Deutschlands große Hoffnungen: Sebastian Vettel und Nico Rosberg

Formel 1 2012

— 07.08.2012

Vettel & Rosberg: Zwischen Freundschaft und Rivalität

Zwei Karrieren - Vom Schicksal verbunden: Wann Rosberg Vettels Speed erkannte, warum Neid kein Thema ist und ob sie Teamkollegen werden könnten



Der eine ist Sohn eines Formel-1-Champions und wuchs im mondänen Monaco auf. Der andere stammt aus einfachen Verhältnissen - sein Vater ist Zimmermann. Und dennoch haben die Karrieren von Nico Rosberg und Sebastian Vettel viele Parallelen und Kreuzungen. Beide sind Hessen und ihre Heimatorte Wiesbaden und Heppenheim liegen nur 57 Kilometer voneinander entfernt.

Und Rosberg war dabei, als für Vettel das Abenteuer Formelsport begann. Damals, am 13. Juni 2001 - vor der malerischen Alpenkulisse in Spielberg in Österreich. Der Weltmeisterspross fuhr bereits Formel BMW, Vettel war hingegen ein von Red Bull unterstütztes Kart-Talent, dem viele das gewisse Etwas attestierten.

Der A1-Ring-Test: Vettel beeindruckt Rosberg

Auch an jenem Mittwoch, an dem die beiden auf dem A1-Ring testeten. "Das war so ein Tag, da kam ich mit dem Auto überhaupt nicht zurecht", erinnert sich Rosberg gegenüber 'Autobild motorsport' . "Und er war draußen und fuhr richtige Hammer-Rundenzeiten. Mein Ingenieur stand an der Strecke und sagte dann immer: 'Das musst du dir ankucken - der fährt Kurve eins so, da musst du versuchen, das auch so zu machen.' Das war ein ganz schlechter Tag von mir - da kann ich mich dran erinnern."

Dazu kam, dass Vettel damals zu klein war für den Formel-BMW-Boliden: Der 13-Jährige, der im Wohnmobil mit Vater und Schwester angereist war, rutschte in seinem Schalensitz hin und her, ließ sich das auf der Strecke aber nicht anmerken. Für den Youngster war Rosberg aufgrund seines klingenden Namens freilich schon damals ein Begriff - bis heute gilt der zweifache Weltmeister als einer der Piloten, die sich stets für die Historie des Sports interessierten.

Der erste Kontakt

Daher weiß Vettel, dass der 13. Juni 2001 nicht das erste Aufeinandertreffen der langjährigen Weggefährten war. "Ich hatte Nico schon davor im Kart gesehen", blickt er gegenüber 'Autobild motorsport' zurück. "Er kannte mich damals noch nicht. Jeder kannte ihn, weil das ist ja naheliegend - mit dem Namen. 2001 fuhr er Kart-WM, und der letzte Lauf war in Kerpen, als der Michael sogar mitfuhr. Nico ist dort auch gefahren, und da hab ich ihn zum ersten Mal richtig fahren sehen."

Während Rosberg damals seinem Vater nacheiferte, war Vettel ein klassisches Kind des von Michael Schumacher ausgelösten Kartbooms in Deutschland. Im Kinderzimmer hing damals ein Poster des Weltmeisters. "Ich bin damals mit dem Michael aufgewachsen", bestätigt er die wichtige Rolle des damaligen Idols. "Alle Kinder in meinem Alter waren Riesenfans, und der Michael war unser Held. Er hat es aus Deutschland, aus Kerpen, mehr oder weniger von der gleichen Kartbahn in die Formel 1 geschafft und die Weltmeisterschaft gewonnen. Das war natürlich unglaublich."

"Da eine Nähe zu haben, als Acht- oder Zehnjähriger zu sagen, ich bin schon mal auf der gleichen Kartbahn gefahren, und er hat mir die Hand geschüttelt, das war natürlich das Allergrößte", bestätigt er, dass "Schumi" eine Zeitlang seine Träume bestimmte. "Die Poster von meinem Jugendidol waren in meiner Jugend an der Wand. Wenn man 13 oder 14 wird, hat man dann aber andere Interessen und hängt sich dann vielleicht andere Sachen an die Wand."

Im Namen des Vaters

Bei Rosberg war es hingegen die Atmosphäre der DTM-Rennen, wo sein Vater seine Karriere ausklingen ließ, die den Motorsport-Virus in ihm weckte. "Da sagte ich, das will ich auch!", trag er damals die Entscheidung, die sein Leben prägen sollte. Dass Keke Rosberg das Motorsport-Umfeld perfekt kannte, war da natürlich kein Nachteil: "Er hat mir auf meinem Weg immer sehr geholfen. Er konnte mir immer sehr gute Tipps geben, und deswegen bin ich ihm da sehr dankbar."

Norbert Vettel fuhr zwar ebenfalls Bergrallyes, mit einem entsprechenden Netzwerk konnte er seinen Sohn aber nie unterstützen. Dennoch hatte Sebastian Vettel nie den Eindruck, dass es sein Weggefährte leichter hatte, in der Karriereleiter nach oben zu klettern: "Klar war Nico aufgrund seines Namens bekannt, aber wären Erfolg und Leistungen nicht dagewesen, wäre er nie soweit gekommen. Ich denke also, dass er so viel erreicht hat, weil er sich das selbst geschaffen hat - nicht, weil der Name vielleicht irgendwelche Türen geöffnet hat, und das dadurch supereinfach war. Der Name mag einem vielleicht hier ein bisschen helfen, aber da auch wieder eine große Belastung sein."

Und so kämpfte sich jeder auf seine Weise durch die Nachwuchsklassen - mit Erfolgsläufen, aber auch mit Widerständen. Rosberg wurde 2002 im Team seines Vaters Meister in der Formel BMW, in der Formel-3-Euroserie konnte er aber nur selten auftrumpfen, ehe er 2005 mit dem GP2-Titel seine Formel-1-Reife bewies. Bei Vettel ging es in der Formel BMW 2003 mit Platz zwei stark los - im Jahr darauf wurde er mit 18 Siegen in 20 Rennen überlegen Champion und stellte einen Rekord auf. Doch auch er blieb in der Formel-3-Euroserie ohne Titelerfolg unter den Erwartungen.

Erster Formel-1-Test: Vettel fragt Rosberg um Rat

In beiden Karrieren spielte aber die Unterstützung von BMW eine große Rolle: Rosberg durfte bereits 2003 als 17-Jähriger erstmals hinter das Steuer des von einem BMW-Aggregat befeuerten Williams-Boliden. Vettel saß zwei Jahre später in Jerez ebenfalls im Williams-BMW - für beide ein Meilenstein in der Karriere, der die Grenzen neu definierte.

"Man steigt ein, und nach ein paar Runde war bei mir wegen des Nackens erst mal Schluss", erinnert sich Vettel an den Schock. "Man kommt dann rein und versucht, sich nichts anmerken zu lassen, obwohl einem der Hals wegbrennt." Dabei war der Heppenheimer vorgewarnt, schließlich unterhielt er sich mit Rosberg im Vorfeld des Tests, um so gut wie möglich vorbereitet zu sein.

Formel 1 für beide ein Schock

"Natürlich redet man vorher darüber, wie es war, aber letztendlich kann man viel fragen, und dennoch ist der erste Eindruck unglaublich", weiß er heute, dass schließlich nur die Erfahrung zählt. "Wenn man das erste Mal aufs Gas tritt, kriegt man einen Schock. Wenn man das erste Mal die Bremse tritt, dann sowieso. Man fährt in die Kurve rein und hält den Kopf. Man denkt, es geht sich aus - und dann: Bumm - man hat keine Chance."

Vettel schildert die Erlebnisse im Detail: "Vor dem ersten Mal Bremsen wollte ich wissen, was die Kiste hergibt, trat auf die Bremse und hing in den Gurten. Ich konnte meinen Kopf nicht mehr halten. Man kommt sich wirklich blöd vor. Man weiß, man kann später bremsen und man will es tun, aber dann sieht man nur die Gurte, dabei sollte man schon die Strecke sehen."

Rosberg hatte zwei Jahre davor eine ähnliche Erfahrung gemacht: "Das war Wahnsinn. Ich hätte von meinen Fähigkeiten schneller fahren können, aber der Körper hat es nicht hergegeben. Barcelona, Kurve drei, die schnelle Ecke - da bin ich dann irgendwann am Ende im Cockpit versunken und konnte nicht mehr sehen, wo ich hinfahre."

Ungleiche Entwicklung in der Formel 1

Während es Rosberg mit Williams 2006 ein Jahr vor Vettel zu einem Formel-1-Stammcockpit brachte, überholte dieser seinen Weggefährten rasch in Sachen Erfolg. Heute ist der Red-Bull-Pilot zweifacher Weltmeister und 22-facher Grand-Prix-Sieger, während Rosberg erst diese Saison in Schanghai seinen ersten Sieg in der Königsklasse feierte . Dennoch hat sich der Mercedes-Pilot mit seiner tollen Bilanz gegen Rekordweltmeister Schumacher einen Namen gemacht.

Laut eigenen Angaben beneidete Rosberg Vettel nie um dessen großen Erfolg: "Auf gar keinen Fall - null. Erstens habe ich mich mit Sebastian nicht verglichen, und zweitens sah ich nur meine Situation und hatte die gewisse Geduld, dass meine Zeit auch kommen wird. Man muss Geduld haben, bis man auch das Auto dafür hat. Bei Sebastian war es früher soweit, und er hat natürlich auch Hammer-Leistungen gebracht und das alles verdient."

Irgendwann mal Teamkollegen?

Vettel, der immer wieder mit Ferrari flirtet, beneidet seinen Landsmann allerdings ein bisschen darum, für ein Traditionsteam zu fahren: "Wenn man die Geschichte sieht, ist Ferrari am längsten dabei und Mercedes auf eine andere Art und Weise genauso lange dabei. Das sind die zwei Marken mit der größten Historie in der Formel 1 - sie sind deswegen natürlich sehr reizvoll. In einem Silberpfeil zu fahren, ist etwas ganz Besonderes - sich dann mit großen Rennfahrern wie Fangio auf einer Liste zu sehen."

Apropos - wäre es nicht ein krönender Abschluss des gemeinsamen Werdegangs, irgendwann für das gleiche Team an den Start zu gehen? "Auf jeden Fall!", findet Rosberg. "Wäre doch mal witzig, irgendwann einmal." Dennoch will er nicht ausschließen, dass diese Situation für die Freundschaft der beiden nicht gerade zuträglich wäre: "Ob man dann anders mit dem anderen umgeht, wenn man Teamkollege ist? Ja, denke ich schon. Das ist dann der Wettkampf umso größer - das wäre schon noch einmal anders."

Vettel ist aber bewusst, dass das Scheinwerferlicht und der Sport eine wirkliche Freundschaft ohnedies nur schwer möglich machen: "Würde ich jetzt zu Nico sagen, geben wir uns heute Abend die Kante oder gehen wir einen trinken und lassen es richtig krachen, dann ist die Gefahr groß, dass dann irgendein Eumel dasteht und mit dem Handy ein Foto macht. Am nächsten Tag fahr ich dann vielleicht noch in die Wall of Champions, und Nico hat einen schlechten Tag, und dann heißt es: Kuck mal, die zwei nehmen ihren Job nicht ernst. Und die nächsten zwei Wochen wird dann nur darüber geschrieben, was sie alles in den drei Stunden verkehrt gemacht haben, in denen sie vielleicht am Abend eine schöne Zeit hatten."

Fotoquelle: xpbimages.com

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