Lewis Hamilton holte sich in Ungarn den zweiten Saisonsieg

Formel 1 2012

— 29.07.2012

Sieg vor der Sommerpause: Hamilton schlägt Lotus

Lewis Hamilton ringt Kimi Räikkönen und Romain Grosjean nieder und geht als Sieger in die Formel-1-Sommerpause - Sebastian Vettel wird Vierter



"Fantastisch", jubelt Lewis Hamilton (McLaren) in seinen Bordfunk. Gerade eben hat er zum 19. Mal einen Grand Prix für sich entschieden. Und der Großen Preis von Ungarn, das letzten Rennen vor der Formel-1-Sommerpause, war eine ganz enge Kiste. Im Ziel lag Hamilton nämlich nur 1,032 Sekunden vor Kimi Räikkönen (Lotus), der ihm in der zweiten Rennhälfte fast wie ein Schatten gefolgt war.

Räikkönen saugte sich immer wieder an Hamilton heran, kam aber niemals in Schlagdistanz. Zu einem Überholversuch kam es daher nicht, doch es knisterte trotzdem gewaltig. Und das von Anfang an, denn zunächst hatte Romain Grosjean (Lotus) die Verfolgung von Hamilton aufgenommen. Die Bilder aber glichen sich: Der Franzose kam heran an Hamilton, überholen konnte er ihn jedoch nicht.

Grosjean spricht trotzdem von einem klasse Rennen: "Das Team hat toll gearbeitet", meint der Lotus-Pilot. "Vor allem, wo wir doch vor einer Woche einen so schwierigen Grand Prix gehabt hatten. Hier kämpften wir um den Sieg - und das ist immer etwas Besonderes", meint Grosjean mit einem dicken Grinsen im Gesicht und merkt an: "Ich hoffe nur, beim nächsten Mal können wir das erneut tun."

Diese Hoffnung hat auch Räikkönen - nach seinem dritten zweiten Platz in dieser Saison. Und typisch "Iceman": Happy ist er natürlich nicht. "Platz zwei ist nicht genug", sagt er. "Wir hatten ein paar Probleme mit KERS. Das war keine Hilfe. Wir versuchen es aber wieder. Wir sind vorn mit dabei und können kämpfen. Diesen zweiten Platz nehmen wir mit. Zufrieden sind wir aber erst, wenn wir siegen."

Wie das geht, hat Hamilton in Budapest unter Beweis gestellt. "Das Auto war super-schnell", sagt der Brite in einer ersten Stellungnahme und schwärmt: "Ein toller Tag. Die Fans waren fantastisch und das gesamte Team hat hervorragende Arbeit geleistet. Wir hatten tolle Boxenstopps, vielen Dank." Ein bisschen spricht da wohl auch die Erleichterung, denn zwischendurch musste Hamilton auch bangen.

Ein völlig verkorkster Sonntag für "Schumi"

Ein Luxusproblem, das Andere wohl auch gern gehabt hätten. Für Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) zeichnete sich nämlich schon früh ab, dass es nicht zu einem Podestplatz reichen würde. Der Deutsche sicherte sich aber den vierten Platz vor WM-Spitzenreiter Fernando Alonso (Ferrari) und verkürzte so seinen Rückstand in der Fahrerwertung. Alonso bleibt dort aber souverän in Führung.

Für die weiteren Deutschen im Starterfeld war in Ungarn nicht sehr viel zu holen. Nico Rosberg (Mercedes) holte als Zehnter noch einen Punkt, Nico Hülkenberg (Force India) ging als Elfter knapp leer aus. Timo Glock (Marussia) fuhr nach einem frühen Dreher noch als 21. ins Ziel, Michael Schumacher (Mercedes) stellte sein Auto nach einem total verkorksten Rennen in Runde 59 ab.

Für den Rekordweltmeister hatte der Renntag - nach einem völlig desolaten Qualifying - mit einer herben Enttäuschung begonnen: Weil Schumacher in der Startaufstellung der Motor ausging, wurde eine weitere Aufwärmrunde absolviert. Der Mercedes konnte in der Boxengasse zwar wieder zum Leben erweckt werden, doch Schumacher durfte seinen Startplatz deshalb nicht mehr einnehmen.

Das Feld ging daher erst einmal ohne "Schumi" auf die Reise, der gleich in Runde zwei erneut in die Boxengasse kam, um seine Reifen zu wechseln. Dabei wurde der Silberpfeil-Fahrer mit zu hohem Tempo "geblitzt" und erhielt folgerichtig eine Durchfahrtsstrafe. Der vorläufige Höhepunkt in einem Rennen ohne Perspektive, das schließlich in der eigenen Mercedes-Garage ein verfrühtes Ende fand.

"Gewisse Rennen muss man einfach so hinnehmen .Genauso wie andere Momente positiv für uns waren, ist es jetzt halt nicht so gut für uns gelaufen", meint Schumacher und gesteht, den Motor in der Startaufstellung aus Sicherheitsgründen abgestellt zu haben, weil dieser "schon ziemlich heiß" war. Die Strafe sei dann "eine Sache obendrauf" gewesen, die man "nicht unbedingt braucht", sagt er.

Hamilton geht gleich in Führung

Für Hamilton lief indes alles wie geschmiert. Der McLaren-Pilot kam beim zweiten Startversuch sehr gut von der Linie weg und setzte sich sofort etwas ab. Grosjean, von der schmutzigeren rechten Seite kommend, sah sich in Kurve eins hingegen den Angriffen von Vettel ausgesetzt, der einen beherzten Überholversuch startete. Doch Grosjean schmetterte diesen ab und Vettel verlor etwas an Schwung.

Dies wiederum nutzte Button und setzte sich noch vor Kurve zwei außen neben Vettel, der zunächst die Oberhand behielt. Im darauf folgenden Rechtsknick war aber Button besser postiert - und Vettel musste ihn ziehen lassen. Damit waren die Positionen erst einmal bezogen und es kehrte Ruhe ein im Feld. Die Freigabe der verstellbaren Heckflügel brachte keine Änderung. Man schonte die Reifen.

Daraus machte Ferrari bereits in Runde sieben keinen Hehl: "Fernando schont die Reifen", twitterte die Scuderia, als sich ihr Pilot auf den Verfolgerrängen eingerichtet hatte. Mit der Spitze hatte Alonso eh nichts zu schaffen. Dort übte Grosjean viel Druck auf Hamilton aus, konnte den Vorsprung des Briten aber nicht entscheidend reduzieren. Kleine Fahrfehler warfen ihn zusätzlich etwas zurück.

Rasch wurde deutlich: Im Großen Preis von Ungarn würde die Taktik eine Überholchance bieten, wenn schon auf der Strecke nichts oder nur wenig passierte. Und so wartete man gespannt auf die Boxenstopps, die ab Runde 13 begannen. Die Spitze zierte sich aber eine Weile: Erst in Runde 19 bog Hamilton als Führender ab. Grosjean erbte die Führung, kam dann aber auch gleich herein.

Am Ende der Boxengasse kam es zu einem ersten Showdown, den Hamilton für sich entschied. Die Reihenfolge hatte sich nicht verändert, das Katz- und Maus-Spiel begann erneut. Und wieder dauerte es bis zu den Reifenwechseln, ehe das Duell richtig an Fahrt aufnahm. Der Abstand zwischen den beiden Kontrahenten Hamilton und Grosjean schwankte nur geringfügig, bliebt insgesamt stabil.

Räikkönen gewinnt das Lotus-Duell

In Runde 39 legte Grosjean vor - und er schien beim "Einparken" vor seiner Crew zu zögern. Gingen dabei die entscheidenden Zehntel verloren, die Hamilton zwei Runden später dabei halfen, vor ihm zu bleiben? Auch der McLaren-Pilot holte sich noch einmal frische Reifen. Und auf einmal lag Räikkönen in Führung! Der Finne hatte sich mit einigen schnellen Runden Luft verschafft und war nun vorn.

Fünf Runden und einige Bestzeiten später kam aber auch er zum Service an die Lotus-Box. Und prompt kam es in der ersten Kurve zu einem Gerangel um die Vorherrschaft im Team. "Das war sehr aufregend", gesteht Lotus-Teamchef Eric Boullier - Räikkönen setzte sich mit aller Macht gegen Grosjean durch und übernahm Rang zwei hinter Hamilton. Das Spielchen begann ein drittes Mal.

Runde um Runde kam Räikkönen seinem Vordermann näher und knabberte am Vorsprung, der zunächst 4,4 Sekunden betragen hatte. Rasch war der "Iceman" bis auf unter eine Sekunde am McLaren dran. Doch dann stockte der Angriff plötzlich und - déjà vu - es tat sich nicht mehr viel. Räikkönen hatte zwar die etwas besseren Reifen, doch Hamilton hielt dem Druck geschickt stand.

Beiden Ex-Champions dürfte zu diesem Zeitpunkt klar gewesen sein: Ein Fehler und das war's. Und beide zeigten eine souveräne Leistung, sodass sich bis zur Zieldurchfahrt in Runde 69 nichts mehr veränderte. Hamilton vor Räikkönen, dann Grosjean. Und Vettel, dessen Red-Bull-Team mit einer ungewöhnlichen Strategie aufgewartet hatte. Zehn Runden vor Schluss gab's noch frische Reifen!

Was bei Webber nicht sehr gut funktionierte, brachte Vettel keinen Schaden: Der Weltmeister hielt seinen vierten Platz, indem er sich gegen den heranrauschenden Alonso durchsetzte. Es reichte aber um 1,096 Sekunden nicht mehr, um Grosjean vom Treppchen zu stoßen. Ferrari-Pilot Alonso ließ es indes ruhig angehen und fuhr - ganz unspektakulär, aber gewohnt effektiv - Platz fünf über die Linie.

Maldonado wird erneut auffällig

"Die Lotus waren schneller als wir, die Red Bull und die McLaren ebenfalls. So belegte ich unterm Strich den fünften Platz", sagt der WM-Spitzenreiter und merkt an: "Das ist mehr, als wir erwartet hatten." Man habe immerhin ein paar ordentliche Punkte eingefahren. Und ganz nebenbei blieb Alonso dadurch auch vor seinen direkten Titelkampf-Rivalen Button (6.) und auch Webber (8.).

Webber kostete der späte dritte Reifenwechsel eine Menge Boden, Button hatte hinter Senna viel Zeit verloren. Schlimmer erwischte es aber noch die Mittelfeld-Teams um Force India, Sauber und Toro Rosso. In Budapest waren sie allesamt chancenlos und rieben sich über 69 Runden in diversen engen Duellen untereinander auf. Pastor Maldonado (Williams) war dabei etwas zu aggressiv unterwegs.

Zumindest in den Augen der Rennleitung: Beim gewagten Überholmanöver gegen Paul di Resta (Force India) touchierte er das gegnerische Auto leicht und half mit, di Resta über den Randstein von Kurve zwölf zu bugsieren. Und Maldonado ist in solchen Angelegenheiten bekanntlich ein gebranntes Kind. Der Denkzettel folgte prompt und Maldonado musste eine Durchfahrtsstrafe antreten.

Es wäre aber wohl auch ohne diesen Zwischenfall nicht in die Punkte gefahren. Zum Schluss gab's Rang 13 hinter Hülkenberg und di Resta, aber vor Sergio Perez (Sauber), Daniel Ricciardo (Toro Rosso), Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) und Kamui Kobayashi (Sauber). Und wieder einmal ganz am Ende des Feldes liefen die drei jüngsten Teams im Starterfeld ein: Caterham, Marussia und HRT.

Heikki Kovalainen und Witali Petrow fuhren mit zwei Runden Rückstand auf die Ränge 18 und 19, Charles Pic blieb vor Glock und Pedro de la Rosa trug als 22. die rote Laterne über die Linie. Da fehlen zwei? Richtig: Schumacher hatte nach 58 Runden abgestellt und Narain Karthikeyan (HRT) war zwei Runden später ebenfalls ausgeschieden - nach Leitplanken-Kontakt im ersten Sektor.

Alonso bleibt der Chef im Ring

All dies konnte die Freude bei McLaren aber nicht trüben. "Es war ein großartiges Rennen", sagt Teamchef Martin Whitmarsh und lobt Hamilton für eine reife Vorstellung: "Er ist super gefahren und hat keine Fehler gemacht, hat sorgsam auf die Reifen geachtet. Fantastische Arbeit. Ich denke, wir hatten das schnellste Auto. Schnell genug, um die Linie als Erster zu überqueren", so Whitmarsh.

Auch Lotus-Oberhaupt Eric Boullier zeigt sich zufrieden, obwohl sich seine Jungs letztendlich die Zähne an Hamilton ausgebissen hatten. "Das sieht vielversprechend für die restliche Saison aus", meint der Franzose. "Kimi hat 15 Runden lang absolut gebrannt. Er gab alles und er gab niemals auf. Wir jagen aber natürlich noch immer dem ersten Sieg hinterher. Der muss jetzt bald kommen."

Sofern sich eine Gelegenheit dazu bietet, denn erst einmal verabschiedet sich die Formel 1 in ihre fünfwöchige Sommerpause und kehrt erst am 2. September mit dem Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps wieder in den Rennbetrieb zurück. Genug Zeit für McLaren, um den 178. Sieg zu feiern. Und auch Alonso dürfte mit einem zufriedenen Lächeln die Heimreise aus Budapest antreten.

Er hat nun 164 Punkte und führt die Weltmeisterschaft daher mit 40 Zählern Vorsprung (!) vor einem Viererpack um Webber (124), Vettel (122), Hamilton (117) und Räikkönen (116) an. "Wir gehen mit einem Vorsprung in die Sommerpause. Und davon sind auch wir ein wenig überrascht", meint Alonso. Formel-1-Experte Marc Surer ergänzt: "Fernando kann es sich im Urlaub richtig bequem machen."

Rosberg (77) ist als WM-Sechster bester Verfolger der Spitzengruppe, Schumacher (29) rangiert an Position zwölf. Hülkenberg (19) und Glock (0) ergänzen die deutschen Riege in der Gesamtwertung auf den Plätzen 16 und 21. In der Konstrukteurswertung hat Red Bull (246) die Nase vor McLaren (193), Lotus (192) und Ferrari (189). Den sechsten Platz hält vor der Sommerpause Mercedes (106).

Fotoquelle: xpbimages.com

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