Williams peilt mit seinem Team in der zweiten Hälfte einen weiteren Sieg an

Formel 1 2012

— 08.08.2012

Williams verteidigt Maldonado: "Kein gefährlicher Fahrer"

Welches Ziel Frank Williams für die zweite Saisonhälfte hat, warum er Pastor Maldonado verteidigt und wieso Valtteri Bottas im Team so hoch eingeschätzt wird



Beim Grand Prix von Spanien war allen klar: Williams ist das Aufsteigerteam der Saison. Wie durch ein Wunder gewann Pastor Maldonado das erste Rennen nach Frank Williams 70. Geburtstag. Schon in den Rennen davor hatte sich gezeigt, dass der FW34 viel Potenzial hat und nach der miserablen Saison 2011 einen enormen Schritt vorwärts darstellt.

Doch inzwischen ist die Ephorie verflogen, und leichter Frust macht sich beim britischen Traditionsteam breit. Der Grund: Seit dem Barcelona-Triumph holte Maldonado keinen einzigen WM-Punkt mehr, ließ aber dafür kein Fettnäpfchen aus. Teamkollege Bruno Senna fuhr zwar konstanter, schwächelte aber bis zum Grand Prix von Ungarn stets im Qualifying und brachte sich somit um gute Rennergebnisse.

Kein Wunder, dass Teamchef Williams daher bei Halbzeit ein ambivalentes Fazit zieht. "Wir müssen es besser hinkriegen", fordert er im Gespräch mit dem britischen Formel-1-Reporter James Allen. "Die Leute um mich herum sind sehr gut. Wenn wir jetzt auch Probleme haben, dann werden wir auf jeden Fall gestärkt daraus hervorgehen - und wenn nicht diese Saison, dann eben nächste Saison. Wir haben sehr viel Wissen, sehr viel Erfahrung, sehr gutes Equipment - Windkanal und so weiter -, und es gibt keine Entschuldigungen. Wir brennen darauf!" Nichts anderes als ein zweiter Sieg sei das Ziel für die zweite Saisonhälfte: "Wir sind davon überzeugt, dass wir es schaffen können."

Williams kritisiert hartes Vorgehen gegen Maldonado

Wenn jemand als Schuldiger für die schwache Bilanz der letzten Rennen herhalten muss, dann ist es meist Maldonado, der laut einhelliger Meinung zu wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Im Gegensatz zu Teamkollegen Senna bewies er mit tollen Rundenzeiten in Trainings, Qualifyings und Rennen dieses Jahr regelmäßig seinen Speed, doch nur bei zwei Rennen landete er in den Punkterängen - deutlich öfter wurde er zu den Rennkommissaren zitiert und fasste für umstrittene Manöver saftige Strafen aus.

"Er geht manchmal etwas über die Grenze, aber er ist kein unkontrollierter Fahrer, er ist kein gefährlicher Fahrer", nimmt Williams den Venezolaner, der dem Team pro Jahr rund 30 Millionen Pfund Mitgift bringt, in Schutz. "Er ist sehr konkurrenzfähig, und ein oder zwei seiner Überholmanöver stimmten nicht mit dem sauberen Stil, den ein oder zwei Rennkommissare erwarten, überein."

Er warnt davor, dass das harte Vorgehen gegen Maldonado auch andere Piloten dazu bringen könnte, in Zukunft keine Überholmanöver mehr zu riskieren: "Wir müssen vorsichtig sein, denn wir dürfen Überholmanöver nicht verhindern - es muss sauber und sicher gemacht durchgeführt werden, aber wenn jemand etwas kluges und aufregendes probiert, dann sollte man ihn das tun lassen. So sollte es sein."

Maldonado ärgert Kritik

Maldonado selbst wehrt sich gegen den Vorwurf, durch unnötige Aktionen zu viele Punkte in den Sand zu setzen. "Das sind normale Fehler", sagt er gegenüber 'GP Week'. "Anderen Fahrern ist in der Vergangenheit das Gleiche passiert." Die ständigen Fragen der Presse gehen ihm merkbar auf die Nerven: "Vor meinem Sieg interessierte sich niemand für mich, jetzt sind alle hier. Ich habe ein paar Fehler gemacht, das stimmt. Wie immer werde ich mein Bestes geben. Manchmal ist es nicht so aufgegangen, wie ich es erwartet hatte, aber das Wichtigste ist, dass wir sehr schnell sind - das müssen wir beibehalten."

In der zweiten Saisonhälfte will er sich dennoch aus Zwischenfällen heraushalten: "Wir müssen uns wieder fangen, alles hinkriegen - das ist uns bei den vergangenen Rennen nicht gelungen. Wir müssen aus unseren Fehler lernen."

Auch wenn sich der Williams-Pilot nach außen oft kritikresistent gibt, behauptet Teamchef Williams, dass Maldonado durchaus "bewusst ist", dass er seine Fehlerquote verringern muss: "Er muss etwas abkühlen und wieder sein Momentum finden, damit er wieder Punkte holt. Er ist gescheit genug, um das hinzukriegen. Er wird es schaffen. Er ist mit seiner Leistung unglücklich, und es enttäuscht ihn, dass er keine Punkte holt. Wir hoffen, dass er das berichtigen wird."

Williams: Lob für Senna und Bottas

Bei Senna gibt der letzte Grand Prix vor der Sommerpause in Ungarn Hoffnung, dass der Brasilianer seine schwache Qualifying-Form endlich abgeschüttelt hat: Auf dem Hungaroring startete er als Neunter immerhin in den Top 10 und wurde schließlich guter Siebter. "Er fuhr stark und machte glaube ich überhaupt keinen Fehler. Das hat mich sehr ermutigt", lobt Williams seinen Schützling.

Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Neffe des ehemaligen Williams-Piloten Ayrton Senna die Kurve kratzen wird: "Ich denke, dass er in der Formel 1 jetzt erwachsen wird. Er bewältigte seine Arbeit wirklich gut, und wir mussten ihn von der Box aus etwas anspornen. Er ist sehr intelligent, und ich glaube, dass er das alles selber gut hinkriegen wird."

Als Ansporn könnte auch der lauernde Ersatzpilot Valtteri Bottas dienen. Der Finne sitzt dieses Jahr regelmäßig im ersten Training am Freitag im Williams und wird vom Team an eine Formel-1-Karriere herangeführt. Zudem ist Mitbesitzer Toto Wolff einer seiner Manager. "Er wird ihm Team sehr hoch eingeschätzt", verrät Williams. "Er scheint ein Naturtalent zu sein, das nicht zu viel redet. Er hat also eine sehr gute Chance." Über einen möglichen Renneinsatz will Williams aber "keine Prognosen abgeben".

Fotoquelle: xpbimages.com

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