Ministerpräsident Kurt Beck bestätigt: Die Nürburgring GmbH ist insolvent

Formel 1 2012

— 18.07.2012

Eifel-Drama: Nürburgring GmbH geht in die Insolvenz

Update: "Geordnete Insolvenz" der Nürburgring GmbH angekündigt - Landesregierung kritisiert die EU - Was passiert mit Formel 1, DTM und Co.?



Im Rahmen einer Pressekonferenz legte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck am Mittwoch die aktuellen Entwicklungen am Nürburgring dar. Der SPD-Politiker kündigte an, dass man die Nürburgring GmbH in die Insolvenz schicken müsse, weil man die Rückzahlungen der horrenden Kredite nach dem umfangreichen Ausbau der Anlage in der Eifel nicht mehr leisten könne. Die EU hatte eine kurzfristige Beihilfe in Höhe von 13 Millionen Euro nicht bewilligt.

"Wir würden heute vieles anders machen", sagte Beck bei der Eröffnung seiner langen Erklärung. Der Ministerpräsident hatte bis zuletzt darum gekämpft, die Nürburgring GmbH weiterhin über Wasser zu halten. Anfang der Woche hatte er sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in einem Telefonat darum gebeten, bei der EU auf einen positiven Bescheid hinzuwirken.

"Wir konnten bis vor wenigen Tagen davon ausgehen, dass unser Ansinnen eines Rettungsdarlehens dort auf offene Ohren stößt", sagte Beck. Seine Staatskanzlei hatte noch am gestrigen Dienstag einen Bericht der 'Rhein Zeitung' zurückgewiesen, die von dem negativen Signal von der EU bereits erfahren hatte. Am heutigen Mittwochmorgen musste Beck den Bericht plötzlich bestätigen und die Konsequenzen erklären.

EU oder Beck: Wer hat hier was verschleppt?

Beck zeigt großes Unverständnis für das Verhalten der Europäischen Union. Aus seiner Sicht habe die Wettbewerbskommission durch ein aufwändiges Prüfverfahren eine Hilfe unmöglich gemacht. Es liege kein negativer Bescheid vor, sondern es sei keine Entscheidung getroffen worden - was allerdings die gleichen kurzfristigen Konsequenzen hat. Die Vorgehensweise der EU nannte Beck wörtlich "bedenkenswert".

"Wir haben uns entschlossen, unseren Gesellschafter zu beauftragen, den Aufsichtsrat einzuberufen und ein geordnetes Insolvenzverfahren einzuleiten", formulierte Beck den Kernsatz des Tages. Ein entsprechender Antrag wird nun beim Amtgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler eingereicht. Anschließend wird ein Insolvenzverwalter bestimmt, der zukünftig die Fäden am Nürburgring in der Hand halten wird.

Beck tröstet sich und seine Mitstreiter mit einem Satz über die dramatische Entwicklung hinweg: "Das Land Rheinland-Pfalz ist Hauptgläubiger, mögliche Rückzahlungen gehen also an uns." Allerdings räumt der Politiker ein, dass es weitere Forderungen von Dritten gäbe, denen ebenso nachgekommen werden müsse. Noch am heutigen Mittwoch wird es am Nürburgring eine Betriebsversammlung geben.

Man wolle dafür Sorge tragen, dass alle rund 30 Mitarbeiter der Nürburgring GmbH ihre Jobs behalten können, so die Ankündigung. Allerdings liegt dies wohl nicht in Händen von Beck, sondern im Entscheidungsbereich des künftigen Insolvenzverwalters. Weil die aktuellen Kredit-Rückzahlungen nicht geleistet werden können, muss das Land nun für den Kredit bei der Investitions- und Strukturbank (ISB) bürgen.

Was passiert mit Formel 1, DTM und Co.?

"Wir werden die Rücklage aktivieren und damit den größten Teil gedeckt haben", kündigt Finanziminister Carsten Kühl an. Allerdings reichen die 254 Millionen Euro aus der entsprechenden Rückstellung nicht aus, um die Forderungen zu erfüllen. Der Differenzbetrag muss aus dem laufenden Haushalt des Landes Rheinland-Pfalz kommen. Im Rahmen der Pressekonferenz sorgten die Verantwortlichen für viel Kopfschütteln.

In seinem minutenlangen Monolog prangerte Beck die EU und das europaweite Bemühen um finanzielle Sicherheit an. Es rege doch "sehr zum nachdenken" an, dass man am morgigen Donnerstag auf bundespolitischer Ebene über Milliardenhilfen für spanische Banken entscheide, aber für die Rettung des Nürburgrings nicht einmal ein paar Millionen zu bekommen wären, so der Tenor. Wirschaftsministerin Eveline Lemke stellte traurig fest: "Rheinland-Pfalz gehört schließlich auch zu Europa."

Die große Frage lautet: Wie geht es nun mit dem Rennsport am Nürburgring weiter? Viele Rennserien haben bereits Verträge über mehrere Jahre. So zum Beispiel die DTM, die bis mindestens 2013 in der Eifel gastieren soll. "Die Verträge gibt es, da sind wir eigentlich auf der sicheren Seite. Aber wir sind vorsichtig und müssen in einer solchen Situation erst einmal abwarten, was dies alles bedeutet", drückt sich ITR-Chef Hans Werner Aufrecht auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' sehr vorsichtig aus.

Beck und seine Minister kündigten an, dass man Anfang November dieses Jahres wieder über die Anlagen verfügen wolle. Ein entsprechender Vergleich mit den bisherigen Pächtern (Nürburgring Automotive GmbH) liege unterschriftsreif vor. Die Formel 1 soll 2013 wieder in der Eifel gastieren. Noch wartet Bernie Ecclestone auf einen zuverlässigen Verhandlungspartner für Gespräche über einen neuen Vertrag. Wird er ihn finden? Ministerpräsident Beck verwies auf ein Schreiben der EU, in dem es angeblich heißt, dass "das Bedürfnis nach Motorsportereignissen auch in Belgien befriedigt werden könne".

Fotoquelle: PIZ Marine

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