Traumhafte Kulisse: Das Rennen in New Jersey soll alles in den Schatten stellen

Formel 1 2012

— 10.08.2012

Hindery: "Darauf hat Bernie 40 Jahre lang gewartet"

Warum New-Jersey-Promoter Leo Hindery Montreal als Vorbild sieht, wie er Monaco in den Schatten stellen will und wieso er das Rennen als einwöchigen Event sieht



Schon in der kommenden Saison soll der Traum von Bernie Ecclestone erstmals in Erfüllung gehen - ein Grand Prix vor der Skyline Manhattans. Geht es nach Promoter Leo Hindery, dann steht die Austragung 2013 völlig außer Zweifel - der Formel-1-Boss hatte aber zuletzt mit einer Verschiebung auf 2014 gedroht, weil man zu wenig auf seine Wünsche einginge. Damit spielte er vermutlich auf die offenbar noch nicht bezahlte Veranstaltergebühr an - die Schonfrist dürfte aber noch bis September laufen.

Läuft alles nach Plan, dann dürfte der erste Grand Prix auf dem von Hermann Tilke designten Stadtkurs direkt nach Kanada stattfinden - eine Art Nordamerika-Tour der "Königsklasse" des Motorsports. "Das Rennen wird vermutlich in der dritten Juni-Woche stattfinden, im Anschluss an das Montreal-Wochenende", bestätigt Promoter Hindery gegenüber 'Performance Motorsports Network'.

Promoter Hindery will Montreal-Zuschauer locken

Das habe laut dem ehemaligen Hobby-Rennfahrer und Medienunternehmer nicht nur für die Teams logistische Vorteile, sondern biete auch für die Zuschauer Synergien: "Wir rechnen damit, dass viele Menschen, die seit Jahren oben in Montreal das Rennen besuchen, dann herunter zu unserem Rennen kommen. Das gibt für alle ein schönes Paket ab."

Doch wie kam es dazu, dass der umtriebige Geschäftsmann, Autor und politische Aktivist, der als wirtschaftlicher Berater für US-Präsident Barack Obama arbeitet, ein Formel-1-Rennen vor New York auf die Beine stellt? Der 64-Jährige, der mit dem YES-Network für die TV-Übertragungen des Baseballklubs New York Yankees verantwortlich zeichnet, wurde schon vor einiger Zeit mit dem Motorsportvirus infiziert.

Wie Hindery zum Motorsport kam

Seine Ehefrau ist Patti Wheeler, Präsidentin und Gründerin von Wheeler Television, einer TV-Produktionsfirma, die sich auf Motorsport-Übertragungen spezialisiert hat. Er selbst schreckte nicht davor zurück, sich mit über 40 Jahren selbst hinters Steuer zu setzen. Und das durchaus erfolgreich: Der Gentleman-Driver gewann 2005 in einem Porsche 911 GT3 RSR gemeinsam mit Mike Rockenfeller und Marc Lieb die GT2-Klasse der 24 Stunden von Le Mans - zwei Jahre davor wurde er Zweiter.

"Das Rennfahren macht mir sehr viel Spaß", spricht er über seine Leidenschaft. "Ich bezeichne es immer als die größte Midlife-Crisis, die es gibt." Alles begann, als er NASCAR-Rekordsieger Richard Petty und dessen Sohn Kyle kennenlernte. "Sie hatten den Mut, mir zu lehren, wie man Stockcars fährt", erklärt er.

"Das machte ich einige Jahre lang und hatte einen ziemlich wilden Unfall auf dem Charlotte Motor Speedway. Ich musste also eine Weile pausieren und wechselte zu den Sportwagen. Dann fuhr ich in der Le-Mans-Serie, Grand-Am und in Le Mans. Ich hatte ein wunderbares Umfeld und tolle Teamkollegen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht." Nachsatz: "Und so lernte ich Bernie Ecclestone kennen."

Ecclestone musste 40 Jahre warten

Als er dann die verwegene Idee hatte, in New Jersey einen Grand Prix auszutragen, war der Formel-1-Boss rasch Feuer und Flamme. Kein Wunder, wie Hindery inzwischen weiß: "Bernie hat zu mir vor einigen Tagen gesagt, dass er in diese Region und in diesen Markt seit 40 Jahren eindringen wollte."

Man beauftragte Ecclestones Haus- und Hof-Streckenarchitekt Hermann Tilke mit der Planung einer Strecke. Die Rückmeldungen sind bisher äußerst positiv. "Er hat da eine Strecke geschaffen, über die Sebastian Vettel bei seinem Besuch gesagt hat, dass sie sich wie Spa fahren würde und wie Monte Carlo aussieht", freut sich der Promoter und reibt sich die Hände. "Das ist das Resultat, auf das Herr Ecclestone gehofft hatte." Beim Bau des Kurses setzt man auf die Dienste des Unternehmens Roseland Property - der Kurs wurde durch die FIA bereits abgesegnet.

Besser als Monaco?

"Wir haben viele Höhenunterschiede - 160 Fuß (49 Meter, Anm.) und erreichen an zwei Stellen der Strecke die höchste Geschwindigkeit der gesamten Rennserie", schwärmt Hindery. "Die Ingenieure werden da wirklich gefordert. Das macht es für mich als ehemaliger Rennfahrer so aufregend."

Aus diesem Grund hält er es für besonders wichtig, dass die Strecke spannende Rennen zulässt - und kann sich einen Seitenhieb auf den Grand Prix von Monaco nicht verkneifen: "Das glamouröseste Umfeld bietet nicht immer die besten Rennen. Die Autos werden nie langsamer, denn die Technologie befindet sich in ständigem Fortschritt. Aus diesem Grund lieben wir ja die Formel 1. Aber es gibt kaum Strecken, die breit sind, viele Überholmöglichkeiten und Höhenunterschiede bieten - dazu noch viele Kurven, also alles auf einmal."

Logistik: Montreal als Vorbild

Die Organisation stellt sich für den 64-Jährigen als enorme Herausforderung dar, schließlich verfügt der Medienprofi über kaum Erfahrungen beim Management von Großveranstaltungen. "Ich hatte damit nie viel zu tun, denn ich hatte eine Businesskarriere im Medienbereich", bestätigt er. "Hier haben wir 31 unterschiedliche Lieferanten und Vertragspartner. Wir müssen die Logistik bereitstellen, um 110.000 Menschen zu einem Schauplatz bringen, der sieben Minuten vom Zentrum von Manhattan entfernt ist."

Mittels Fährschiffen und öffentlichen Verkehrsmitteln soll dies geschehen. Hindery spricht von der "kürzesten Schiffsverbindung der Welt". Er gibt zu, dass man sich bei der Logistik vom Rennen in Montreal inspirieren hat lassen: In diesem Fall fühlen wir uns privilegiert, dass wir Montreal nachahmen dürfen, wo die Fans mit öffentlichen Verkehrsmitteln seit vielen Jahren zum Rennen gelangen. Dieses Rennen ist sehr zugänglich für die Fans, und dieser Sache haben auch wir uns verschrieben. Wir wollen nicht, dass die Menschen in ihren Autos im Stau stehen, wenn sie zu einer so außergewöhnlichen Veranstaltung fahren."

Keine öffentlichen Gelder

Zudem legt er großen Wert auf die Betonung, dass man für die Veranstaltung des Rennens keine öffentlichen Gelder in Anspruch nimmt: "Wir haben uns dieser Sache trotz schwieriger Wirtschaftslage verschrieben, und Steuerzahler und Fans sollten nicht zu einem gewerblichen Unternehmen, um das es sich hier handelt, beitragen müssen. Wir haben viel Unterstützung vom Gouverneur und von den zwei Bürgermeistern erfahren, nehmen aber keine öffentlichen Gelder jeglicher Art in Anspruch. Wir wollen einen Betrag in Höhe von rund 100 Millionen Dollar für die Gemeinden erwirtschaften."

Die Lage des Grand-Prix-Kurses sieht Hindery als große Stärke des Projekts. Aus diesem Grund ist er über das Rahmenprogramm des Rennen auch nicht sonderlich besorgt. "Wir werden Rahmenrennen wie bei jedem Formel-1-Grand-Prix haben, aber darüber sprechen wir erst mit den Jungs in London. Das ist aber der letzte Punkt, der in dieser Woche eine Rolle spielt."

New York bietet perfektes Umfeld

Im Gegensatz zu anderen Rennen möchte er den Grand Prix in New Jersey nämlich als einwöchigen Event verstehen. "Am Montag werden wir zehntausende Menschen in dieser Region willkommen heißen, wir wollen ihnen die Lebensfreude und die Unterhaltungsschauplätze, die die Region um New York so sehr auszeichnen, zeigen", erklärt er seine Herangehensweise.

Er setzt auf die enorme Vielfalt: "Direkt angrenzend gibt es eine wunderbare Gemeinde namens Hoboken - ein toller Ort, wo viele junge Menschen mit ihren Familien leben. Dort gibt es viele Restaurants, außerdem handelt es sich um Frank Sinatras Heimatstadt. Diese Stadt wird sich wie ein Jahrmarkt öffnen - mit Restaurant, wo man einen Cocktail oder ein Bier trinken kann. Andere Menschen werden sich das Metropolitan-Museum ansehen. Man muss respektieren, dass nicht jeder Fan die gleichen Interessen hat. Alle wollen ein tolles Rennen sehen, aber nicht unbedingt eine Woche lang auf die gleiche Art und Weise unterhalten werden."

Fotoquelle: InterMedia Partners

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