Mark Webber holte sich seinen zweiten Sieg in Silverstone

Formel 1 2012

— 08.07.2012

Ganz trocken: Webber gewinnt vor Alonso

Mark Webber zum Zweiten: Dank einer Schlussoffensive gewinnt er den Klassiker in Silverstone vor Alonso und Vettel - Niederlage für die "Local Heroes"



Für einen britischen Sport-Triumph müssen die Fans auf der Insel heute auf Andy Murray hoffen, der beim Tennisturnier im Wimbledon Roger Federer herausfordert. Denn beim Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien setzte sich ein Australier durch: Mark Webber (Red Bull) feierte nach 2010 seinen zweiten Sieg in Silverstone und auch seinen zweiten in dieser Saison.

Dabei hatte über weite Strecken Polesetter Fernando Alonso (Ferrari) souverän geführt, aber im letzten Stint kam Webber mit den härteren Prime-Reifen besser zurecht als Alonso mit den weicheren Options. Webber war in der 45. Runde erstmals in der DRS-Sekunde und ging im 48. Umlauf am Ende der DRS-Zone in Führung. Die gab er bis ins Ziel nicht mehr ab. Nach 52 Runden entschieden 3,0 Sekunden zwischen den beiden.

Alonso auch mit Platz zwei zufrieden

"Im letzten Stint war Mark viel schneller. Er verdient den Sieg", erkennt Alonso neidlos an. Und Webber strahlt: "Es war ein sehr interessantes Rennen. Wir haben nie aufgegeben und immer attackiert. Für Fernando hat es nicht ganz gereicht, obwohl seine Pace sehr stark war. Wir hatten am Ende die bessere Strategie und konnten das nutzen. Ich bin sehr stolz und freue mich auch für unsere vielen Fans hier."

Bereits am Start war es zwischen den beiden heiß hergegangen, als Webber mit weichen Reifen zwar auf den ersten Metern besser wegkam, Alonso ihm aber quer den Weg blockierte und er kurz lupfen musste. Der WM-Leader benötigte dann sechs Runden, um Webber aus der DRS-Sekunde abzuschütteln, und hatte nach seinem zweiten Boxenstopp in der 37. Runde knapp vier Sekunden Vorsprung. Da schien eigentlich schon alles entschieden.

Webber ließ aber nicht locker, arbeitete sich mit Siebenmeilenstiefeln heran und ging tatsächlich noch am Ferrari vorbei. Das war trotz des im Finish überlegenen Tempos Schwerstarbeit, denn Red Bull war in Silverstone das Team mit dem schlechtesten Topspeed. In den letzten fünf Runden kam selbst Sebastian Vettel (Red Bull) noch näher an Alonso heran, der Deutsche gab sich aber mit dem dritten Platz zufrieden.

Vettel: Schlechter Start, gute Strategie

Und das zurecht, denn vom vierten Platz aus gestartet, kam Vettel nur als Fünfter und mit einem an Felipe Massas Ferrari-Heck leicht beschädigten Frontflügel aus der ersten Runde zurück. "Der Start war nicht gut, ich habe einen Platz an Felipe verloren. Fast wäre ich vorbeigekommen, aber es hat nicht ganz gereicht", spricht er die haarige Situation an, als er genau wie Webber auf den ersten Metern formatfüllend ein Ferrari-Heck vor der Nase hatte.

Doch während der zu jenem Zeitpunkt noch drittplatzierte Michael Schumacher (Mercedes) die Verfolger von Alonso und Webber aufhielt, machte Red Bull alles richtig und schickte Vettel auf den sogenannten "Undercut", also einen vorgezogenen Boxenstopp in der zehnten Runde. Auf diese Weise ging er an Schumacher und Massa vorbei. "Unsere Strategie war richtig", strahlt der 24-Jährige. "Ich freue mich für das Team."

Red-Bull-Strategie funktioniert perfekt

"Unsere Strategie mit den weichen Reifen am Anfang war darauf ausgelegt, den Druck zum Ende zu entfachen", bilanziert Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "In der DRS-Zone setzte Mark dann ein tolles Überholmanöver. Sebastian war nicht so glücklich, trotzdem war seine Fahrt eindrucksvoll. Er steckte in den ersten Runden im Verkehr, besonders in den ersten Kurven. Er erholte sich aber hervorragend, fuhr einen langen Mittelstint und ließ die Strategie funktionieren."

Massa lieferte seine bisher beste Saisonleistung ab, überholte nach Vettel am Start in der elften Runde endlich auch Schumacher, fuhr von da an ein fehlerfreies Rennen und kam mit 9,5 Sekunden Rückstand als Vierter ins Ziel. Als er in der letzten Runde Kimi Räikkönens Atem im DRS-Nacken spürte, befürchteten viele, dass seine Nerven wieder zu flattern beginnen könnten, aber Massa blieb cool und hielt den Lotus-Piloten in Schach.

Heimlicher Mann des Rennens war aber vielleicht Romain Grosjean (Lotus), denn der Franzose wurde nur 6,7 Sekunden hinter Räikkönen Sechster - und das, obwohl er nach Kollision mit Paul di Resta (Force India) in der ersten Runde und dem frühen Reparaturstopp schon aussichtlos zurück zu liegen schien. Dass Lotus das Potenzial heute wieder einmal nicht voll ausgeschöpft hat, beweist Räikkönens schnellste Runde von 1:34.661 Minuten.

Kein Glück für die Briten

Di Resta war nach der Kollision der erste britische Fahrer, der die Segel streichen musste. Zwar konnte er sich noch an die Box retten, nachdem sich in Kurve vier ein Reifen von der Felge gelöst hatte, aber "dabei wurde der Unterboden schwer beschädigt. Ich habe versucht, das Auto zurück an die Box zu bringen, aber vom Unterboden fehlen einige wichtige Teile. Daher ist es sinnlos weiterzufahren. Das Auto wäre viel zu langsam."

Eine weitere Kollision gab es in Runde zwölf zwischen Pastor Maldonado (Williams) und Sergio Perez (Sauber) - im Kampf um Platz sieben. Perez wollte am Ende der DRS-Zone außen überholen, doch Maldonado rutschte ihm rein. "Er ist ein sehr dummer und gefährlicher Fahrer", schimpft der Sauber-Pilot. "Da kannst du gar nichts machen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er so etwas tut. Ich denke, er verdient eine Startplatz-Strafe."

Maldonado glaubt aber nicht, "dass da viel passieren wird. Es war ein Rennunfall. Ich kam aus der Box und hatte kalte Reifen. Ich versuchte, meine Position zu verteidigen. Perez probierte, mir die Tür zuzumachen. Wir fuhren dicht nebeneinander. Da verlor ich das Heck ein bisschen und leider kam es dann zu einer Berührung, die sowohl sein als auch mein Rennen beeinträchtigte. Das war ein sehr enttäuschender Augenblick für uns beide. So ist das im Rennsport."

Zwei Sauber-Mechaniker im Medical-Center

Für das Sauber-Team war es überhaupt ein schwarzer Sonntag: Kamui Kobayashi verpasste einen WM-Punkt um 0,9 Sekunden - und zwei Mechaniker erlebten das Rennende im Medical-Center, weil Kobayashi beim zweiten Boxenstopp die halbe Crew über den Haufen gefahren hatte. Eigentlich wäre der Japaner nur Zwölfter geworden, aber in der vorletzten Runde profitierte er von den harten Zweikämpfen vor ihm.

Denn Bruno Senna (Williams), rundenlang unter Druck von Jenson Button (McLaren), den er jedoch gut abwehren konnte, verlängerte möglicherweise seine gefährdete Williams-Karriere mit einem Überholmanöver gegen Nico Hülkenberg (Force India). Letzterer wollte vor Copse kontern, kam aber von der Strecke ab und gab so auch noch den zehnten Platz aus der Hand, den Button erbte - für den Lokalmatador, der eigentlich seinen "Silverstone-Fluch" überwinden wollte, ein schwacher Trost.

Mercedes unter ferner liefen

Auch Schumacher konnte nach dem ersten Boxenstopp kaum Akzente setzen: "Am Anfang war es schwierig und wir waren zu langsam. Am Ende lief es besser und dann waren die Zeiten auch etwas konkurrenzfähiger", bilanziert er. "Das hier ist eine sehr schnelle Strecke. Das kommt unserem Auto generell nicht entgegen. Je mehr Sprit im Auto ist, umso schwieriger wird es dann. Bei wenig Benzin kann man das halbwegs kompensieren. Das macht den Unterschied aus."

Teamkollege Nico Rosberg wurde gar nur 15. "Ich war einfach am gesamten Wochenende zu langsam, auch im Rennen. Ich hatte vielleicht ein paar Phasen, wo der Speed okay war, aber generell war es sehr schwierig. Ein Wochenende zum Abhaken", grummelt er und nimmt daher sogar den vermurksten Boxenstopp gelassen: "In die Punkte wäre ich ohnehin nicht gekommen. Schade, aber gut, dass es in so einem Rennen passiert."

Rätselraten auch bei Lewis Hamilton (McLaren), der nach einem langen ersten Stint kurzzeitig in Führung lag, dann einen kurzen Mittelstint einlegte und letztendlich enttäuschender Achter wurde: "Wir hätten den Fans gerne mehr geboten. Wir waren einfach nicht schnell genug, und ich weiß nicht warum", seufzt er. "Ich war zwischendurch an der Spitze und verstehe nicht, warum ich plötzlich wieder auf der Position war, auf der ich gestartet bin."

"Eichhörnchen" Alonso sammelt munter weiter

Insgesamt sahen 21 Fahrer die Zielflagge - Witali Petrow (Caterham) war wegen eines Motorschadens beim Weg aus der Box heraus gar nicht erst gestartet. Auf dem Podium konnten dann alle jubeln: Webber über seinen zweiten Sieg, der für die Weltmeisterschaft ganz wichtig ist, Vettel über den dritten Platz, der nach der ersten Runde nicht selbstverständlich schien - und "Eichhörnchen" Alonso über 18 weitere Punkte.

Noch dazu scheint Ferrari jetzt aus eigener Kraft konkurrenzfähig zu sein: "Ich bin sehr stolz auf Ferrari, denn wir haben in den vergangenen Wochen toll aufgeholt", lobt er sein Team. "In den letzten drei oder vier Rennen sind wir immer um den Sieg gefahren. In der Weltmeisterschaft führe ich noch. Heute haben wir sieben Punkte auf Mark verloren, aber Punkte auf alle anderen gewonnen. Für die Weltmeisterschaft war es ein guter Sonntag."

Apropos Weltmeisterschaft: In der Fahrerwertung hat Alonso nach neun von 20 Rennen 129 Punkte auf dem Konto. In zwei Wochen in Hockenheim kann ihn also nur Webber (116) ablösen. Vettel (100), Hamilton (92) und Räikkönen (83) laufen langsam Gefahr, den Anschluss ein wenig zu verlieren. Verschiebungen gab es in der Konstrukteurs-WM: Lotus (144) ist nun vor McLaren (142) Dritter. In Führung weiterhin Red Bull (216) vor Ferrari (152).

Fotoquelle: xpbimages.com

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