Jenson Button rätselt über den Umgang seines Autos mit den Pirelli-Reifen

Formel 1 2012

— 21.07.2012

Button: "Hatte selten so wenig Grip wie heute"

Jenson Button rätselt über das nach wie vor bestehende McLaren-Problem, die Reifen auf Temperatur zu bekommen - Ferrari nur durch Zufall vorn?



McLaren-Pilot Jenson Button fuhr im dritten Teil des Qualifyings auf dem Hockenheimring auf Rang sieben und zeigt sich überrascht, denn er hatte bei den niedrigen Temperaturen auf der nassen Strecke einmal mehr mit extrem wenig Grip zu kämpfen.

In seiner Medienrunde am Samstag spricht Button über seine andauernden Schwierigkeiten, die Reifen auf Temperatur zu kriegen, über die Upgrades am McLaren für diese Wochenende, über einen möglichen Grund für die starke Ferrari-Vorstellung in diesem Jahr und über seine Hoffnungen für das Rennen am Sonntag sowie den weiteren Saisonverlauf.

Frage: "Jenson, wie beurteilst du das Qualifying?"
Jenson Button: "Es lief nicht allzu berauschend. Wir hatten dieselben Probleme wie immer bei diesen Bedingungen. Wir schaffen es einfach nicht, die Reifen zum Arbeiten zu bekommen. Ich fahre jetzt seit zwölf, 13 Jahren Formel-1-Autos und weiß, wie es ist, im Regen zu fahren. Gleiches gilt für den Fall, wenn die Reifen nicht auf Temperatur zu kriegen sind. Sobald du die Bremse betätigst, blockieren die Räder. Ich war sehr langsam unterwegs, aber immerhin noch Siebter. So gesehen lief es nicht großartig, aber auch nicht allzu schlecht. Da die Jungs, die um die Pole-Position kämpften drei bis vier Sekunden schneller waren, wurde uns klar aufgezeigt, in welchem Bereich wir arbeiten müssen. Ganz offensichtlich kriegen diese Jungs die Reifen zum Arbeiten und wir nicht."

Frage: "Was sagt uns das über die Upgrades, die McLaren hier dabei hat?"
Button: "Meiner Meinung nach gar nichts. Wenn man sich unsere Zeiten im Trockenen ansieht - meinen letzten Platz von heute morgen aufgrund von viel Sprit im Tank einmal ausgenommen - dann sieht man, dass unser Tempo sehr gut ist. Im Regen aber haben wir nach wie vor schwer zu kämpfen, die Reifen ins richtige Fenster zu bekommen. Was die Upgrades betrifft, so können wir mit den Fortschritten sehr zufrieden sein. Wir sind sowohl hinsichtlich des Reifenabriebs als auch des reinen Tempos sehr gut aufgestellt, aber sobald es anfängt zu regnen, geraten wir in Schwierigkeiten."

Frage: "Bist du mit einer Leistung zufrieden?"
Button: "Ja, ich war schon in Silverstone zufrieden, hatte dann aber unglaubliches Pech im Qualifying. So oder so müssen wir das Temperaturproblem lösen, denn es macht uns beiden (auch Teamkollege Lewis Hamilton; Anm. d. Red.) zu schaffen. Dieses Problem plagt uns schon seit einigen Rennen - mich noch mehr als Lewis. Ich weiß einfach nicht, wo im Regen das Limit der Reifen liegt. Das Positive ist aber, dass unser Auto im Trockenen sehr schnell ist und es morgen trocken bleiben soll. Ich gehe davon aus, dass wir morgen ein sehr gutes Rennen haben werden. Ich weiß noch nicht genau, wie schnell wir auf trockener Piste sein werden, aber es sieht nicht so aus, als wäre irgendjemand schneller als wir. Mit den Upgrades, die wir hier dabei haben, sollte es uns gelingen, ein paar gute Punkte einzufahren."

Frage: "Wie beurteilst du den Verlauf von Q3?"
Button: "Ich ging ganz zum Schluss noch einmal raus, hatte aber nicht das Gefühl, dass die Strecke deutlich abtrocknete. Das Hauptproblem war aber, dass ich die Reifen einfach nicht auf Temperatur bekam. Mein Problem, das ich schon das gesamte Jahr über mit mir herumschleppe, wurde heute im Regen nochmals verstärkt. Ich hatte bei den niedrigen Temperaturen einfach keinen Grip. So gesehen bin ich von Rang sieben schon etwas überrascht."

Ferrari nur durch Zufall vorn?

Frage: "Worin liegt deiner Meinung nach die Ursache für die Probleme, die Reifen auf Temperatur zu bekommen?"
Button: "Das ist eine gute Frage. Im vergangenen Jahr hatten wir damit keine Probleme. Andererseits war Ferrari im vergangenen Jahr bei solchen Bedingungen nirgendwo. In diesem Jahr haben sie für derartige Verhältnisse ein großartiges Auto. Ich glaube aber nicht, dass sie ihr Auto speziell nach diesem Gesichtspunkt aufgebaut haben. Es ist wohl einfach eine Folge der Geometrie, die sie ihrem Auto für diese Saison gegeben haben. Ich würde sagen, der Faktor Glück spielt in diesem Zusammenhang wohl eine größere Rolle als das Verständnis."

Frage: "Wie erklärst du dir, dass Williams und Force India heute jeweils ein Auto vor beide McLaren gebracht hat?"
Button: "Das ist ziemlich offensichtlich: Sie waren schneller als wir. Für uns ist es ein enttäuschendes Ergebnis, denn im Trockenen sahen wir richtig stark aus. Unsere Upgrades sind sehr gut. Im Nassen jedoch haben wir nach wie vor Probleme. So wenig Grip wie heute hatte ich im Verlauf meiner langjährigen Karriere selten im Regen. Wir kämpfen schon das gesamte Jahr über mit dem Temperaturproblem - vor allem ich. Im Regen ist es nochmals schlimmer. Wenn es uns gelingt, die Reifen auf Temperatur zu kriegen, dann ist unser Auto sehr schnell. Das hat Lewis beispielsweise in Q2 in Silverstone gezeigt. Es fällt uns schwer, das Problem zu verstehen, aber wir tun alles, um es zu lösen."

Frage: "Mit welchem Gefühl gehst du in das Rennen am Sonntag?"
Button: "Glücklicherweise soll es trocken bleiben. Bei diesen Bedingungen habe ich am Morgen viele Runden abgespult, da wir damit rechneten, dass es im Qualifying regnen würde. Wir haben wohl mehr Longruns zurückgelegt als alle anderen. Ich fuhr schon am Freitagvormittag drei Longruns, heute Morgen nochmals zwei. Wir fühlen uns für das Rennen auf jeden Fall gerüstet."

Frage: "Fühlst du dich in einer besseren Position als vor den zurückliegenden Rennen?"
Button: "Ich war schon in Valencia und auch in Silverstone glücklich mit dem Auto. Lediglich das Ergebnis war nicht das, was ich mir erhofft hatte, weil die Dinge nicht nach unseren Vorstellungen liefen. Das eigentlich Frustrierende war das Qualifying heute, denn wenn du weißt, dass du ein gutes Auto für trockene Bedingungen hast, dann kannst du Regen überhaupt nicht gebrauchen."

Frage: "Hältst du es für möglich, morgen aufs Podium zu fahren?"
Button: "Ganz eindeutig ja. Das - wenn nicht sogar noch mehr - muss unser Ziel sein. Speziell im Trockenen konnten wir das Auto sowohl aerodynamisch als auch mechanisch deutlich verbessern. Jetzt hoffe ich, dass es morgen auch wirklich trocken sein wird."

McLaren denkt noch nicht an die Saison 2013

Frage: "Mit welchem Gefühl gehst du angesichts der Upgrades in die zweite Saisonhälfte?"
Button: "Wenn man sich die beiden zurückliegenden Rennen in Valencia und Silverstone vor Augen führt, stellt man fest, dass sieben Teams ihr Auto nachgerüstet haben. Wir zogen hier nach. Man könnte sagen, dass wir ein bis zwei Rennen im Rückstand sind, aber unsere Upgrades hier sind sehr gut. Generell fällt es in diesem Jahr sehr schwer, gute Veränderungen am Auto zu finden, denn das Reglement ist sehr eng gestrickt. Der angeblasene Diffusor erzielt ganz offensichtlich nicht mehr den Effekt aus der Vergangenheit. Wir sind mit unseren neuen Teilen für dieses Wochenende sehr zufrieden und überzeugt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Wir haben für die anstehenden Rennen noch ein paar weitere Dinge in der Hinterhand und konzentrieren uns zum jetzigen Zeitpunkt ganz sicher noch nicht auf die kommende Saison. Stattdessen setzen wir alles daran, den bestmöglichen Job in der Saison 2012 zu erledigen."

Frage: "Wirst du von den Fans lieber als Rennfahrer oder als Sex-Symbol angesehen?"
Button: "Natürlich als Rennfahrer, denn deshalb sind wir hier. Wir lieben das Rennfahren. Die Leute, die hier im strömenden Regen auf der Tribüne ausharren, wollen uns fahren sehen und nicht, wie wir in der Boxengasse irgendwelche Posen machen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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