Kimi Räikkönen zeigte auf dem Hungaroring ein weiteres starkes Rennen

Formel 1 2012

— 01.08.2012

Wendlinger: "Räikkönens Lebenswandel passt"

Viel Lob für Kimi Räikkönen: Während Karl Wendlinger dem Finnen den Titel zutraut, zeigt sich Martin Brundle von dessen Frust auf dem Siegespodest beeindruckt



Kimi Räikkönen ist dieses Jahr das "Dark Horse" im Kampf um den Titel. Der finnische Comeback-Star fährt nicht wie seine Rivalen für eines der Topteams der letzten Jahre - zudem wartet er nach wie vor auf seinen ersten Saisonsieg. Doch den Lotus-Piloten sollte man keinesfalls unterschätzen: In Ungarn feierte er seinen fünften Podestplatz in dieser Saison - nur WM-Leader Fernando Alonso liegt in dieser Rangliste vor ihm. Im WM-Klassement ist er zwar "nur" Fünfter, auf Platz zwei fehlen ihm aber bloß acht WM-Punkte.

Und wer nach wie vor nicht überzeugt ist, dass Räikkönen im Titelkampf eine Rolle spielen kann, dem sei ein Blick auf das Saisonfinale 2007 empfohlen, als der damalige Ferrari-Pilot trotz schwieriger Ausgangssituation die WM-Krone im letzten Rennen in Brasilien noch an sich riss und die beiden McLaren-Streithähne Lewis Hamilton und Alonso austrickste.

Wendlinger hat Räikkönen auf der Rechnung

Auch Ex-Formel-1-Pilot Karl Wendlinger zeigt sich von Räikkönens Comeback begeistert. "Er fährt auf einem sehr hohen Niveau", findet der Österreicher gegenüber 'ServusTV'. "Nach zwei Jahren Pause so ein Comeback zu geben, ist sensationell. Er hat sehr viele Podiumsplatzierungen. Er fährt sehr schnelle Rennen. Er fährt immer wieder um den Sieg mit."

Wendlinger rechnet damit, dass der Finne dieses Jahr noch siegen kann: "Ich glaube schon, dass er Rennen gewinnen kann. Ich glaube auch, dass er bis zum Ende der Saison bei vielen Rennen ganz vorn dabei sein wird." Daher ist auch der WM-Titel möglich - obwohl Räikkönen im Vergleich zu Hamilton nicht darüber spricht. "Er redet so wenig", weiß Wendlinger. "Er sagt es halt nicht. Ich glaube, bis einschließlich Räikkönen als Fünftplatzierter kann jeder noch um die WM mitfahren."

Für den Kufsteiner ist der Finne ein heißer Geheimtipp - auch die ständigen Stimmen, dass ihm sein Lebenswandel einen Strich durch die Rechnung machen könnte, hält er für überbewertet: "Kimi ist nicht umsonst Weltmeister gewesen und gilt nicht umsonst als eines der großen Fahrtalente im Motorsport. Der kann was. Früher hieß es, sein Lebensstil wäre nicht unbedingt der beste. Wer aber bei diesen Temperaturen in Ungarn bis zur letzten Runde fighten kann, muss eine gute Kondition haben, sonst geht das nicht. Sein Lebenswandel passt also, und er wird dieses Jahr noch großen Erfolg haben."

Stur, aber nicht demotiviert ...

Auch die Kritik, der 32-Jährige würde rasch an Motivation verlieren, wenn es nicht läuft, will Wendlinger nicht gelten lassen. Er sieht Räikkönen eher als Piloten, der stur seinen Weg geht: "Er schert sich nicht viel. Er macht genau das, was er machen will und wovon er glaubt, dass es richtig ist."

Er untermauert dies mit einer Beobachtung: "Es gab eine Szene im zweiten Freien Training zum Bahrain-Grand-Prix, als ihn das Team mit einem neuen Satz Reifen hinausschickte und sagte: 'Bleib noch fünf Runden draußen.' Daraufhin Kimi: 'Darauf habe ich keine Lust. Gebt mir alte Reifen, das ist mir lieber.' Das zeigt: Er macht genau das, was er will. Das ist okay, denn er hat Erfolg damit."

In Ungarn verspielte Räikkönen einen potenziellen Sieg möglicherweise in den ersten Runden, als er hinter WM-Leader Alonso zurückfiel, der ihn zunächst etwas bremste. Wendlinger glaubt aber, dass Sieger Hamilton auf dem Hungaroring noch Reserven gehabt hätte: "Auch wenn Kimi den Platz am Start nicht verloren hätte, hätte Lewis darauf reagiert und trotzdem den nötigen Abstand herausgefahren."

Wendlinger: Manöver gegen Grosjean nicht unfair

Immerhin setzte er sich aber gegen seinen starken Teamkollegen Romain Grosjean durch. Mit einigen schnellen Runden vor dem zweiten Stopp holte er das nötige Polster heraus, um schließlich vorne zu bleiben, auch wenn er mit einem harten Manöver in der ersten Kurve etwas nachhelfen musste.

Doch Wendlinger findet, dass sich Räikkönen dabei durchaus fair verhielt: "Ich finde, genau das ist Motorsport. Es war nicht zu hart. Es war fair. Sie haben sich nicht berührt. Er bremst natürlich spät in die Kurve rein und lässt Grosjean keinen Platz. Er weiß ganz genau: Außen kann Grosjean nicht beschleunigen und damit ist er vorbei. Das Manöver war sensationell, aber speziell die letzten Runden vor dem zweiten Boxenstopp waren sensationell. Da war er mit alten Reifen absolut der Schnellste im Feld. Er hat sich den zweiten Platz absolut verdient."

Brundle von Räikkönens Frust beeindruckt

Doch genau damit haderte Räikkönen nach dem Rennen - der Finne wäre zu gerne endlich auf dem obersten Siegespodest gestanden. Ex-Formel-1-Pilot Martin Brundle fällt gegenüber 'Sky Sports F1' auf: "Auf dem Podest machte er ein Gesicht wie an einem verregneten Montagmorgen, da er einem weiteren Sieg nachtrauerte, der ihm durch die Lappen gegangen war."

Brundle sieht dies als Beweis für die Motivation des "Iceman": "Es beeindruckt mich sehr, dass es für ihn so schmerzhaft ist, obwohl er in jeder Hinsicht ein sehr erfolgreiches Comeback feiert." Abgesehen von seiner tollen Podestserie fällt dem Briten auf, dass er "in den Rennen von seinen Startplätzen insgesamt 32 Positionen gutgemacht hat".

Fotoquelle: Lotus

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