Abschied nur auf Zeit: In Monza 2006 gab Schumacher seinen Rücktritt bekannt

Formel 1 2012

— 31.08.2012

Schumacher: Rücktritt 2006 war "endgültig, definitiv"

Michael Schumacher erinnert sich: Warum er nie mehr Formel 1 fahren wollte und was beziehungsweise wer ihn dann doch zum Comeback bewegt hat



Als Michael Schumacher 2006 im Alter von 37 Jahren und als siebenfacher Weltmeister und einsamer Halter aller wichtigen sportlichen Rekorde der Königsklasse seinen Rücktritt von der Formel 1 bekanntgab, rechnete kaum jemand damit, dass er noch einmal auf die große Bühne zurückkehren würde. Aber nach drei Jahren Pause war der Deutsche dann doch wieder da.

Sehr zur Überraschung von Sabine Kehm, die 2006 noch Medienbetreuerin des Superstars war und rechtzeitig vor dem Comeback das Management von Willi Weber übernahm: "Ende 2006, als Michael zurückgetreten ist, war ich mir wirklich hundertprozentig sicher, dass es das war mit der aktiven Karriere", unterstreicht sie im Interview mit 'Sky'. "Und auch in den drei Jahren, in denen er weg war und nur als Berater im Fahrerlager auftauchte, haben wir oft darüber gesprochen und ich habe ihn oft gefragt: 'Vermisst du es? Wenn du siehst, wie sie so fahren, möchtest du dann nicht doch?' Aber er war immer extrem sicher und extrem glaubwürdig darin zu sagen: 'Nein, überhaupt nicht!'"

Freude an der vielen Freizeit

Schumacher genoss sein Privatleben, nahm sich Zeit für Ehefrau Corinna und seine beiden Kinder, ging seinen Hobbys nach, die er jahrelang schleifen lassen musste. Der Job als Ferrari-Berater war nicht besonders zeitintensiv. Langweilig wurde ihm trotzdem "überhaupt nicht", wie der heutige Silberpfeil-Fahrer im Interview mit Reinhold Beckmann von der 'ARD' sagt: "Es gibt viele schöne Dinge, die man im Leben machen kann." Gegenüber 'RTL' wird er sogar noch deutlicher: "Es gab auch keine Wehmut. Wenn ich die Jungs habe fahren sehen, das hat mich nicht interessiert, eher gelangweilt sehr oft."

"Für mich war das ganz endgültig, definitiv", betont er bei Beckmann. "Ich kann mich auch noch gut erinnern: Meine Frau und ich sind im gleichen Jahrgang und wir haben unseren 40. Geburtstag gemeinsam mit Freunden gefeiert. Das war für mich auch der Punkt, wo ich gesagt habe: 'Jetzt bist du 40. Die professionellen sportlichen Möglichkeiten sind damit komplett genommen, denn im Fußball oder in anderen Profisportarten bist du mit 40 einfach nicht mehr in der Lage.' Das war damals meine Denke. So habe ich mich auch gefühlt - und ich war glücklich damit, das war für mich überhaupt kein Thema."

Der Wendepunkt kam dann durch den Unfall von Felipe Massa im Qualifying zum Grand Prix von Ungarn 2009, durch den der Brasilianer monatelang rekonvaleszent war. "Das Ganze ist plötzlich wieder angestachelt worden, als Ferrari plötzlich anfragte und Michael diesen Test machte und feststellte: 'Oh, es geht ja doch noch!' Ein bisschen auch entgegen seiner Erwartung", erinnert sich Kehm. "Und als dann Ross Brawn anrief, war plötzlich diese Chance da, das Ganze mit Mercedes zu beenden. Aber bis zu diesem Anruf von Ross - beziehungsweise kurz vorher von Luca di Montezemolo - hätte ich nie gedacht, dass er wieder fährt."

Sofortiges Comeback war kein Thema

Schumacher hat jenen entscheidenden Wendepunkt noch genau im Kopf: "Ich war zu dem Zeitpunkt, als das passiert ist, mit der Familie am See. Felipe Massa hatte gerade den Unfall. Unser Presidente hat dann sehr hektisch versucht, mich zu erreichen, weil er natürlich gleich die Idee hatte, dass ich da als Ersatz einspringen sollte. Das ging natürlich an dem Wochenende schon mal gar nicht mehr, denn es war eh schon zu spät, aber dann ging es um das oder um die nächsten Rennen."

"Dann habe ich erstmal sofort an meine Verletzung gedacht. Inwiefern bin ich überhaupt dazu in der Lage? Das habe ich ihm auch erklärt", fährt er fort. "Deswegen gab es diesen Testtag in Mugello. Das war der Ursprung, der später dazu geführt hat, mich noch einmal dafür zu entscheiden, denn an diesem Tag habe ich mich ins Auto gesetzt, ich wollte Ferrari aushelfen. Das war für mich keine Sache, wo ich mich langfristig engagiere, sondern ich fahre ein paar Rennen, helfe meinen Freunden. Wenn es passt, warum nicht? Das ging aber leider nicht."

Schumacher hatte sich nämlich in den "Zwischenjahren" als semiprofessioneller Superbike-Fahrer versucht und war in Spanien schwer zu Sturz gekommen. Dabei zog er sich Verletzungen zu, die ein Formel-1-Comeback im Sommer 2009 nach eingehenden medizinischen Untersuchungen unmöglich machten. Aber der Ferrari-Test in Mugello war dennoch ein Schlüsselerlebnis: "Ich fühlte mich im Auto sofort wohl und hatte keine Probleme, das Auto ans Limit zu bringen - mit Ausnahme dessen natürlich, dass mir der Nacken sehr schnell wehgetan hat."

Brawn blieb jahrelang hartnäckig

Plötzlich stand Schumacher auch den Annäherungsversuchen seines langjährigen Wegbegleiters Ross Brawn, der mit seinem Team 2009 Weltmeister geworden war und anschließend an Mercedes verkauft hatte, wieder aufgeschlossen gegenüber: "Ein paar Monate später gab es ein lockeres Gespräch mit Ross Brawn. Er hatte mich ja jedes Jahr angesprochen - jedes Jahr gab es irgendwo mal einen Anruf oder durch Zufall ein Treffen. Er sagte: 'Hör mal, überleg dir das, bei mir im Team wäre ein Platz frei.' Er war immer noch der Meinung, dass ich könnte, wenn ich wollte."

"Dann haben wir mal abends einen Drink zusammen genommen, und da habe ich ihn mal seriös gefragt: 'Sag mal, bist du eigentlich sicher, was du da fragst? Ich bin jetzt 41.' Er sagte: 'Ist überhaupt kein Thema. Wenn du der Meinung bist, du bist motiviert und willst das, dann überhaupt kein Thema.' Das hat mich ein bisschen zum Nachdenken gebracht, nachdem dann im November auch der offizielle Anruf kam", erinnert sich der in der Schweiz lebende Kerpener. Ein paar Wochen später war das sensationelle Comeback unter Dach und Fach.

Was viele nicht wissen: Die Theorie, dass er seine erste Karriere beendete, weil Ferrari mit Massa und Neuzugang Kimi Räikkönen unbedingt auf die Jugend setzen wollte, stimmt nicht. Schumacher erinnert sich gegenüber 'RTL': "Montezemolo hat mir eigentlich ein schönes Angebot gemacht, wo ich auch lange drüber nachgedacht habe, ob ich das wirklich ablehnen soll und darf und kann. Aber der Verstand hat dann irgendwann gesagt: 'Nee, ich möchte nicht mehr.'" Zumindest bis 2010.

Fotoquelle: xpb.cc

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