Pirelli bringt am Freitag in Hockenheim neue Slicks in den Testbetrieb

Formel 1 2012

— 18.07.2012

Pirelli: Der große Reifentest am Freitag

Die Formel-1-Teams bekommen am Freitag in Hockenheim zwei zusätzliche Reifensätze: Der neue harte Slick soll endlich getestet werden



Eigentlich sollte die neueste Gummimischung für die harten Slicks von Pirelli schon im Freien Training in Silverstone auf den Prüfstand kommen. Doch das britische Wetter verhinderte diese Planung. Nun sollen die neuen Reifen beim freien Training zum Großen Preis von Deutschland das erste Mal rollen. Jedes Team erhält am Freitag zusätzlich zwei Sets dieser Pneus. Außerdem liefert Pirelli den Teams die üblichen elf Sätze der nominierten Slicks P Zero White und P Zero Yellow.

Der Große Preis von Deutschland wird abwechselnd auf dem Nürburgring und auf dem Hockenheimring ausgetragen. Daher gehört Hockenheim neben den Kursen in Bahrain und den Vereinigten Staaten zu den Rennstrecken, die für Pirelli in dieser Saison Neuland bedeuten. Einige Erfahrung hat Pirelli bereits während der GP3-Rennen in Hockenheim gesammelt. Diese Rennserie beliefert das Unternehmen seit 2010. Aber noch nie fuhr ein moderner Formel 1-Reifen von Pirelli in Hockenheim. Doch dank Computersimulationen und mathematischer Modelle sind die Ingenieure gut auf das kommende Wochenende vorbereitet.

Hockenheim galt früher als eine der schnellsten Rennstrecken der Welt. Seit dem Umbau in 2002 bietet der Kurs lange Geraden kombiniert mit deutlich langsameren und technisch anspruchsvollen Passagen. Die Teams müssen daher ein sehr vielseitiges Setup wählen. Die Reifen erwartet ein Rennen mit einer großen Bandbreite unterschiedlicher Arbeitssituationen. Besonders entscheidend für eine schnelle Runde ist die Traktion, um aus den langsameren Kurven optimal beschleunigen zu können. Hinzu kommen harte Bremsmanöver, bei denen die Pneus Kräfte bis zu 5G absorbieren müssen.

"Nach dem nassen Wochenende in Silverstone hoffen wir, dass die Fahrer unsere Testreifen am Freitag beim Freien Training in Hockenheim fahren können. Allerdings kann das Wetter in Deutschland zu dieser Jahreszeit fast genauso unberechenbar sein wie in England: Vor zwei Jahren haben wir während der GP3-Rennen in Hockenheim ziemlich viel Regen gesehen. Aber es gab dort in der Vergangenheit auch Rennen bei sehr heißen Temperaturen", sagt Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery.

"Der neue harte Reifen ist keine große Weiterentwicklung. Aber er hat einen etwas größeren Temperaturbereich, in dem er optimal arbeitet. Wir nutzen ihn nur während des Freien Trainings. Denn in der diesjährigen Meisterschaftswertung liegen die Fahrer so dicht beieinander, das wir es als unfair empfänden, plötzlich grundlegende Parameter zu ändern. Schließlich haben die Teams hart dafür gearbeitet, die Reifen zu verstehen und das beste aus ihnen heraus zu holen."

"Uns macht der produktive Dialog mit den Teams Spaß und wir werden die Wünsche der Mehrheit immer berücksichtigen. Es wird sicher interessant sein, ihre Meinungen über den neuen Reifen zu hören. So sehen wir auch, ob ihre Eindrücke mit den Ergebnissen unserer privaten Tests übereinstimmen", so der Brite. "Die Reifen auf einem uns unbekannten Kurs einzusetzen, ist immer eine besondere Herausforderung. Denn wir haben noch keine Informationen, mit denen wir die aktuellen Daten vergleichen könnten. Aber der Fortschritt bei den Simulationen ist unglaublich. Heutzutage kann man so viel über das Verhalten eines Reifens auf einer Strecke lernen, ohne je da gewesen zu sein. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie normale Pkw-Reifen von den Entwicklungen der Formel-1-Pneus profitieren."

"Ich habe sowohl gute als auch schlechte Erinnerungen an Hockenheim. 2005 hatte ich hier in der Formel 3 meinen schlimmsten Rennunfall. Ich berührte die Reifen eines anderen Fahrzeugs und flog kopfüber über den Zaun", erinnert sich Pirelli-Testfahrer Lucas di Grassi. "Aber während meiner Zeit in der GP2 stand ich in Hockenheim auch zweimal auf dem Podest."

"Anders als die alte Strecke hat der moderne Kurs keine Abschnitte, die die Reifen besonders belasten. Die Herausforderung für die Pneus entsteht durch die Kombination mehrerer Faktoren: An einigen Stellen wird stark gebremst, dadurch fließt viel Energie durch die Reifen. Und im Motodrom sind die Fahrer auf viel lateralen Grip angewiesen", so der Brasilianer. "Wenn die Reifen abgefahren sind, kann es zu Untersteuern kommen. Aber der bedeutendste Faktor wird die Traktion sein - sie ist sehr wichtig."

"Natürlich hängt auch viel von den Temperaturen ab. Und in Hockenheim ist beim Wetter alles möglich", schmunzelt di Grassi. "Es wird interessant sein, die Meinungen der Teams zu den neuen harten Testreifen zu erfahren, bei deren Entwicklung ich geholfen habe. Unglücklicherweise können wir sie nicht mit den aktuellen harten Reifen vergleichen, da diese nicht für Deutschland nominiert wurden. Aber ich denke, die Fahrer werden den Slick mögen: Er bietet eine noch bessere Traktion, besonders bei kälteren Temperaturen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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