Fernando Alonso konnte Mark Webber gestern nicht in Schach halten

Formel 1 2012

— 09.07.2012

Ferrari: Wende durch Mugello-Test?

Beim Mugello-Test hat Ferrari das Auspuffsystem endlich in den Griff bekommen, sodass Fernando Alonso nun ein ernsthafter Titelkandidat ist



Ferrari war mit einem Auto, das von Experten in die hintere Hälfte des Feldes eingestuft wurde, in die Saison 2012 gestartet, doch nach neun von 20 Rennen führt Fernando Alonso sensationell die Fahrer-WM an. Der Champion von 2005 und 2006 (auf Renault) hat derzeit 13 Punkte Vorsprung auf Silverstone-Sieger Mark Webber - und schon 29 beziehungsweise 37 auf Sebastian Vettel und Lewis Hamilton, die ihn damit beim bevorstehenden Grand Prix von Deutschland nicht einmal rechnerisch überholen können.

Wurde Alonsos Sieg in Malaysia noch dem fahrerischen Genius des Spaniers und der Kombination mit regnerischen Verhältnissen zugerechnet, so scheint Ferrari nun aus eigener Kraft siegfähig zu sein, wie die starke Leistung von Felipe Massa (gestern Vierter) bestätigt: "Es ist Ferrari auch wieder gelungen, ein gutes Auto auf die Piste zu stellen", analysiert Experte Marc Surer. "Massa hat ja auch vorne mitgemischt. Massa fährt immer so schnell wie das Auto, und Alonso setzt noch eins drauf."

In Maranello drohte nach dem ersten Saisonviertel schon ein Köpferollen - besonders Teamchef Stefano Domenicali und der Technische Direktor Pat Fry standen in der Kritik. Aber "Punkte-Eichhörnchen" Alonso ließ die Situation lange besser aussehen, als sie wirklich war - und seit dem Europa-Auftakt in Spanien ist der F2012 wirklich konkurrenzfähig. Ein Schlüsselerlebnis war der vorangegangene Test in Mugello, bei dem viele Neuerungen erprobt wurden.

Auspuffsystem seit Mugello-Test im Griff

"Mugello war ein wichtiger Test, denn seither haben wir eine phänomenale Saison. Das freut mich sehr", sagt Domenicali. "Wir hatten zu dem Zeitpunkt viele Änderungen am Auto. Es steckte schon immer viel Potenzial im Auto, aber 80 Prozent von dem, was wir im Windkanal getestet hatten, funktionierte in Mugello auch auf der Strecke. Es war ein fundamentaler Test für die Analyse des Auspuffs, denn das war am Saisonbeginn der schwierigste Bereich für uns."

Die Wende sei nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen, "sondern es spielen viele Dinge zusammen. Es geht darum, gut zu starten, zuverlässig zu sein, sich von Rennen zu Rennen weiterzuentwickeln", so Domenicali. "Mugello war gut, aber im nächsten Rennen hatten wir schon wieder neue Teile am Auto. Es ist wirklich wichtig, das alles zusammenzuhalten, denn es ist eine dermaßen umkämpfte Weltmeisterschaft, dass schon eine Schwäche Probleme aufwerfen würde."

"Ich bin froh, dass sich unsere Leute nicht darum kümmern, was rundherum passiert, sondern nur auf uns selbst schauen und konzentriert bleiben", spielt Domenicali auf den medialen Druck in Italien an, der zwischenzeitlich enorm groß war. Aber das Ende der Fahnenstange sei trotzdem noch nicht erreicht: "Solange unser Auto nicht das stärkste ist, bin ich nicht glücklich. Im Moment ist es das nicht, aber da kommen wir wieder hin."

Entscheidung nach dem letzten Boxenstopp

In Silverstone hatte Alonso das Rennen zwei Stints (auf harten Reifen) lang im Griff, ehe die Performance nach dem letzten Boxenstopp einbrach - mit den weicheren Option-Pirellis hatte bis dahin Führende nicht mehr die Möglichkeiten, Verfolger Webber auf Distanz zu halten. Ein strategischer Fehler, erst im letzten Stint auf Option gewechselt zu haben? Schließlich hatte Webber den Stint auf weichen Reifen gleich zu Beginn hinter sich gebracht.

"Am Schluss des Rennens liegt am meisten Gummi auf der Strecke. Dann funktionieren normalerweise die weichen Reifen am besten", verneint Surer. "Also hat man es bei Ferrari hinausgezögert, solange es ging. Dass es dann doch nicht geklappt hat, liegt wahrscheinlich eher daran, dass alle Teams mit Regenabstimmung gefahren sind, und wenn man mit Regenabstimmung fährt, weiß man nicht so genau, wie gut die Reifen das durchstehen. Bei Alonso waren sie einfach nicht in Topform."

Keine Zweifel an der Strategie

Auch Domenicali stellt die strategische Herangehensweise im Nachhinein nicht in Frage: "Am Samstagmorgen hatten wir mit Fernando Schwierigkeiten auf weichen Reifen, wenn viel Benzin an Bord war. Angesichts unserer Position wollten wir sicherstellen, dass der erste Stint nicht zu kurz ist. Ich glaube, das war die richtige Entscheidung, denn mit den harten Reifen waren wir sehr gut unterwegs", erläutert er.

Dass Ferrari generell ein Problem habe, wenn wenig Benzin im Tank und weiche Reifen drauf sind, kann der Teamchef nicht ausschließen, bestätigen will er es aber auch nicht: "Das kann man so nicht sagen, denn das letzte Rennen in Valencia war gut. Es geht darum, die richtige Balance für ein bestimmtes Rennen und bestimmte Reifen zu finden. Heute hatten wir auf den weichen Reifen Schwierigkeiten, weil das Auto darauf untersteuerte."

"Ich glaube aber, das Szenario ändert sich Rennen für Rennen", sagt Domenicali. "Man kann nicht sagen, dass wir jetzt jedes Rennen Schwierigkeiten auf den weichen Reifen haben werden. Ich möchte das Verhalten mit wenig Benzin nicht mit der anspruchsvollen Nutzung unseres Autos der Reifen in Zusammenhang bringen. Wir müssen das analysieren, keine Frage, aber wir müssen uns das von Rennen zu Rennen neu anschauen."

Fotoquelle: Ferrari

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