Regen und niemand fährt: Bitter für die Fans, Pirelli ist machtlos

Formel 1 2012

— 31.08.2012

Placebo ohne Effekt: Hembery watscht Monsunreifen ab

Zu teuer, nicht sicherer und ohne Sinn: Pirelli-Sportchef Paul Hembery hält nichts von Monsunreifen und will lieber die aktuellen Pneus verbessern



Die durchnässten Fans an der Strecke in Spa-Francorchamps hätten sich am Freitag wohl gewünscht, dass mehr Fahrbetrieb auf der Strecke sie aufmuntert. Mit den Vollregenreifen und den Intermediates, die Pirelli standardmäßig liefert, war das wegen der Wassermassen nicht möglich. Fehlt im Sortiment der Italiener also eine Mischung für solche Bedingungen, wie sie früher unter Namen Monsunreifen firmierte? Paul Hembery ist skeptisch, was einen siebten Pneu im Regal betrifft

Das Fahren im Regen rufe in erster Linie Aquaplaning hervor, erklärt der Pirelli-Sportchef: "Könnten wir da etwas machen? Die Antwort ist ja", überrascht Hembery, um gleich darauf die Krux mit einer solchen Entwicklung zu erläutern: "Man muss sich das Problem vor Augen führen. Du willst unter diesen Bedingungen Rennen fahren und dazu ein Produkt schaffen, das dafür taugt. Ginge das mit einem Monsunreifen?", fragt der Brite. Und diese Antwort lautet offensichtlich: nein.

Höhere Kosten, aber kein Plus an Sicherheit

Hembery geht ins Detail: "Da gibt es das Problem mit der Sicht. Im Freien Training würden wir mehr Runden sehen", so der Verantwortliche der Italiener. Im Rennen aber wäre die Gischt so massiv, dass wegen Sicherheitsbedenken eine Fortsetzung undenkbar wäre. Unter diesen Bedingungen käme mindestens das Safety-Car, wenn nicht sogar der Abbruch erfolgen würde. "Natürlich würde man die Autos fahren sehen, nur was bringen den Teams dann 40 Runden?", fragt sich Hembery.

Pirelli hat aus dem Aussterben der Monsunreifen gelernt und will bei seiner Entwicklungspolitik ökonomisch vorgehen, schließlich regnet es nur selten so stark wie am Freitag in Spa. "Sie verschwanden, weil es keinen Sinn macht, Millionen in ein Produkt zu investieren, welches dann nie verwendet wird", warnt Hembery und meint, dass die Maßnahme außer der Möglichkeit von Fahrbetrieb nichts brächte. "Was für Datenmaterial könnten die Teams für ein Rennen, das im Trockenen stattfindet, mitnehmen?"

Fraglich ist außerdem, ob Racing unter allen Bedingungen überhaupt sinnvoll ist. Hembery zieht die Leiden eines Autofahrers heran: "Ich bin vergangene Woche auf der M5 von Chelsea nach Bristol gefahren, wo es geregnet hat. Bei 48 Stundenkilometern hatte jeder Aquaplaning, Du musst realistisch sein: Bei Bedingungen wie heute hätten wir auch nicht viele Straßenautos fahren sehen. Sogar mit weniger Aquaplaning fahren sie nur 80 bis 100 Stundenkilometer."

Es mangelt an Testmöglichkeiten

Pirellis Antwort besteht deshalb nicht in einem neuen Produkt, das keine Fortschritte in Sachen Sicherheit bringt. "Wir wollen die Regenreifen verbessern, das Arbeitsfenster bei den Vollregenreifen nach unten ziehen", erklärt der Sportchef und spricht damit eine Korrektur der ursprünglichen Entwicklungspolitik an. "Wir waren da konservativ, weil wir uns Sorgen um das Überhitzen gemacht haben. Wir könnten bewirken, dass der Reifen mehr verzeiht."

Die Folge: Der Pneu wäre deutlich fahrbarer, da er schneller auf Temperatur kommt und diese nicht in Windeseile wieder verliert. Auf einer abtrocknenden Strecke würde sich außerdem die von den Teams beklagte Kluft zu den Intermediates schließen. Das Problem: Es mangelt Pirelli an Testmöglichkeiten im Regen. "Man kann Paul Ricard nicht einfach unter Wasser setzen", erinnert Hembery, der letztlich nicht alle Zügel in der Hand hat: "Wir können niemanden zwingen, auf die Strecke zu gehen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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