Strategie am Ende half ihnen natürlich, denn es geht derzeit unglaublich eng zu. Ich sehe uns in einer guten Position, aber es gibt eine ganze Reihe von Teams, die bei jedem Rennen für den Sieg in Frage kommen. Da fällt es zuweilen schwer, das Team herauszupicken, das letztendlich den Sieg nach Hause fährt."

Frage: "Glaubst du nach wie vor an eine Titelchance?"
Button: "Es liegen noch 13 Rennen vor uns. Ich habe derzeit sicher nicht die allerbesten Chancen, da ich bei den vergangenen vier Rennen nur zwei Punkte sammeln konnte. Dennoch liege ich nur 43 Punkte hinter dem WM-Spitzenreiter zurück. Das ist kein großer Abstand. Wenn ich vor einem Jahr um diese Zeit 45 Punkte auf dem Konto gehabt hätte, wäre die Weltmeisterschaft zu 100 Prozent gelaufen gewesen. Ich glaube Sebastian hatte zum damaligen Zeitpunkt 175 Punkte. In diesem Jahr erleben wir eine komplett andere Saison, aber mir ist natürlich klar, dass ich langsam mal damit anfangen muss, ein paar mehr Punkte einzufahren. Derzeit ist noch gar nichts entschieden und viele Fahrer sind noch im Titelrennen."

Frage: "Glaubst du, dass du den Punkterückstand bis August halbieren kannst?"
Button: "Ich setze mir keine derartigen Ziele. Unser aller Ziel ist es, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Ich muss zunächst einmal ein paar Punkte sammeln. So wie sich die Formel 1 in diesem Jahr präsentiert, musst du jedes einzelne Rennen mit einer Siegchance im Kopf angehen. Ich blicke nicht zu weit voraus, sondern freue mich darauf, morgen ins Auto einzusteigen und hoffentlich ein gutes Setup vorzufinden, mit dem wir im Rennen etwas ausrichten können."

Großes Sportjahr in der Heimat

Frage: "Verfolgst du die Fußball-Europameisterschaft und das Abschneiden der englischen Mannschaft?"
Button: "Ich bin kein besonders großer Fußball-Fan, aber sehr patriotisch. Natürlich verfolge ich die Spiele der englischen Mannschaft, der gegen Italien ein schwieriges Spiel bevorsteht. Ich bin aber optimistisch und unterstütze England so gut es geht."

Frage: "Derzeit läuft die Europameisterschaft. Demnächst stehen die Olympischen Spiele in Großbritannien an. Erhöht das auch deine Motivation, im Land für positive Schlagzeilen zu sorgen, vor allem beim Heim-Grand-Prix in Silverstone?"
Button: "Für uns ist jedes Rennen wichtig. Kein Sieg ist wichtiger als der andere, aber natürlich ist der Grand Prix von Großbritannien etwas Besonderes. Ich freue mich schon sehr darauf, obwohl sich die Strecke in der Vergangenheit für mich persönlich nicht als das erfolgreichste Jagdrevier erwies. Im vergangenen Jahr wären wir ohne das Pech wohl auf dem Podium gelandet. Das Ziel muss es sein, vor hoffentlich vollen Tribünen und bei gutem Wetter bei der Musik zu sein."

Frage: "Die Formel Ford feiert in diesem Jahr ihr 45-jähriges Bestehen. Was kannst du über deine Meisterschaftssaison 1998 berichten?"
Button: "Bevor ich in die Formel Ford aufstieg, fuhr ich elf Jahre lang Kart. Ich war damals 18 Jahre alt und erinnere mich noch genau, wie überrascht ich von den zahlreichen Spurwechseln auf der Strecke war. Würdest du so etwas im Kartsport machen, würdest du sofort von der Strecke fliegen. Ich genoss meine Zeit in der Formel Ford, denn es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich einen richtigen Rennwagen unter mir hatte. Es gab keine Flügel. Alles worauf es ankam war, den mechanischen Grip und die Reifen so gut wie möglich zu nutzen. Die Formel-Ford-Boliden sind auf der Geraden im Vergleich zu anderen Rennserien nicht sehr schnell, aber ich hatte damals viel Spaß. Die Rennen waren immer sehr eng und spannend. Meine Hauptgegner aus der Formel Ford - Marcos Ambrose, Dan Wheldon und viele andere - schlugen später erfolgreiche Karrieren ein, was für mich ebenfalls toll ist zu sehen. Unterm Strich ist die Formel Ford eine tolle Klasse, um die Grundlagen des Formelsports zu erlernen."

Frage: "Siehst du die Formel Ford nach wie vor als das Sprungbrett für junge Nachwuchspiloten an?"
Button: "Das ist schwierig zu sagen. Es gibt inzwischen so viele verschiedene Rennklassen, die sich schwer beurteilen lassen, wenn man nicht selbst dort angetreten ist. Ich kann nicht sagen, welche für das Ziel Formel 1 die beste Einsteigerklasse ist. Ich weiß nur, dass für mich damals im Jahr 1998 nichts an die Formel Ford heranreichte. Es gab die Britische und die Europäische Meisterschaft. Dazu kam das Festival (in Brands Hatch; Anm. d. Red.), das gewissermaßen einer Weltmeisterschaft glich. Ich weiß nicht, ob die Leistungsdichte in dieser Klasse heute immer noch so groß ist wie damals."

Fotoquelle: xpbimages.com

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