Gerold Pankl erläutert das breite Tätigkeitsfeld des Unternehmens

Formel 1 2012

— 20.08.2012

Pankl: Seit zwölf Jahren Zulieferer Nummer 1

Die österreichische Firma Pankl beliefert sämtliche Formel-1-Teams mit Motoren- und Chassis-Bauteilen. Wir sprachen mit Gerold Pankl



Die Firma Pankl wurde binnen zwölf Jahren zur Nummer 1 der Zulieferfirmen in der Formel 1 - sämtliche Teams sind Kunden des Unternehmens aus der Steiermark. Im Rahmen eines Vortrages über steirisches Knowhow in der Königsklasse nahm sich Aufsichtsrats-Mitglied Gerold Pankl Zeit für ein Interview. Dort spricht er über das Spannungsfeld bei der Arbeit für die verschiedenen Teams und blickt auf die Entwicklung der Turbo-Motoren.

Frage: "Beliefert Pankl alle Teams respektive Motorenhersteller der Formel 1 mit Bauteilen oder nur einige von ihnen?"
Gerold Pankl: "Wir beliefern alle."

Frage: "Erhalten alle Teams die gleichen Bauteile oder jeder individuell?"
Pankl: "Wir schneidern für jeden die perfekte Lösung. Jeder braucht etwas anderes."

Frage: "Das heißt aber dann, dass ihr von allen wisst, was sie vorhaben, nicht wahr?"
Pankl: Ja, das stimmt.

Frage: "Kommt man da nicht in eine Situation, dass man sagt: Team A ist auf dem richtigen Weg, Team B auf dem falschen?"
Pankl: "Naja, die Lösungen kommen ja von uns - also müssen wir schauen, dass wir nicht auf dem falschen Weg sind. Wir arbeiten wirklich sehr eng mit den Teams zusammen und liefern maßgeschneiderte Lösungen. Zugeschnitten auf jeden einzelnen Kunden. Denn man darf ja nicht vergessen: Der Techniker, der bei Team A arbeitet, könnte ja zum Team B wechseln. Wenn du dem erzählst, es ist alles so super und maßgeschneidert und dann findet er beim Team B die gleichen Lösungen, dann wird er sagen: 'Bist du wahnsinnig? Du hast mich angelogen! Dir kaufe ich nichts mehr ab!' Deswegen sind wirklich maßgeschneiderte und exklusive Lösungen ganz besonders wichtig."

Frage: "Ab 2014 sind Turbomotoren geplant - da gibt es zum Teil auch Kritik wegen der hohen Entwicklungskosten oder auch wegen des Sounds, der bei den Turbos nicht sehr aufregend sein soll ..."
Pankl: "Nachdem da noch eineinhalb oder fast zwei Jahre Zeit ist, bis diese Motoren eingeführt werden, wird man noch zuwarten, wie sich die Geräuschkulisse entwickelt. Und dann gibt es sicherlich über die moderne Technik Möglichkeiten, den Sound anzupassen. Wenn es nicht passen würde."

"Ich würde das noch nicht als wirkliches Problem bezeichnen, weil ich glaube, dass die neuen Motoren mit ihrer modernen Technologie irrsinnig interessant werden. Auch für das Publikum. Wenn es in den Medien richtig und konstant dargestellt wird, dann glaube ich, sind die Turbomotoren sogar interessanter als ihre Vorgänger. Denn der Vorgänger war einfach nur ein Saugmotor. Die neuen Motoren jedoch bestehen aus vielen Elementen - der Grundmotor, der mit einem Turbo aufgeladen wird ..."

Herausforderung Turbo-Motor

Frage: "... und dazu noch ein Elektromotor, oder?"
Pankl: "Ja, mit einem E-Motor. Dann kommt weiterhin auch das KERS dazu. Die ganze Elektronik, die Hydraulik, die dann praktisch gemanagt werden muss in einem Rennen. Da gibt es irrsinnig viele tolle Sachen - wo man sich auch ein bisschen überlegen kann, ob das auch in der Serie nützlich sein könnte. Für den Otto Normalverbraucher, der sich für die Technik interessiert, ist das wahrscheinlich ein interessanteres Paket als jenes, das wir jetzt in der Formel 1 haben."

Frage: "Jetzt gibt es aber auch die Besorgnis wegen der Privatteams, dass die sich die Motoren dann nicht mehr leisten können. Pankl ist ja involviert in die Entwicklung dieser Motoren - ist diese Besorgnis berechtigt?"
Pankl: "Die Motoren, die künftig eingesetzt werden, sind aufgrund der Entwicklungszyklen teurer als die bisherigen Aggregate. Aber da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen worden. Das heißt: Da muss man warten, was dann im Endeffekt, bis die Motoren eingeführt werden, passieren wird. Die Reglements halten ja nicht lange - nach drei Monaten kann sich schon wieder etwas ändern. Und wir haben noch eineinhalb bis zwei Jahre - da kann sich noch so viel ändern, da können neue Standardisierungen, Technologieeinschränkungen kommen, sodass man da noch viel Spielraum zur Verfügung hat, damit das günstiger wird."

Frage: "Nicht nur Motorenbauteile, sondern auch Teile für Radaufhängungen kommen von Pankl. Jetzt sind in dieser Saison die Reifen besonders wichtig, womit auch die Radaufhängungen sehr wichtig wurden, das wusste man bereits im Vorjahr. Jetzt hat Lotus mit einer besonderen Radaufhängung reagiert, die dann jedoch verboten wurde - da war ihre Firma ja wohl auch integriert in diese Entwicklung, oder?"
Pankl: "Wir sind bei allen Fahrwerkskonzepten involviert. In einem solchen Fall entwickelt man eben mit und schaut, was diese neue Idee bringt. Und dann steuern wir Ideen bei. Denn bei uns wird ja auch konstant entwickelt, da werden mitunter Teile entwickelt, die vielleicht erst in zwei oder drei Jahren eingesetzt werden. Weil die Entwicklung ja auch eine gewisse Zeit benötigt."

Frage: "Jetzt war diese Radaufhängung von Lotus bekanntlich eine revolutionäre Lösung, sie wurde wie gesagt dann verboten. Wie geht man innerhalb der Firma damit um, denn es darf ja keines der Konkurrenzteams erfahren, was man hier plant."
Pankl: "Das ist ganz einfach: Da gibt es eine Geheimhaltungsvereinbarung, die man unterschreibt - und dann müssen die Karten auf den Tisch gelegt werden. Nur: Dass ein Mitarbeiter weggeht, kann immer wieder passieren."

Radaufhängungen "Made in Austria"

"Frage: "Aber wenn ich jetzt Lotus bin, und ich baue ein System, von dem ich mir einen derart eklatanten Vorteil erhoffe, dann werde ich das nicht akzeptieren, wenn mein System anderen Teams bekannt wird, nur weil ein Mitarbeiter die Firma verlassen hat."
Pankl: "Das ist schon richtig, aber genauso gut kann ja auch beim Kunden ein Mitarbeiter das Team verlassen. Das passiert ja auch immer wieder. Das ist sogar eher schwieriger dort, wo das Gesamtkonzept zusammenfließt, als bei uns, wo eine Einzelkomponente hergestellt wird. Und wir sind bekannt dafür, denn ich habe da eine richtige Paranoia, dass wir schauen, dass ja nichts nach außen dringt. Diese Unternehmenskultur muss man aufbauen über Jahrzehnte - die lebt dann im Unternehmen und die Leute machen das in allen unseren Unternehmen ganz toll, vorbildmäßig."

Frage: "Ist es schon mal passiert, dass ein Kunde mit einer vermeintlich revolutionären Lösung kam, die sich jedoch als nicht realisierbar erwiesen hat? Wie reagiert man dann in einem solchen Fall?"
Pankl: "Naja, wenn es offensichtlich ist, wird man dem Kunden schon etwas sagen. Warum? Wenn er dann draufkommt und es offensichtlich war, dass wir es auch hätten wissen müssen, würde das ja unserer Reputation schaden. Außerdem würde es vielleicht auch so aussehen, als würde man einen Profit herausschlagen wollen. Wenn du etwas Falsches baust, müsstest du es ja letztendlich wegwerfen und wieder etwas Neues bauen, was ja mehr kosten würde. Dann hättest du doppelt gebaut und den doppelten Gewinn gemacht. Da muss man einfach geradlinig sein."

Frage: "Und es gibt kein Team, das die Aufhängungen selbst baut?"
Pankl: "Nein, die Teams konstruieren teilweise die Aufhängungen selbst und geben dann entweder die Bauteile bei uns in Auftrag oder wir machen eine Kooperation und konzentrieren uns auf jene Bereiche, wo wir Spezialisten sind. Da machen wir dann Vorschläge, wie man es besser machen kann. Dann wird es unterschrieben und man sagt: 'Okay, die Konstruktionsspezifikation ist in Ordnung' und dann baut man es."

Frage: "Da gab es doch das Dallara-Team, das 2009 die Autos für HRT gebaut hat - da gab es doch diese Aufhängungen, bei welchen nur die Außenhaut aus Kohlefaser war und innen waren sie aus Stahl."
Pankl: "Ein Formel-3000-Ding, ja."

Frage: "Das hat auch ihre Firma gebaut? Wenn der Auftraggeber sagt, er will das so, dann wird es auch so gebaut?"
Pankl: "Ja, das ist so. Dann machen wir halt etwas Billiges. Aus dickem Stahl zum Beispiel, ja."

Frage: "Alles in allem müsste ja die gewachsene Bedeutung der Reifen und damit der Aufhängungen respektive der Fahrzeugmechanik sowie die Entwicklung der neuen Motoren einer Firma wie Pankl in die Hände spielen, oder?"
Pankl: "Naja, jetzt in der Entwicklungsphase spielt es uns sicher in die Hände. Wie es dann ab 2014 sein wird, wissen wir nicht. Wir glauben jedoch, dass ab 2014 am Powertrain starke Reduktionen kommen werden - denn heute wird zum einen der V8-Saugmotor eingesetzt und zugleich findet die Entwicklung des Turbomotors statt, doch dann fällt der V8 weg und die Hauptentwicklung vom Turbo ist fertig und da glauben wir halt, dass es eine größere Reduktion an Aufträgen geben wird."

Frage: "Dann kommt noch die Frage dazu: Was wird man am Chassis und fahrwerkseitig an Einschränkungen beschließen?"
Pankl: "Man spricht ja vom Ressourcen-Restriktions-Abkommen - nur wie das dann ausgelegt wird und wozu sich die Teams verpflichten, das wird man dann erst sehen, das ist leider Gottes jetzt noch nicht klar. Aber hinter den Kulissen wird fest gestritten.

Kunden auch in der Rallye-WM

Frage: "Pankl ist neben der Formel 1 auch im Rallyesport an der Entwicklung der World-Rallye-Cars (WRC) beteiligt - was wird da von Ihrer Firma beigesteuert?"
Pankl: "Wir machen Fahrwerke und Fahrwerkssysteme, da sind wir ganz stark involviert. Natürlich auch Motorkomponenten wie Kolben, Pleuel und Kurbelwelle sowie Kardanwelle."

Frage: "Obwohl die WRC ja eigentlich keine Konstrukteursweltmeisterschaft im wortwörtlichen Sinne ist ..."
Pankl: "Und ob! Das ist eine Markenweltmeisterschaft, im nächsten Jahr sind vier Marken involviert."

Frage: "Prototypen sind es aber keine."
Pankl: "Das stimmt allerdings."

Frage: "Also bleibt die Formel 1 für eine Firma wie Pankl die Königsklasse?"
Pankl: "Ja, auf alle Fälle. Dort gibt es die größten Budgets, der Druck ist der größte und es ist eine richtige Weltmeisterschaft, da ja beinahe auf allen Kontinenten gefahren wird. Das ist sicherlich die Königsklasse, keine Frage."

Frage: "Wie lange ist Pankl schon die Nummer 1 bei den Zulieferern?"
Pankl: "Naja, ich würde sagen in der Dimension seit zwölf Jahren."

Frage: "Bei jedem Formel-1-Auto, das gewinnt, können die Fans also sagen, dass hier Bauteile aus der Steiermark daran beteiligt sind?"
Pankl: "Richtig, die Teile kommen aus der Steiermark. Und wir haben ganz tolle Leute in Österreich, die Leute hier sind der Wahnsinn. Das ist einfach eine tolle Erfolgsgeschichte, wo sich alle Mitarbeiter, die Steirer auf die Schulter klopfen können. Ich hoffe, dass sie möglichst oft eine Champagnerflasche köpfen. Das ist wichtig, das gehört dazu."

Frage: "Suchen Sie noch Mitarbeiter? Können sich interessierte Leserinnen und Leser bei Ihnen bewerben?"
Pankl: "Natürlich. In Kapfenberg sind der Ost-Feinguss und die Firma Pankl-Racing beheimatet - in beiden Firmen können sich Arbeiter wie Fräser, Dreher oder für die Arbeitsvorbereitung und vor allem auch technische Verkäufer bewerben."

Fotoquelle: Michael Noir Trawniczek

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