Millionengrab Nürburgring: Der GmbH droht noch im Juli die Insolvenz

Formel 1 2012

— 17.07.2012

Nürburgring GmbH pleite: Insolvenz scheint unabwendbar

Die Besitzgesellschaft Nürburgring GmbH ist pleite, dem Land Rheinland-Pfalz droht ein millionenschweres Defizit - Grand Prix wieder jährlich in Hockenheim?



Ein regelrechtes Erdbeben erschüttert derzeit den Nürburgring, denn der Traditions-Rennstrecke in der Eifel droht laut eines Berichts der 'Rhein-Zeitung' die Insolvenz. Das Regionalblatt berichtet, dass die EU-Wettbewerbskommission dem Land Rheinland-Pfalz nicht erlaubt, die für die Fortsetzung des Betriebs notwendige Finanzhilfe zu leisten.

Die Besitzgesellschaft Nürburgring GmbH (nicht zu verwechseln mit der privaten Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH von Jörg Lindner und Kai Richter) wird zu 90 Prozent vom Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent vom Landkreis Ahrweiler kontrolliert. Um die Insolvenz, die aufgrund fälliger Darlehens-Rückzahlungen noch diesen Monat eintreten könnte, abzuwenden, fehlen 13 Millionen Euro.

Die rot-grüne Landesregierung wäre offenbar prinzipiell dazu bereit, dies zu verhindern, und hat in Brüssel beantragt, die Nürburgring GmbH mit 13 Millionen Euro und einer weiteren Stundung der Rückzahlungen an die landeseigene Investitions- und Strukturbank (ISB) zu subventionieren. Doch die EU-Wettbewerbskommission verweigert ihre Zustimmung, sodass die Insolvenz der Besitzgesellschaft unabwendbar scheint.

Millionengrab geschaufelt, Unternehmenswert gering

Dafür ausschlaggebend ist jener ISB-Kredit in der Höhe von 330 Millionen Euro, der seinerzeit aufgenommen wurde, um das Projekt Nürburgring 2009 zu finanzieren. Insgesamt, so laut 'Rhein-Zeitung' der Verdacht der Europäischen Union, sollen unerlaubte Beihilfen in der Höhe von 524 Millionen Euro in die Rennstrecke und deren Infrastruktur geflossen sein. Das Ergebnis der Brüsseler Untersuchung zu diesem Thema steht noch aus.

Indes berichtet die 'WirtschaftsWoche', dass die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Ernst & Young den Wert der Nürburgring GmbH mit 126 Millionen Euro beziffert - die 330 Millionen Euro teuren Neubauten und die Rennstrecke inklusive der legendären Nordschleife bereits eingerechnet. Demgegenüber steht ein Schuldenberg von angeblich 413 Millionen Euro. Das bedeutet, dass das Land selbst bei einem Verkauf auf 287 Millionen Euro Defizit sitzen bleiben könnte.

Aller Voraussicht nach wird der Nürburgring also schon bald aus dem Volkseigentum unter die Kontrolle des Insolvenzverwalters übergeben. Dem obliegt dann auch die Verantwortung über diverse Verträge mit Rennserien wie der Formel 1, die eigentlich 2013 wieder in der Eifel hätte gastieren sollen. Allerdings gab es dafür bis dato noch keinen neuen Vertrag mit Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone.

Hockenheim könnte wieder jährlich einspringen

Nun blüht Deutschland, künftig nur noch alle zwei Jahre einen Grand Prix austragen zu dürfen, denn Hockenheim besitzt bis 2018 einen Vertrag, der eine Zweijahres-Rotation mit dem Nürburgring vorsieht. Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler fände das aber "nicht gut", wie er der 'dpa' versichert, und er unterstreicht: "Ich denke auch, dass dies nicht im Interesse von Bernie Ecclestone und den Herstellern wäre."

Sollte es hart auf hart kommen und die Formel 1 auf dem Nürburgring wirklich keine Zukunft mehr haben, könnte Hockenheim theoretisch auch wieder jedes Jahr den Grand Prix von Deutschland austragen. Derzeit gebe es keine Anfrage, aber "sollte das so sein, sehe ich durchaus eine Möglichkeit". Allerdings nur, wenn alle Voraussetzungen stimmen: "Die Kostenseite, der Vertrag, die Politik und vieles mehr. Ich weiß nicht, ob das alles so leicht zu erfüllen ist", so Seiler.

Wichtige Randnotiz: Die Nürburgring GmbH ist die öffentliche Besitzgesellschaft, die den operativen Betrieb des Nürburgrings an die private und von der Politik scharf kritisierte Nürburgring Automotive GmbH verpachtet hat. Zwischen den beiden Gesellschaften tobt ebenfalls ein Rechtsstreit. Wer wem gegenüber welche Ansprüche geltend machen kann, werden in den nächsten Monaten und Jahren die Gerichte entscheiden.

Fotoquelle: xpb.cc

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