Am Nürburgring dürften die Flaggen derzeit eher auf Halbmast wehen

Formel 1 2012

— 18.07.2012

Nürburgring: Politischer Poker um den Grand Prix 2013

Mit einem taktischen Schachzug setzen die bisherigen Nürburgring-Betreiber das Land gehörig unter Druck: Unterschriftsreifer Vertrag von Bernie Ecclestone liegt vor



Während der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck am Morgen das Drama um die Nürburgring-Insolvenz mit aller politischen Vorsicht erklärte, schickten die bisherigen Betreiber Kai Richter und Jörg Lindner eine eigene Erklärung aus. Die beiden Geschäftsführer der Nürburgring Automotive GmbH (NAG) langten kräftig mit der Formel-1-Keule zu. Beck und sein Kabinett am finanziellen Grab des Rings, Lindner und Richter mit einer leuchtenden Aussicht auf Grand-Prix-Sport.

"Die Gesellschafter der Nürburgring Automotive GmbH, Jörg Lindner und Kai Richter, haben sich am Donnerstag der vergangenen Woche in London mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone auf ein Konzept verständigt, nach der auch künftig die Formel 1 auf dem Nürburgring gesichert ist. Bereits ab dem Rennen 2013 würde Ecclestone auf die Zahlung einer Fahrerfeld-Gebühr verzichten", so die Erklärung der NAG. Ein Leckerli für Beck und Co.: "Damit entfielen künftig Zuschüsse des Landes Rheinland-Pfalz für das Rennen."

"Im Gegenzug würde Ecclestone als Veranstalter am Nürburgring auftreten und sämtliche Kosten tragen, aber auch alle Einnahmen beanspruchen. Als Basis dieser Vereinbarung erwartet der Formel-1-Chef die Bereitstellung der Rennstrecke und der Anlagen sowie des erforderlichen Personals für den bisher üblichen Veranstaltungszeitraum von circa 14 Tagen", heißt es in der Erklärung von Lindner und Richter, die bestimmt nicht zufällig während der Pressekonferenz von Beck ausgeschickt wurde.

"Als lokaler Partner bei der Durchführung des Rennens würde die NAG, die Grand Prix Rheinland Pfalz oder eine andere Schwestergesellschaft auftreten", heißt es in dem Schreiben weiter. Spätestens an diesem Punkt wird deutlich, was die beiden NAG-Geschäftsführer bezwecken. Auch die "Grand Prix Rheinland-Pfalz GmbH" und die "Grand Prix Rheinland-Pfalz Verwaltungs GmbH" sind Firmen von Lindner und Richter. Sie wollen an Bord bleiben, den weiteren Zugriff auf die Strecke sichern.

Genau dies will das Land verhindern. Den Pachtvertrag mit der NAG hatte man gekündigt, allerdings wehren sich Richter und Lindner bisher gegen einen entsprechenden Schritt. Laut Ministerpräsident Beck ist eine Lösung in Sicht. "Inzwischen ist mit der Nürburgring Automotive GmbH eine unterschriftsreife Einigung gefunden worden, dass Besitz und Betrieb zum 31.10.2012 an die Nürburgring GmbH zurückfallen. Streitige Fragen sollen in einem Schiedsverfahren geklärt werden", heißt es aus Mainz.

"Dieser Schritt wäre für die Neustrukturierung von zentraler Bedeutung gewesen", so die Erklärung der Landesregierung weiter. Der große Haken: "Er kann ohne die Zustimmung der EU-Kommission zu einer Rettungsbeihilfe nicht beschritten werden." Klartext: Der Streit um den Zugriff auf den Nürburgring wird weitergehen. Jörg Lindner und Kai Richter werden das Feld eben nicht so schnell räumen wie es Beck gerne hätte.

Im Gegenteil: Die beiden NAG-Geschäftsführer setzen das Land unter Druck. "Über das Ergebnis unterrichtete die Nürburgring Automotive GmbH am Montag dieser Woche in Düsseldorf den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz. In dem konstruktiven Gespräch machte die NAG deutlich, dass es nur noch ein kleines Zeitfenster für die Zustimmung des Landes für die nun erreichte Lösung künftiger Formel-1-Rennen in der Eifel gebe und erwartet hierzu eine kurzfristige positive Stellungnahme", heißt es.

"Minister Lewentz wurde außerdem über das Vertragsangebot der NAG an die Konzertagentur Marek Lieberberg für weitere zehn Jahre 'Rock am Ring' informiert. Die NAG machte deutlich, dass sie auch hier eine Zustimmung des Landes für den Vertragsabschluss erwartet. Das Gleiche gilt für Vertragsverhandlungen mit dem ADAC über die Verlängerung der Veranstaltungen 24-Stunden-Rennen und Truck-Grand Prix", so Richter und Lindner. "Die NAG betonte gegenüber dem Minister, dass mit dem vorgeschlagenen Vorgehen sich alle Großveranstaltungen am Nürburgring dauerhaft sichern ließen."

Fotoquelle: xpb.cc

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