Der Hockenheimring hofft morgen beim Rennen auf 63.000 Zuschauer

Formel 1 2012

— 21.07.2012

Hockenheim: "Werden eine schwarze Null schreiben"

Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler erwartet für den Grand Prix 2012 eine positive Bilanz und wünscht sich mehr Unterstützung durch Baden-Württemberg



Das insgeheim erhoffte Ergebnis von 70.000 Zuschauern wird der Hockenheimring beim morgigen Grand Prix von Deutschland zwar nicht erreichen, aber dank der guten Wettervorhersage sollte zumindest die Marke von 2010 (63.000) annähernd egalisiert werden: "Wir haben derzeit rund 57.000 Karten verkauft. Jetzt warten wir noch das schöne Wetter ab, dann kommen wir da wieder hin", erklärt Geschäftsführer Georg Seiler gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Positiv: Von den bisher verkauften Tickets sind nur 8.000 Tageskarten für morgen, der Rest ist für das gesamte Wochenende. Daraus ergibt sich unterm Strich: "Wir werden nach diesem Rennen eine schwarze Null schreiben", rechnet Seiler vor. Vom Rekordergebnis von 93.000 Zuschauern, die im Jahr 2002 nicht nur die umgebaute Strecke, sondern auch den ersten Hockenheim-Sieg von Michael Schumacher auf Ferrari feiern durften, sind die Betreiber aber meilenweit entfernt.

75.000 Menschen fasst der Hockenheimring in seiner aktuellen Konfiguration. Über mobile Tribünen ließe sich die Kapazität auf 120.000 erweitern, aber dafür besteht kein Bedarf. Selbst die DTM ist von den Zuschauern her erfolgreicher als die Formel 1 - aber nicht zwingend wegen der billigeren Kartenpreise: "Wir merken, dass die teuersten Karten (bis 499 Euro; Anm. d. Red.) in der Regel am ehesten weg sind", winkt Seiler ab.

Von 99 bis 499 Euro

Man habe sich durchaus überlegt, die Preispolitik zu verändern, um mehr Zuschauer anzulocken, doch das sei aus wirtschaftlicher Sicht mit Risiko verbunden. Daher begnügt man sich mit punktuellen Billigangeboten: "Wir haben für die Mittelschicht ein Angebot ab 99 Euro gemacht. Dieses Angebot ist ausgebucht. Es gibt derzeit noch Karten ab 149 Euro aufwärts", sagt Seiler. Wer morgen im Motodrom sitzen will, ist ab 225 Euro dabei.

Dass solche Angebote nicht mehr Fans anlocken, ist für Seiler ein Rätsel: "Die Formel 1 ist derzeit interessant genug. Man versteht es eigentlich nicht. Vielleicht spielen in Deutschland auch die Fußball-EM und die Olympiade eine Rolle, denn nicht jeder Motorsport-Fan hat nur Formel 1 im Sinn. Und wenn man die Preiskategorien bei der Olympiade sieht, haben vielleicht viele Fans dieses Sportereignis bevorzugt in diesem Jahr."

Die Formel 1 ist im Geschäftsmodell des Hockenheimrings vor allem als Prestigeobjekt vorgesehen, die Renditen sollen andere Veranstaltungen abwerfen: "Wir haben die DTM, die zweimal hier fährt, wir haben ein großes Dragster-Rennen, das sehr gute Erträge abwirft, und unsere Rennstrecke ist von Mitte Februar bis Mitte November jeden Tag ausgebucht. Das ergibt in Summe eine sehr hohe Wertschöpfung", erläutert Seiler.

Die ist aber auch notwendig, denn die Hockenheim-Ring GmbH sitzt nach wie vor auf den Schulden des Umbaus zu Beginn des Jahrtausends. Das ist keine unplanmäßige Altlast, sondern entspricht angeblich dem seinerzeit ausgeheckten Businessplan. Seiler: "Wir haben langfristig finanziert. Es dauert noch 20 Jahre, bis alles abbezahlt ist. Aber nur die langfristige Finanzierung erlaubt, dass wir keine Probleme haben mit einem ehrlichen Ergebnis."

Land finanziell nicht beteiligt

Und das ohne die Hilfe des Landes Baden-Württemberg, das die Hockenheim-Ring GmbH finanziell nicht mehr stützt. Die GmbH liegt zu 94 Prozent im Besitz der Stadt Hockenheim und zu sechs Prozent im Besitz des Badischen Motorsport Clubs. Das ist anders als am Nürburgring, wo die öffentliche Hand (90 Prozent Land Rheinland-Pfalz, zehn Prozent Landkreis Ahrweiler) ein 330 Millionen Euro schweres Steuerzahler-Debakel erlitten hat.

Der Nürburgring GmbH blüht nun der Gang in die Insolvenz, doch es gibt bereits Bemühungen, Veranstaltungen wie den Grand Prix zu retten. Auch Seiler ist zuversichtlich, dass es für die Kollegen in der Eifel weitergehen wird: "Ich glaube, der Nürburgring wird nicht zur Wüste werden, sondern es ist ein Areal, das weiter genutzt wird. Es wird Lösungen geben - und ich bin überzeugt davon, dass auch die Formel 1 weiter dort fahren wird."

"Deutschland braucht jedes Jahr einen Formel-1-Grand-Prix und hat bei der Anzahl von Piloten und auch bei Hersteller Mercedes einen Formel-1-Grand-Prix verdient", findet der Hockenheimring-Hausherr. Am liebsten wäre ihm eine Beibehaltung des derzeitigen Konstrukts: "Der Nürburgring und unser Ring sind die traditionsreichsten Rennstrecken. Wir wollten damals die Alternierung. Die sollte man auch weiterhin anstreben."

Jedes Jahr ein Grand Prix?

"Sollte es - aus welchen Gründen auch immer - nicht weitergehen, bin ich überzeugt, dass eine entsprechende Anfrage seitens Ecclestone an Hockenheim herangetragen wird. Wenn da die Voraussetzungen passen, sind wir bereit, wieder jedes Jahr einen Grand Prix durchzuführen", kündigt er an. "Sollte das nicht funktionieren, ist es schon denkbar, dass wir mit Spa wechseln. Aber in der Regel findet so ein Wechsel immer innerhalb eines Landes statt."

Dass das Land Rheinland-Pfalz aufgrund des Nürburgring-Debakels derzeit oft unvorteilhaft dargestellt wird, findet Seiler übrigens bedauerlich: "Unabhängig von der Größenordnung der Bauten, die ich nicht bewerten will, haben sie was getan für ihre Rennstrecke. Das ist erst mal positiv zu bewerten. Es wäre schön, wenn hier auch Baden-Württemberg etwas tun würde für Rennstrecken. Aber das ist derzeit nicht erkennbar", seufzt er.

Fotoquelle: xpbimages.com

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