Fernando Alonso ist der erste Fahrer, der sich den zweiten Saisonsieg holt

Formel 1 2012

— 24.06.2012

Spanien jubelt mit Alonso: Sieg in Valencia!

Tragische Helden in Valencia: Sebastian Vettel und Romain Grosjean werden von der Lichtmaschine im Stich gelassen - Fernando Alonso umjubelter Sieger



Die Formel-1-Saison 2012 bleibt abwechslungsreich, unberechenbar und spannend, aber sie hat ihren ersten Zweifach-Sieger: Fernando Alonso gewann den Grand Prix von Europa in Valencia und feierte vor spanischem Publikum den vielleicht emotionalsten Triumph seiner Karriere. Whrend der Siegerehrung war der Ferrari-Pilot sichtlich von seinen Gefhlen berwltigt und rang mit den Trnen.

Dabei hatte den zweimaligen Weltmeister nach dem elften Platz kaum jemand auf der Rechnung, aber: "Wir sagen immer, dass wir niemals aufgeben", twitterte das Ferrari-Team sofort nach der Zieldurchfahrt. Auf dem Podium standen dann nicht weniger als zehn WM-Titel: Alonso, Weltmeister von 2005 und 2006, siegte nmlich vor Kimi Rikknen (Lotus/2007) und dem siebenmaligen Champion Michael Schumacher (Mercedes), der erstmals seit seinem Comeback wieder an einer Siegerehrung teilnehmen durfte.

Ungewohnte Emotionen bei Alonso

Nach der Zieldurchfahrt spielten sich verrckte Szenen ab: Alonsos Ferrari rollte noch vor dem Parc ferme aus ("Wir hatten ein Problem, zumindest genau an der richtigen Stelle"), aber der Lokalmatador machte das Beste aus der Situation, rollte eine spanische Flagge vor der Tribne aus, lie sich von den Fans feiern. Er hpfte wie ein kleines Kind, whrend er auf das Medical-Car wartete, das ihn abholte und zur Siegerehrung brachte. "Das waren wunderschne acht bis zehn Minuten", lsst Alonso seinen Emotionen freien Lauf.

"Es fllt mir schwer, meine Gefhle in Worte zu fassen. Zu Hause zu gewinnen, ist einmalig", so der 30-Jhrige, der seinen achten Sieg auf Ferrari feierte, seinen 29. insgesamt. "2006 habe ich es auf Renault in Barcelona schon einmal geschafft, und ich erinnere mich noch genau an jenen Tag zurck. Aber jetzt fahre ich Ferrari, vor vollen Tribnen, und gestern hat Spanien bei der Fuball-EM gewonnen. Ich bin sehr stolz darauf, Spanier zu sein. Was die Emotionen angeht, ist das der schnste Sieg meiner Karriere."

Emotionen ganz anderer Art erlebte Sebastian Vettel: Der Polesetter hatte das Rennen von Anfang an dominiert, den Start vor Lewis Hamilton (McLaren) und Romain Grosjean (Lotus) gewonnen. Aber nach der Safety-Car-Phase wegen Wrackteilen auf der Strecke lie ihn seine Lichtmaschine im Stich. "Scheie gelaufen! Das Safety-Car hat uns das Genick gebrochen", erklrt Vettel und wittert eine Verschwrung zugunsten des Spaniers in Spanien: "Ich denke, der Grund ist klar, warum das Safety-Car kam. Gefahr in dem Sinn bestand nicht."

Dominante Red-Bull-Performance

Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko stimmt zu: "Es war keine Dringlichkeit gegeben. Hamilton stand im Streckenbereich, aber da kam auch kein Safety-Car raus", rgert er sich. Der Ausfall war umso bitterer, als Vettel das Rennen bis dahin sicher im Griff hatte: 4,0 Sekunden Vorsprung nach zwei, 11,4 nach zehn Runden. "Das war die eindeutigste Dominanz, die wir bisher in diesem Jahr gesehen haben", findet Marko. Selbst nach dem Restart konnte sich der Leader wieder relativ schmerzfrei absetzen.

Durch das Safety-Car witterte Grosjean seine Chance auf den ganz groen Coup, aber der Franzose beschleunigte in Runde 33 nicht ideal aus der letzten Kurve heraus und wurde von Alonso mit einem beherzten Manver niedergefightet, statt Vettel anzugreifen. Wenig spter war sein Traum vom ersten Grand-Prix-Sieg endgltig ausgetrumt, als die Lichtmaschine einging - an genau der gleichen Stelle, wo Vettel kurz zuvor aus dem gleichen Grund ausgerollt war. Gut mglich, dass die Defekte in den Bereich von Motorenhersteller Renault fallen.

Maldonado schuld an Hamilton-Kollision

Vor dem Schlussspurt fhrte Alonso dreieinhalb Sekunden vor Hamilton und Rikknen, zwischen denen sich ein Duell um Platz zwei anbahnte. Aber dann warf Hamilton mindestens 18 mgliche Punkte weg: Erst beschdigte er mit einem Verbremser seinen Reifensatz, sodass die Performance abbaute und er Rikknen vorbeilassen musste, und in der vorletzten Runde kam es auch noch zu einer Kollision mit dem von hinten heranstrmenden Williams-Piloten Pastor Maldonado, die in den Reifenstapeln endete.

"Der Schuldige ist meiner Meinung nach klar Maldonado", analysiert Experte Marc Surer. "Er ist mit vier Rdern neben der Strecke und fhrt Hamilton dann ins Auto. Wenn das nicht eine heftige Strafe nach sich zieht, wrde ich mich wundern." Hamilton frisst den Frust in sich hinein: "Ich kann mich wirklich nicht erinnern", weicht er der Schuldfrage elegant aus. Maldonado konnte mit kaputtem Frontflgel noch weiterfahren und rettete immerhin einen WM-Punkt, ausgerechnet 1,3 Sekunden vor seinem Teamkollegen Bruno Senna.

Durch die dramatischen Ereignisse im Finish rckte pltzlich Schumacher auf den dritten Platz auf. Dem Mercedes-Piloten war zunchst gar nicht klar, dass es sein erstes Podium werden wrde: "Als ich ber die Ziellinie gefahren bin, habe ich erst einmal gefragt, auf welchem Platz ich bin. Ich konnte es kaum glauben!" Und dass es seine erste Siegerehrung seit sechs Jahren war, war auch nicht zu bersehen, denn der einstige Seriensieger verga in der Aufregung, dass er sich whrend der Pressekonferenz auch auf Deutsch uern sollte...

Fragezeichen ber dem Podium

Nur: Ob er den dritten Platz auch wirklich behalten darf, ist unklar. "Ich muss leider die Euphorie um Michael Schumacher etwas dmpfen. Er hat in der letzten Runde in der Gelbzone DRS benutzt - ein Vergehen, fr das Vettel in Barcelona mit einer Durchfahrtsstrafe bestraft wurde. Aus unserer Sicht drfte Mark Dritter werden", stellt Red-Bull-Konsulent Marko in den Raum. Auf der Strecke hatte der Red-Bull-Pilot das spannende Duell gegen Schumacher in den letzten beiden Runden um 0,9 Sekunden verloren.

Valencia 2012 war generell ein Rennen mit sehenswerten Rad-an-Rad-Kmpfen. Pechvogel Grosjean machte gleich mehrere Male auf sich aufmerksam, unter anderem am Start, als er sich mit einem waghalsigen Manver innen an Maldonado vorbeischob, whrend Teamkollege Rikknen zurckzog. "Er kennt kein Erbarmen", gratuliert Surer. "Gut gemacht, einfach gut gemacht." In der zehnten Runde setzte Grosjean ein weiteres Highlight, als er sich konsequent an Hamilton vorbeipresste, der ihn in den ersten Runden aufgehalten hatte.

Als er einmal ausgeschieden war, reduzierten sich die Lotus-Hoffnungen dramatisch, denn Rikknen war an diesem Wochenende langsamer, was das Tempo angeht. Trotzdem rgert sich der "Iceman" ber den Start, durch den er den Anschluss an die Spitze verlor: "Ich hatte einen guten Start, wurde aber in der ersten Rechtskurve von Maldonado blockiert. Deshalb verlor ich ein paar Positionen", bedauert er. "Der zweite Platz ist okay, aber nicht das, was wir eigentlich wollten. Wir hatten auf jeden Fall die Geschwindigkeit, hier um den Sieg zu kmpfen."

Alonso, der berhol-Knig

Rikknen war mehrere Male in die beinharten Mittelfeld-Kmpfe verwickelt, hnlich wie auch Alonso. Der sptere Sieger ging in Runde 13 an Nico Hlkenberg (Force India) vorbei und war damit Siebter, schnappte sich eine Runde spter Maldonado und kam in Runde 15 an dritter Stelle liegend an die Box. Durch den etwas lngeren Stint als die vor ihm liegenden Konkurrenten zog er quasi im Vorbeigehen an einer ganzen Gruppe vorbei, lag pltzlich vor Rikknen. Webber, Schumacher, Einstopper Paul di Resta (Force India) und Grosjean berholte er auf der Strecke.

In rasantem Tempo nach hinten ging es hingegen fr Webber, der in Runde 36/37 binnen weniger Sekunden gleich drei Pltze verlor. Zu Beginn des Rennens stiegen zudem die Temperaturen seines Bremskreislaufs in schwindelerregende Hhen. Dass er am Ende 6,3 Sekunden vor Hlkenberg, der sein bestes Ergebnis in der Formel 1 erzielte, Vierter wurde, ist fr die WM-Wertung ein Glcksfall. Mit Hamilton, dessen Boxencrew brigens wieder einmal patzte, Vettel und Grosjean gingen heute drei Grokaliber leer aus, wodurch es weiterhin ausgeglichen bleibt.

Kollisionen wie am Flieband

Sechster wurde Nico Rosberg (Mercedes) vor di Resta, dem unauffllig fahrenden Jenson Button (McLaren), Sergio Perez (Sauber) und Maldonado. Fr Unterhaltung sorgten nicht nur packende Zweikmpfe, sondern auch zahlreiche Kollisionen. So schlug Senna Perez auf der Geraden die Tr zu, wofr er eine Durchfahrstrafe kassierte, und Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) krachte Heikki Kovalainen (Caterham) ohne jede Bedrngnis seitlich ins Auto. "So eine Aktion gehrt hart bestraft", schttelt Surer nur den Kopf. Wurde sie auch, mit plus fnf Startpltzen fr Silverstone.

Spter im Rennen fuhr dann noch Kobayashi in Massas Ferrari, der daraufhin nur noch im Schneckentempo zum Reparaturstopp kommen konnte. Teil zwei im Duell Toro Rosso gegen Caterham lieferten Daniel Ricciardo und Witali Petrow ab, dabei handelte es sich jedoch um einen Rennunfall. Und dass Narain Karthikeyan (HRT) gleich zu Beginn Charles Pic (Marussia) touchierte, findet Surer "unntig. Karthikeyan zieht rber, obwohl er schon da ist. Du musst so viel Platz lassen, dass du nicht kollidierst. Das hat Karthikeyan nicht sehr geschickt gemacht."

In der Weltmeisterschaft hat Alonso (111) nach acht von 20 Rennen nun erstmals einen recht ordentlichen Vorsprung von 20 Punkten auf Webber (91). Dahinter liegen Hamilton (88), Vettel (85), Rosberg (75) und Rikknen (73) ebenfalls noch in Schlagdistanz. Bei den Konstrukteuren fhrt Red Bull (176) vor McLaren (137), Lotus (126) und Ferrari (122). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Grobritannien in Silverstone, dem traditionsreichen Heimspiel der britischen Teams wie McLaren oder Williams.

Fotoquelle: xpbimages.com

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