Am Sonntag in Ungarn verabschiedete sich das Fahrerlager in die Sommerpause

Formel 1 2012

— 02.08.2012

Sommerpause: McLaren mit unterschiedlicher Strategie

im Fahrerlager freut man sich über die Sommerpause, dennoch nutzen die Teams die Pause ganz unterschiedlich: McLaren schließt die Fabrik früher, Caterham zieht um



Die Mitglieder des Formel-1-Trosses werden von Jahr zu Jahr mehr an ihre Grenzen getrieben. Während in den 1990er-Jahren noch rund 17 Rennen gefahren wurden, sind es dieser Tage bereits 20. Die Saison beginnt im März und endet Ende November. Doch das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone denkt bereits über eine Ausweitung des Kalenders auf rund 25 WM-Läufe nach.

Damit die Mechaniker zumindest irgendwann die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen und Urlaub zu nehmen, wurde vor einigen Jahren die Sommerpause eingeführt. Von Ende Juli bis Anfang September findet dieses Jahr kein Grand Prix statt - die Fabriken müssen in diesem Zeitraum zumindest zwei Wochen lang geschlossen sein, den genauen Zeitraum dürfen sich die Teams selber aussuchen.

McLaren tanzt beim Timing aus der Reihe

Diesbezüglich setzen die Rennställe auf durchaus unterschiedliche Herangehensweisen: McLaren schloss die Fabrik als eines von wenigen Teams bereits am Rennsonntag in Ungarn. "Die meisten Teams sperren erst eine Woche später zu", weiß Teamchef Martin Whitmarsh. "Ich habe einige gefragt, warum sie das machen, und auch meine eigenen Leute, ob wir es richtig machen."

Whitmarsh erklärt seinen Gedankengang: "Unsere Logik ist, dass es zwei oder drei Tage dauert, die Autos von Budapest in die Fabrik zu transportieren. Das sind dann zwei oder drei Tage während der Stilllegung, also verschwenden wir keine Zeit. Das maximiert auch die Zeit nach der Stilllegung, um mehr Performance für das Rennen danach, Spa, zu finden."

McLaren schließt auch Serienzweig

McLaren ist in Sachen Fabrikschließung konsequent - auch die Produktion der Serienfahrzeuge wird unterbrochen. "Wir schließen im gleichen Zeitraum auch unseren Automotiv-Betrieb, obwohl wir das gar nicht müssten", bestätigt der Teamchef. "Ich weiß nicht, ob Ferrari seinen Automotiv-Bereich auch schließt, aber ich habe keine Probleme mit ihren eingereichten Angaben. Sie sagen mir, dass die Formel-1-Seite geschlossen wird. Ich fühle mich nicht dazu verpflichtet. Es ist eher fast zufällig, dass wir es tun."

Die Teams sind dazu verpflichtet, nicht nur das Rennteam in die Ferien zu schicken, sondern alle Mitarbeiter, die in den Bau, die Produktion und das Design des Autos eingebunden sind. Das gilt auch für Zulieferfirmen, sonst könnten Teams wie HRT, Toro Rosso oder auch Force India, die großteils auf externe Produktionsfirmen bauen, trotz Sommerpause arbeiten.

Sommerpause als Bestandteil der RRA-Vereinbarung

Doch wie wird die Sommerpause kontrolliert? Whitmarsh erklärt das Prozedere: "Wir sind wie alle Teams verpflichtet, das Datum der Schließung bekannt zu geben, was wir getan haben. Das war Bestandteil der ursprünglichen RRA-Vereinbarung. Alle Teams haben die Daten bekannt gegeben und an ihre Lieferanten geschrieben, dass die in der Zeit auch nicht für sie arbeiten. Am Ende müssen wir eine Stellungnahme abgeben, dass wir in jenem Zeitraum nicht gearbeitet haben."

Doch auch in diesem Bereich gibt es Ausnahmen, die es Teams erlauben würden, in der Sommerpause doch Hand an ihren Boliden anzulegen. Wäre bei einem Zwischenfall in Ungarn ein Bolide schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, dann hätte ein verkleinertes Team am Auto arbeiten dürfen, um sicherzustellen, dass das Auto rechtzeitig für Belgien wieder einsatzbereit ist.

Batterien werden endlich aufgeladen

Während McLaren also gleich die erste Woche zur Fabrikschließung nutzt, setzt Konkurrent Red Bull auf eine andere Herangehensweise. "Wir möchten die Woche vor der verpflichtenden Sommerpause gut nutzen", sagt Christian Horner. "Dann haben alle in der Fabrik die gute Gelegenheit, ihre Batterien vor diesen verrückten drei Monaten aufzuladen."

Auch Weltmeister Sebastian Vettel ist bewusst, dass dies nun notwendig ist: Der Red-Bull-Pilot hat es auch diese Saison nicht geschafft, im Juli einen Grand Prix zu gewinnen. Er spürt die enorme Beanspruchung bereits: "Die Saison ist lang. Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten haben wir eine der längsten Saisons. Auch wenn man manchmal weitermachen möchte, denke ich, dass man manchmal eine Pause braucht, daher ist es wichtig, sie zu nutzen."

Hamilton freut sich für Teammitglieder

Für Ungarn-Sieger Lewis Hamilton bietet sich eine zweischneidige Situation: Einerseits hätte der Erfolg der Auftakt einer Siegesserie sein können, die nun unterbrochen ist, andererseits darf er sich fast einen Monat lang über seinen Triumph auf dem Hungaroring freuen.

Doch Hamilton denkt bei der Sommerpause vor allem an die McLaren-Mitarbeiter: "Es ist am Wichtigsten für das Team. Es reist pausenlos, und sie arbeiten unglaublich lange. Die Zeit mit der Familie ist am Wichtigsten, und sie sind ständig weit weg von ihren Familien - daher ist es eine wichtige Zeit für sie, um wegzukommen, sich zu entspannen, sich zu erfrischen und sich für die zweite Saisonhälfte bereit zu machen, die am Intensivsten sein wird."

Auch Schumacher pro Sommerpause

Sogar Michael Schumacher, dem seit jeher der Ruf eines akribischen Arbeiters anhaftet, freut sich auf die Pause: "Jeder hat seine Familie, jeder hat seine Nächsten, die er natürlich gerne sehen möchte, und braucht auch einfach diese Ruhephase um sich wieder zu erholen, um wieder frische Energie zu haben. Das geht uns allen so. Wir können auch nicht das ganze Jahr durcharbeiten und dann immer wieder frisch sein."

Er führt dies auch auf die extremen Anforderungen in der "Königsklasse" des Motorsports zurück: "Gerade in der Formel 1 geht es um so viele kleine Nuancen, da braucht man immer wieder frischen Wind, neue Ideen und sehr viel Input." Da sei es auch "richtig", dass die Ingenieure im Sommer nicht arbeiten.

Caterham zieht um

Doch ein Team steht im August trotz Pause unter besonderem Stress: Caterham. Die Truppe von Tony Fernandes möchte den lange geplanten Umzug von Norfolk nach Leafield, wo früher Arrows und Super Aguri ihren Sitz hatten, über die Bühne bringen. Darin eingeschlossen ist auch das GP2-Team von Caterham - es geht um rund 200 Mitarbeiter.

"Realistisch gesehen wird es nicht ganz glatt laufen", hatte Technikchef Mike Gascoyne vor einigen Monaten in der Planungsphase gegenüber 'Autosport' gesagt. Dennoch befand er die Sommerpause für den Umzug als optimal, denn danach möchte das Team mit der Konstruktion des neuen Boliden beginnen. "Es ist die Idee, dass wir ein Auto abschließen und mit dem anderen anfangen", so Gascoyne. "Hoffentlich geht es sich aus, dass die Leute nach der zweiwöchigen Pause zurückkommen und das Designbüro ist bereits voll ausgerüstet und einsatzbereit."

Fotoquelle: Nimmervoll/SMS Group

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