Virtuell fährt die Formel 1 schon vor der Kullisse von London

Formel 1 2012

— 29.06.2012

London-Grand-Prix: Formel 1 im Vorgarten der Queen?

Stadtrundfahrt mit Tempo 300: Die Strecke in London könnte von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten führen, doch wie realistisch ist das Projekt?



Vom Buckingham Palace an Big Ben vorbei zum Trafalgar Square: Was sich liest wie eine Reiseempfehlung für London-Touristen könnte zukünftig die Wegbeschreibung für die Formel-1-Piloten sein. Bei einer Präsentation in der britischen Hauptstadt wurde die mögliche Streckenführung eines Grand-Prix-Kurses im Zentrum Londons vorgestellt. Ein spektakuläres Video, welches unter Mitwirkung von Jenson Button und Lewis Hamilton von der spanischen Großbank Santander produziert wurde, gibt einen Vorgeschmack auf ein zukünftiges Stadtrennen.

Die dort vorgestellte Strecke ist 5,156 Kilometer lang, wird gegen den Uhrzeigersinn befahren und hat 14 Kurven. Auf der Geraden sollen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 290 km/h möglich sein. Start- und Zielgerade soll die Prachtstraße "The Mall" sein. Vor dem St. James Palace biegen die Fahrzeuge rechts ab und passieren nach einer schnellen Schikane und einer 90-Grad-Links-Kurve das berühmte Hotel "Ritz". Eine der spektakulärsten Passagen ist die Vorbeifahrt am Buckingham Palace, wo die Queen von ihrem Balkon aus einen Logenplatz hätte.

An Westminster Abbey und dem Parlamentsgebäude mit dem berühmten Glockenturm Big Ben vorbei führt der Kurs an der Themse entlang Richtung Trafalgar Square. Spektakulär ist auch die Einfahrt auf die Start- und Zielgerade. Dort fahren die Formel-1-Fahrzeuge mitten durch den Admirality Arch. Genau wie in Singapur, könnte auch das Stadtrennen in London als Nachtrennen unter Flutlicht ausgetragen werden.

Ecclestones Traum von London

"Die Idee von einem Stadtrennen in London habe ich schon seit vielen Jahren. Es wäre prachtvoll", sagt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Der 81-Jährige träumt seit Langem von einem Rennen in der britischen Metropole. "Vor ein paar Jahren waren wir nah dran, aber dann hatten wir Probleme mit den Kosten. Vor einigen Jahren waren bei einem Showrun mehr als eine halbe Million Besucher. Das Interesse der Zuschauer an einem Grand Prix in London ist gewaltig, und so wird es auch bei den Teams und Sponsoren sein", gibt sich Ecclestone zuversichtlich.

Auch die beiden McLaren-Piloten, die nicht nur an der Produktion des Videos, sondern auch an der Planung der Streckenführung beteiligt waren und den Kurs bereits im Simulator umrundet haben, sind begeistert. "Eingebunden in dieses Projekt und beteiligt an der Entwicklung der Streckenführung fühlt es sich so real an wie alles, was ich schon gefahren bin", sagt Hamilton: "Es wäre eine unglaublich faszinierende Strecke und würde das schönste und überzeugendste Formel-1-Rennen überhaupt produzieren."

Londons Bürgermeister Boris Johnson hatte zwar sein Interesse an einem Formel-1-Rennen bekundet, jedoch auch Bedenken geäußert. "An Projekten, die Arbeitsplätze und Wachstum mit sich bringen, bin ich immer interessiert", sagt er, schränkt aber ein: "Die Frage der Luftverschmutzung und der Lärmbelästigung müssen wir genau untersuchen. Solange das passt, stehe ich den Plänen positiv gegenüber."

Schöner Schein oder realistischer Plan?

"Ich stimme mit Lewis überein, dass diese hypothetische Strecke großartig zu fahren ist", sagt Button. Allerdings hat der 32-Jährige Zweifel, ob sich der virtuelle Kurs auch in die Realität umsetzen lässt. Button sieht vor allem gewaltige logistische Probleme. "Ich weiß nicht, ob man London für einen Grand Prix komplett absperren kann, aber es ist trotzdem eine nette Idee", wird Button von der Nachrichtenagentur 'Reuters' zitiert.

Der frühere Formel-1-Pilot Stirling Moss teilt diese Sorge jedoch nicht. "Sie bekommen die Olympischen Spiele, das gibt ein viel größeres Chaos als ein Formel-1-Rennen", wird der Brite von der Online-Ausgabe des 'Guardian' zitiert. Moss hofft auf eine Umsetzung der Pläne. "Das wäre großartig für London und für unseren Sport und würde eine Menge Geld einbringen."

Die finanzielle Frage scheint jedoch ohnehin geklärt zu sein. Ecclestone hatte angekündigt, dass er das Projekt zur Not aus eigener Tasche finanzieren müsste, und rechnet mit Kosten von 35 Millionen Pfund (umgerechnet 44 Millionen Euro). Realistischere Schätzungen gehen von rund 100 Millionen Euro aus, um einen Event dieser Größenordnung stemmen zu können. Sollte es tatsächlich so weit kommen, bekäme die Formel 1 aber einen neuen Prestige-Grand-Prix, der im Finanzzentrum London sicherlich auch für zahlreiche Sponsoren attraktiv wäre.

Unklar ist jedoch der Zeitrahmen für das Projekt. "Die Idee eines Grand Prix in London ist in der Theorie großartig", wird ein namentlich nicht genannter Sprecher von 'Reuters' zitiert. "Aber dazu wären große Vorbereitungen notwendig. In nächster Zeit werden wir es nicht erleben." Beim Buchmacher William Hill stehen die Wetten 1 zu 33, dass das Rennen nicht vor dem Jahr 2016 stattfinden wird. Zudem wurde mit Silverstone, wo derzeit der britische Grand Prix ausgetragen wird, ein langfristiger Vertrag bis zum Jahr 2026 geschlossen. Ob bei Ecclestones Expansionsdrang Platz für zwei Rennen in England wäre, ist daher fraglich.

Fotoquelle: Santander

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