Pastor Maldonado zeigt sich mit Blick auf die bisherige Saison wenig einsichtig

Formel 1 2012

— 30.08.2012

Maldonado: "Ich muss noch härter attackieren"

Pastor Maldonado fand in der Sommerpause keine Zeit, seine Fahrweise zu hinterfragen und plant, in der zweiten Saisonhälfte noch härter anzugreifen



Neben seinem überraschenden Sieg beim Grand Prix von Spanien in Barcelona fiel Williams-Pilot Pastor Maldonado in der ersten Saisonhälfte durch die eine oder andere Kollision auf. In der fünfwöchigen Sommerpause fand der Venezolaner allerdings keine Zeit, seinen Fahrstil zu hinterfragen.

In seiner Medienrunde am Donnerstag spricht Maldonado über seine schwierige erste Saisonhälfte, seine Erwartungen für die anstehenden Rennen, seinen misslungenen Showrun in Caracas und seine Hoffnungen auf einen Verbleib bei Williams.

Frage: "Pastor, mit welchen Erwartungen gehst du in das Rennwochenende in Spa-Francorchamps?"
Pastor Maldonado: "Die Strecke ist eine der besten überhaupt. Der Großteil der Fahrer freut sich auf diesen Kurs. Ich selbst fahre hier sehr gern, auch weil die wechselnden Witterungsbedingungen jedesmal aufs Neue eine Herausforderung darstellen. Die Piste selbst ist einfach unglaublich. Es geht bergauf, bergab und es gibt tolle Kurven. Es nicht einfach, hier die richtige Balance für das Auto zu finden, denn es ist immer ein Kompromiss zwischen den langen Geraden und dem kurvenreichen zweiten Sektor."

Frage: "Welche Kurven machen dir am meisten Spaß?"
Maldonado: "Eau Rouge und Blanchimont sind sehr aufregend. Insgesamt ist es einfach ein toller Kurs, der die ganze Geschichte der Formel 1 in sich trägt. Ich fühle mich geehrt, ein Teil dieser Geschichte sein zu dürfen."

Frage: "Im vergangenen Jahr fuhrst du in Spa zum ersten Mal überhaupt in die Punkteränge. Stimmt dich diese Tatsache optimistisch, dass du deine aktuelle Saison hier wieder auf Kurs bringen und wieder punkten kannst?"
Maldonado: "Natürlich. Ich kam auf diesem Kurs in der Vergangenheit immer gut zurecht und hoffe auch diesmal auf ein gutes Rennen. Das Team leistet gute Arbeit und ich hoffe auf ein gutes und konstantes Auto. Wir wissen nicht genau, wo die anderen Teams stehen, aber wir sind optimistisch, hier einen guten Job zu erledigen."

Keine Zeit, die erste Saisonhälfte zu reflektieren

Frage: "Vor der Sommerpause lastete durch die eine oder andere Kollision ein gewisser Druck auf dir. Wie gehst du damit um?"
Maldonado: "Für meinen Geschmack war die Pause etwas zu lang. Als Rennfahrer willst du natürlich ständig im Auto sitzen. Spa ist meiner Meinung nach die bestmögliche Strecke für einen Neustart. Ich bin sehr zuversichtlich und habe volles Vertrauen ins Team. Zudem kommt mir mein Fahrstil auf dieser Strecke entgegen. Ich hoffe, meine Saison hier wieder auf Kurs bringen zu können."

Frage: "Du hattest in diesem Jahr sowohl gute als auch schlechte Rennen. Hattest du in der Sommerpause Zeit, deinen Fahrstil zu analysieren und wirst du für die zweite Saisonhälfte etwas ändern?"
Maldonado: "Dafür hatte ich keine Zeit. Selbst im Urlaub war ich schwer beschäftigt. Ich weiß, dass die zweite Saisonhälfte besser werden muss und hoffe auf ein wettbewerbsfähigeres Auto, mit dem noch härter attackieren kann, um weiter nach vorn zu kommen. Ich will einfach meine Zeit in der Formel 1 genießen, denn das ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Es ist nicht einfach, die Höchstleistung abzurufen, denn alle Fahrer und Teams bewegen sich auf einem sehr hohen Level. Ich freue mich darauf, in der zweiten Saisonhälfte ein paar gute Ergebnisse einzufahren und werde wie immer alles geben."

Frage: "Du sagtest, du wirst noch härter attackieren. Heißt das, dass du bisher nicht hart genug attackiert hast?"
Maldonado: "In der Formel 1 gibt es kein Limit. Du musst ständig noch mehr herausholen, denn die Entwicklung steht nie still. Das gilt nicht nur für die Autos, sondern auch für uns Fahrer. Wir müssen uns ständig auf neue Gegebenheiten einstellen, seien es die Streckenverhältnisse oder Veränderungen am Auto. Ich bin bereit, mein Bestes zu geben und mir ein paar der verlorenen Punkte wiederzuholen."

Frage: "Glaubst du angesichts deiner Unfälle in der ersten Saisonhälfte nicht, dass du zuweilen zu hart attackiert hast und über dem Limit unterwegs warst?"
Maldonado: "Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es ist schwierig zu sagen, wie hart man angreifen sollte. Ich weiß nur, dass ich mich im Auto wohlfühle und immer versuche, 100 Prozent zu geben. Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir uns als Team stark verbessert. Wir fahren inzwischen in ganz anderen Regionen. Uns steht noch eine stressige zweite Saisonhälfte bevor, in der wir den verlorengegangenen Boden wieder aufholen wollen."

Frage: "Trauerst du verlorengegangenen Möglichkeiten wie beispielsweise im Zuge der Kollision mit Lewis Hamilton in Valencia nach?"
Maldonado: "Wenn du darüber nachdenkst, verlierst du nur Zeit. Wir müssen uns auf die bevorstehenden Rennen konzentrieren und versuchen, die Fehler aus der Vergangenheit zu vermeiden. Wenn ich zu sehr über die Vergangenheit nachdenke, verliere ich in der Formel 1 nur Zeit. Ich muss nach vorn schauen."

Unglückliche Umstände bei Roadshow in Caracas

Frage: "Was fällt dir zu deinem Aufenthalt in Caracas ein?"
Maldonado: "Es war gut. Das Wetter war toll und die Menschen waren gut drauf."

Frage: "Du hattest aber auch einen kleinen Zwischenfall bei deiner Roadshow, nicht wahr?"
Maldonado: "Ja, das lag am Belag. Es gab dort keinen Asphalt. Vor dem Crash habe ich aber eine tolle Zeit mit den Menschen verbracht. Es war eine gute Erfahrung."

Frage: "War dir der Unfall peinlich?"
Maldonado: "Ich weiß nicht. Wir wussten vorher, dass es sehr schwierig werden würde, auf diesem Gelände mit dem Rennauto zu fahren. Der Belag war einfach nicht dafür geeignet. Solche Dinge passieren."

Frage: "Hast du es genossen, in der Pause deine Heimat besuchen zu können?"
Maldonado: "Ja und nein. Es war natürlich toll, Familie, Freunde und Sponsoren zu sehen. Gleichzeitig habe ich die Rennstrecke und die Teammitglieder vermisst. Ich hätte es sicher vorgezogen, auch im Sommer Rennen zu fahren, denn das Team ist quasi meine Familie. Vielleicht hat die Pause aber auch geholfen, die Arbeit der ersten Saisonhälfte und überdenken und es in der zweiten Hälfte besser zu machen. Ich hoffe weiterhin auf die hundertprozentige Unterstützung des Teams und freue mich auf die anstehenden neun Rennen."

Frage: "In der zweiten Saisonhälfte stehen einige Back-to-Back-Rennen an. Kommt es bei diesen direkt aufeinanderfolgenden Rennen umso mehr darauf an, den Schwung mitzunehmen oder ist das kein Unterschied?"
Maldonado: "Das Wichtigste wird es sein, konstant aufzutreten. Im ersten Teil der Saison waren wir sehr konstant und konnten das Auto gut auf die verschiedenen Strecken anpassen. Auf einigen Kursen gelang uns das besser als auf anderen, aber wir waren vom Auto her immer in der Lage, Top-10-Platzierungen einzufahren. Das muss auch für die zweite Saisonhälfte unser Ziel sein. Wie schon gesagt, wissen wir nicht, wo die anderen Teams in puncto Weiterentwicklung stehen. Ich bin aber optimistisch, dass wir unser Auto entsprechend weiterentwickeln können, um in der zweiten Saisonhälfte auf den unterschiedlichen Strecken gut auszusehen."

Frage: "Wie sehen deine persönlichen Ziele für die anstehenden neun Rennen aus?"
Maldonado: "Ich setzte mir nie konkrete Ziele, sondern versuche immer, mein Bestes zu geben. Ich will immer das Bestmögliche aus dem Auto herausholen und glaube, dass wir großes Potenzial haben. Unser Auto ist sehr schnell, aber wir müssen weiterhin intensiv arbeiten, um uns weiter zu verbessern und die Lücke zu den Topteams zu schließen. Speziell im Qualifying müssen wir noch zulegen."

Verbleib bei Williams erwünscht, aber nicht sicher

Frage: "Denkst du auch schon ans nächste Jahr?"
Maldonado: "Zunächst einmal konzentriere ich mich auf diese Saison. Uns stehen noch neun Rennen bevor, wir sind gerade einmal bei Halbzeit der Saison angelangt, aber natürlich freue ich mich auch auf das nächste Jahr. Das Team arbeitet mit Hochdruck am neuen Auto. Wir werden sehen, was passiert."

Frage: "Hast du dein Cockpit für die kommende Saison schon sicher?"
Maldonado: "Nein, noch nicht. Wir haben noch keine Vertragsgespräche geführt. Das Team wartet damit in der Regel bis zum Ende der Saison."

Frage: "Bist du zuversichtlich, dein Cockpit behalten zu können?"
Maldonado: "In der Formel 1 darfst du dich nie zu sicher fühlen, ich glaube aber, dass ich einen guten Job mache und das Team wieder nach vorn gebracht habe. Speziell nach der enttäuschenden Saison 2011 ist die Stimmung im Team nun viel besser. Ich komme mit den Leuten gut aus, aber wir müssen abwarten. Es kann alles passieren."

Frage: "Da alles passieren kann, schaust du dich doch sicher auch nach Alternativen um oder?"
Maldonado: "Dafür ist es noch zu früh, aber mein Manager kümmert sich darum. Wir werden uns sicher schon bald umsehen, aber meine erste Wahl ist Williams. Ich habe großes Vertrauen in dieses Team, dem eine große Zukunft bevorsteht. Wir machen stetig Fortschritte. Ich würde hier gern die Weltmeisterschaft gewinnen, bevor ich mich verabschiede."

Fotoquelle: xpbimages.com

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