Sam Michael wird von McLaren nicht allein im Wald stehengelassen

Formel 1 2012

— 04.07.2012

McLaren: Rückendeckung für Michael

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh verteidigt Sportdirektor Sam Michael und kann ihn sich als seinen Nachfolger vorstellen - 800 Boxenstopps vor Silverstone



Sam Michael erlebt seit seinem Wechsel von Williams zu McLaren ein Wechselbad der Gefühle. Neben den beiden Siegen in Melbourne (Jenson Button) und Montreal (Lewis Hamilton) stehen für die Truppe aus Woking aus den ersten acht Saisonrennen ungewöhnlich viele misslungene Boxenstopps zu Buche.

Letzere sind eines der Hauptaufgabengebiete, denen sich Michael, der neue Sportdirektor im Team, widmet. Trotz der Vielzahl der an der Box verlorenen Positionen für Button und Hamilton stärkt Martin Whitmarsh dem Neuzugang im Team den Rücken. "Sam hatte eine schwierige Zeit, die im Zeichen von hohen Erwartungen stand. Er bringt aber ohne Frage Führungsqualitäten mit", so der McLaren-Teamchef gegenüber 'Autosport'

Whitmarsh könnte sich Michael früher oder später sogar als seinen eigenen Nachfolger vorstellen "Er ist jemand, der mich eines Tages ablösen könnte. Ich sehe das als gesunde Dynamik an, denn bisher gab es niemanden in der Firma, der meinen Job wollte", so der Teamchef, der sich rückblickend an die Verpflichtung Michaels erinnert: "Ich kannte ihn nicht sonderlich gut, aber anhand unserer wenigen Begegnungen in Meetings hatte ich immer den Eindruck, dass er jemand ist, der geradeheraus argumentiert. So jemanden haben wir gebraucht."

Der neue Sportdirektor selbst bezeichnet sein neues Arbeitsumfeld in Woking als "sehr angenehm". McLaren unterscheide sich komplett von anderen Formel-1-Teams. "Es geht hier sehr akademisch zu. Alles ist im Vergleich zu einem traditionellen Rennteam einen Schritt weiter vorn angesiedelt", urteilt Michael gegenüber 'Formula1.com' und versichert: "Bisher läuft es wirklich gut. Meine Rolle ist sehr weitläufig gefasst und verlangt mir alles ab."

Konstante Stopps wichtiger als schnelle

Mit Blick auf das leidige Thema Boxenstopps führt Michael an, dass "wir schon in Montreal die niedrigste Standzeit hatten, in Valencia haben wir diese mit 2,6 Sekunden nochmals nach unten korrigiert". Der angesprochene Rundumservice mit dem Wechsel aller vier Reifen am Auto von Hamilton war der schnellste in der Geschichte der Formel 1. "Wir können sogar noch schneller", ist Michael sicher.

Unterm Strich geht es ihm aber um etwas anderes als einen neuen Rekord. "Unser Ziel ist vor allem Konstanz", sagt der Brite und präzisiert: "Wir wollen nicht die niedrigste Standzeit, sondern die niedrigste durchschnittliche Standzeit erreichen. Unsere interne Zielvorgabe sieht regelmäßige Stopps im Bereich von drei Sekunden vor."

Um dies zu erreichen, wurden bei McLaren im Verlauf der Saison eine Reihe neuer technischer Systeme eingeführt, die teilweise für die missglückten Stopps verantwortlich waren. "Wir brachten ein neues Ampelsystem, das dem Fahrer den Verkehr in der Boxengasse anzeigt", sagt Michael mit Blick auf einen überarbeiteten Lollipop. Darüber hinaus setzte McLaren auf neue Wagenheber und zudem auf Radmuttern, die bereits auf den Felgen fixiert sind.

Speziell die neuen Wagenheber bereiteten dem Team wie zuletzt in Valencia regelmäßig Kopfzerbrechen. "Im Bereich der Forschung und Entwicklung liegt es in der Natur der Sache, dass die Dinge manchmal nicht so funktionieren wie sie sollen", so Michael. "Das passierte uns in Valencia mit dem vorderen Wagenheber. Wenn man sich andere Teams anschaut, stellt man fest, dass sie mit Neuentwicklungen ähnliche Phasen durchlaufen mussten und teilweise heute noch durchlaufen."

800 Boxenstopps vor Silverstone

Für den McLaren-Sportdirektor ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Probleme gelöst sind. Er rechnet schon beim anstehenden Heimspiel in Silverstone mit reibungslosen Stopps und begründet: "Wir haben das Problem aus Valencia inzwischen identifiziert und das Design des Wagenhebers modifiziert. Am Montag dieser Woche absolvierten wir 800 Boxenstopps ohne die geringsten Probleme. Wir gehen also davon aus, dass die Probleme gelöst sind, denn wir legten unterm Strich das Pensum von 16 Grand-Prix-Wochenenden zurück."

Im Sinne der angestrebten Konstanz bei den Stopps kommt es laut Michael aber nicht nur auf das technische Equipment an. "Die Menschen sind ebenso wichtig. Aus diesem Grund haben wir sehr viel Zeit und Hirnschmalz in unser Trainingsprogramm gesteckt und an der Choreographie der Boxenstopps gearbeitet", sagt der Brite und weiß: "Ein Rennen wirst du an der Box kaum gewinnen. Sehr wohl kannst es dort aber verlieren."

Für McLaren-Teamchef Whitmarsh steht indes fest, dass sich das Team auch künftig nicht auf den Lorbeeren der schnellsten Boxenstopps ausruhen wird: "Wir prahlen nicht damit, indem wir sagen 'Seht her, wir haben nur 2,6 Sekunden gebraucht'. Vielmehr stellen wir uns die Frage, was beim anderen Stopp passierte." Der Grand Prix von Großbritannien wird die Antwort bringen, inwiefern sich diese Herangehensweise auszahlt.

Fotoquelle: xpbimages.com

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