Adrian Newey konzipiert nun schon seit über 30 Jahren Formel-1-Autos

Formel 1 2012

— 15.07.2012

Newey: "Manchmal kommen die Ideen unter der Dusche"

Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey spricht über seine Anfangszeit in der Formel 1 und verrät, warum er auch heute noch mit Papier und Bleistift Dinge entwirft



Adrian Newey gilt in der Formel-1-Szene als "Design-Guru". Was er in die Hand nimmt, wird praktisch zu Gold. Seit den frühen 80er Jahren zeichnet der heutige Red-Bull-Chefdesigner für zahlreiche Erfolge mitverantwortlich. Seine Bilanz ist beeindruckend: Seit seiner Verpflichtung durch das damalige Spitzenteam Williams 1990 gewannen von ihm entworfene Rennboliden insgesamt acht Fahrer- und sieben Konstrukteurs-Titel.

Seine erste Tätigkeit in der Formel 1 nahm der Brite beim March-Team auf. Nach einem Abstecher für das Team in die US-amerikanischen IndyCar-Serie konzipierte er in der Formel 1 mit dem Leyton House/March im Jahre 1988 einen Boliden mit einer Aerodynamik, mit der man der Konkurrenz Jahre voraus war und an der sich viele andere Teams in den Folgejahren ein Beispiel nahmen. Der schmale, aerodynamisch extrem effiziente Rennwagen machte viele Teamchefs auf den damals 30-Jährigen aufmerksam.

Als das March-Team Anfang der 90er Jahre in finanzielle Nöte geriet und Newey vor die Tür setzte, schlug das Williams-Team sofort zu und verpflichtete den jungen Designer, der 1980 ein Studium zum Luftfahrt-Ingenieur an der Universität von Southampton mit höchster Auszeichnung abgeschlossen hatte. Dort war er maßgeblich an den Erfolgen von Damon Hill 1996 und Jacques Villeneuve 1997 beteiligt, die in besagten Jahren die Weltmeisterschaft gewannen.

Es folgten ähnlich erfolgreiche Jahre bei McLaren. Mika Häkkinen gewann 1998 und 1999 die WM und wurde im Jahr 2000 Vize-Weltmeister. 2006 wurde Newey von Red Bull abgeworben und entwarf Sebastian Vettels Siegerautos von 2010 und 2011.

Ressourcen waren früher stark begrenzt

In seinen besagten Anfangszeiten bei March waren Neweys Möglichkeiten im Vergleich zum heutigen Schlaraffenland Red Bull - Dietrich Mateschitz, Besitzer der Marke und Mäzen des Teams, pumpt jährlich Millionen in das Formel-1-Projekt - stark begrenzt. Aufgrund des geringen Budgets war die Designabteilung im britischen Team überschaubar.

"Als ich im Team anfing, hatten wir nur maximal fünf Ingenieure, weshalb man nicht wirklich Dinge weiterentwickeln konnte", so Newey gegenüber 'CNN World Sports'. "Es ging nur darum, mit dem möglichst geringsten Aufwand ein Auto zu entwickeln, da man einfach nicht über die nötigen Ressourcen verfügte."

Heute sei das ganz anders: "Die Top-Teams haben heute über 100 Ingenieure, vielleicht sogar 130. Also können wir heute intensiv forschen und entwickeln. Heute können wir Dinge auf eine Art entwickeln, wie es die Auto- oder die Luft- und Raumfahrtindustrie tut."

Newey verzichtet auf High-Tech-Programme

Die Formel 1 galt vor allem ab den 90er Jahren als High-Tech-Geschäft. Die Boliden wurden mit immer mehr Software vollgestopft. Fahrhilfen wurden installiert, Sensoren aller Art überwachen praktisch jeden Millimeter des Autos. Auch in den Designabteilungen der Teams setzt man auf Computer-Technologie. Es gilt, jede aerodynamische Erkenntnis umzusetzen um einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu gewinnen.

Doch das gilt nicht für alle. Newey hielt während seiner gesamten Karriere an Papier und Bleistift fest. Der Erfolg gibt seiner Methode Recht. "Mir gefällt die Freiheit des Zeichnens, die Tatsache, dass man Entwürfe schnell wieder wegradieren und neu zeichnen kann", so Newey.

"Wenn ich Leuten zusehe, die Dinge am Computer entwerfen, ist das denke ich immer noch die Schwachstelle dieses Programms", fährt Newey fort. "Man kann nicht frei mit der Hand arbeiten und Dinge so schnell wieder ändern, wie es mit einem Radiergummi der Fall ist. Ob man mit einem Reißbrett oder mit einem Computerprogramm arbeitet ist allerdings Geschmackssache. Ich bin einfach so aufgewachsen und bin vielleicht auch ein etwas zu extremer Gewohnheitsmensch."

Geniale Ideen können aus dem Nichts kommen

Ideen, mit denen Newey der Konkurrenz den entscheidenden Schritt voraus ist, entstehen laut des 53-Jährigen nicht nur nach stundenlangem Grübeln und Entwerfen. Sie können auch aus dem Nichts kommen, in ganz gewöhnlichen Alltagssituationen.

"Ich denke häufig über ein Problem nach, speichere es dann in meinem Kopf ab, gehe weg und mache etwas ganz anderes. Das Gehirn ist wirklich etwas ganz erstaunliches, denn es scheint sich dann vom Problem wegzubewegen", zeigt sich Newey beeindruckt.

Doch gelöscht werden diese Gedankengänge offensichtlich nicht: "Manchmal kommt mir die Lösung am nächsten Tag oder in der nächsten Woche unter der Dusche in den Sinn", schildert der Hobby-Rennfahrer, der sich trotz aller Erfolge weiterhin bescheiden gibt: "Wir haben alle andere Arbeitsweisen und ich bin nicht der Einzige, dem Dinge einfallen. Wir verfügen mittlerweile über eine ganze Ingenieursabteilung im Team."

Fotoquelle: xpb.cc

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