Rob White erklärt Christian Horner, was bei Sebastian Vettels Auto schieflief

Formel 1 2012

— 29.06.2012

Vettel-Ausfall: Renault übernimmt Verantwortung

Motorenchef Rob White im Interview: Warum die Lichtmaschinen-Defekte in Valencia in Renaults Verantwortungsbereich fallen und wie man die Probleme nun lösen will



Sie waren die tragischen Helden des Grand Prix von Europa: Sebastian Vettel hatte das gesamte Wochenende dominiert, ehe sein RB8 unmittelbar nach der Safety-Car-Phase ausrollte. Und auch Lotus-Pilot Romain Grosjean durfte sich Siegchancen ausrechnen, als ihn wenig später das gleiche Schicksal traf. Bei beiden war der Ausfallsgrund eine defekte Lichtmaschine. Bisher herrschte großes Rätselraten über den seltenen Defekt: War es die Hitze, die dem Teil zum Verhängnis wurde, oder gibt es einen anderen Grund? Renaults Motorenchef Rob White klärt im Interview auf.

Frage: "Rob, wo lag bei den Red-Bull- und Lotus-Boliden beim Grand Prix von Europa das Problem?"
Rob White: "Sowohl bei Sebastian als auch bei Romains Auto ging die Lichtmaschine kaputt, die mechanische in elektrische Energie umwandelt, um den Motor und die ergänzenden Systeme anzutreiben. In beiden fehlen stoppte der Defekt an der Lichtmaschine die Stromversorgung, wodurch der Motor sehr rasch ausging und das Auto auf der Streckte stehenblieb. Scheinbar haben beide Lichtmaschinen überhitzt. Wir haben die Teile nun sorgfältig untersucht, und scheinbar gab es keine offensichtlichen Gründe für den Defekt. Daher führen wir nun weitere Prüfstandversuche in Viry durch, um die Bedingungen wiederherzustellen und die Erkenntnisse gegenzuchecken."

Frage: "Hatten die Defekte etwas mit der Safety-Car-Phase zu tun?"
White: "Nein. Es ist belegt, dass die Lichtmaschine in Sebastians Auto bereits vor der Safety-Car-Phase zur Überhitzung neigte, aber die niedrigere Geschwindigkeit hat die Lebensdauer etwas beeinträchtigt. Klar - als Sebastian wieder das Renntempo aufnahm, trat das Problem wieder auf. Das Ergebnis ist bekannt. Bei Romain trat das Problem sehr plötzlich, einige Runden nachdem das Safety-Car hereingeholt wurde, auf."

Frage: "Ist dieses Problem schon einmal aufgetreten?"
White: "Beim Lotus-Team hatten wir dieses Problem noch nie. Bei Red Bull hatten wir ein Problem bei den Wintertests, aber das lag daran, dass wir Auto und Motor ans absolute Limit pushten, um herauszufinden, wie weit wir gehen können. Als es Anzeichen für Probleme gab, gingen wir bei den Einstellungen auf Nummer Sicher."

"Wir hatten bei Witali Petrows Auto in Monaco ein Problem, aber als wir das Problem untersuchten, fiel uns auf, dass die betroffene Lichtmaschine über 4.000 Kilometer abgespult hatte und unmittelbar vor dem Service stand. Daraus resultierend haben wir den Zeitraum zwischen den Lichtmaschinen-Services auf eine niedrigere Spanne verringert. Wir hatten das Gefühl, dass diese Sicherheitsmaßnahme eigentlich ausreichen sollte."

Frage: "Waren die zwei defekten Lichtmaschinen bereits im Endstadium?"
White: "Nein, das waren tatsächlich brandneue Teile, was darauf hindeutet, dass es ein Problem mit einer speziellen Charge von Lichtmaschinen geben könnte. Beide wurden auf den Prüfständen in Viry einem Funktionstest im Bereich von 400 Kilometern unterzogen und zeigten im dritten Freien Training und im Qualifying keine Anzeichen für Probleme - im Rennen gingen sie dann plötzlich kaputt. Beide hatten weniger als 1.000 Kilometer abgespult."

Frage: "Handelt es sich bei der Lichtmaschine um ein Teil, das von Renault hergestellt wird?"
White: "ja, es ist ein Renault-Teil. Wir verwenden unterschiedliche Zulieferer für das Innenleben, aber wir haben die Lichtmaschinen gebaut und sind daher für die Funktionsfähigkeit des Teils verantwortlich. Jetzt arbeiten wir mit allen Zulieferern zusammen, um sicherzustellen, dass wir die Wurzel des Problems ergründen und dass so etwas nicht noch einmal vorkommt."

Frage: "Welche Gegenmaßnahmen oder Sicherheitsvorkehrungen sind geplant?"
White: "Wir schauen uns einige Lösungen an. Zunächst werden wir eine andere Serie von Lichtmaschinen bei all unseren Kunden in Silverstone einsetzen - oder ein leicht modifiziertes Design. Wir denken auch über eine Rückkehr zu einer älteren Lichtmaschinen-Spezifikation aus dem Jahr 2011 nach."

"Zudem arbeiten wir mit all unseren Partnerteams daran, eventuelle Mechanik- und Kühllösungen einzuführen, oder ein paar Einstellungen bei den Beschleunigungsmappings, damit der Betrieb weniger fordernd ist. All diese Maßnahmen werden wir zwischen jetzt und Silverstone evaluieren. Zudem werden wir uns nach dem Freitagseinsatz alles genau ansehen. Dann sehen wir, ob zusätzliche Maßnahmen notwendig sein werden."

Fotoquelle: Red Bull

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