Michael Schumacher wollte im Kampf gegen Sebastian Vettel nicht nachgeben

Formel 1 2012

— 03.09.2012

Vettel und Schumacher sind sich einig: Harmloser Vorfall

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel gibt dem Streckenverlauf in Spa die Schuld für den Zwischenfall mit Michael Schumacher - Strafe wäre überzogen



Dass Michael Schumacher ein großer Kämpfer ist, wusste Sebastian Vettel, als er sich beim Rennen in Spa-Francorchamps vor der finalen Schikane an den Mercedes heranbremste. Was dann folgte, überraschte sowohl die Zuschauer als auch Vettel: Schumacher kämpfte verbissen um seine Position, um dann in die Box zu biegen. Dabei hätte es zu einer unnötigen Kollision kommen können. Dennoch erhielt der Routinier keine Strafe.

Im ersten Moment wirkte das Manöver ziemlich aggressiv. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, warum die Stewards auf eine Strafe verzichteten. "Wir hatten zu dem Zeitpunkt entschieden, in die Box reinzufahren", schildert Schumacher die Situation. "Sebastian hat versucht, mich dort anzugreifen, das wollte ich natürlich verhindern, weil ich eine schöne Einfahrt in die Box haben wollte, ohne noch in ein Überholmanöver verwickelt zu werden."

"Dadurch, dass mein Rad stehenblieb, habe ich nicht ganz die Ideallinie getroffen, hatte aber weiterhin die Absicht, in die Box zu fahren. Ich habe gesehen, dass Sebastian mitgespielt und aufgepasst hat. Insofern war das eine relativ klare Sache", urteilt Schumacher, der mit seiner Sicht auf die Dinge nicht allein dasteht.

Vettel lobt Schumachers Willen

"Das mit Michael war eine Verwirrung. Vielleicht war er gar nicht so scharf darauf, seine Position zu verteidigen, weil er sowieso an die Box ging. Ich dachte, dass er die Innenlinie blockieren würde, aber dann zog er nach außen. Das war beim Bremsen sehr, sehr haarig - ich wäre ihm beinahe ins Heck gefahren", schildert Vettel. "Dann habe ich versucht, für die Start- und Zielgerade in eine bessere Position zu kommen, aber er zog nach rechts und ging an die Box."

"Da hatte ich innerhalb von drei Sekunden zweimal großes Glück, den Frontflügel nicht zu verlieren. Das war eine kleine Verwirrung. Ganz egal, wo auf der Strecke man gegen Michael kämpft, ob um den ersten oder um den 15. Platz, aber er wird immer wie Hölle kämpfen. Das ist toll zu sehen", lobt der amtierende Weltmeister. "Es macht einem das Leben schwer, aber es ist immer eine große Herausforderung. Es ist immer eng mit ihm, aber auch immer fair. Das gefällt mir."

Die Schuld für das Missverständnis mit Schumacher sieht Vettel beim Streckenverlauf: "Es ist niemandes Fehler, sondern die Strecke ist halt so designt, dass man nach rechts muss, wenn man an die Box fahren will. Dafür kann man ihm nicht die Schuld geben, wenn das sowieso so geplant war. Ich habe ihn zuerst falsch gedeutet, dachte, er schirmt beim Bremsen die Innenseite ab. Also ging ich nach außen, wo kaum Platz war. Damit hat er vielleicht nicht gerechnet, aber ich war in der besseren Position, um schneller als er auf die Gerade zu beschleunigen, aber er kam an die Box. Was willst du da machen?"

Keine Strafe für Schumacher

Eine Bestrafung lehnen beide entschieden ab. "Ich werde mit ihm darüber sprechen, aber ich finde nicht, dass wir die ganze Zeit Strafen brauchen", bemerkt Vettel. "Für uns im Auto ist es vielleicht einfacher, so etwas zu beurteilen, als für die Kommissare. Die Boxeneinfahrt ist halt rechts und die Kurve geht nach links. Das ist niemandes Schuld, auch nicht Michaels. Ich werde mit ihm sprechen und damit hat es sich. So sollten wir solche Situationen gegenseitig handhaben."

"Wir sind ja davongekommen und es ist nichts passiert, aber selbst wenn wir kollidiert und beide ausgeschieden wären, würde das nichts an meiner Meinung ändern. Nachdem ich damals in Jenson reingefahren bin, war er zwar schon auf dem Weg zum Flughafen, aber ich habe ihn angerufen und mich entschuldigt. So gehört sich das im Sport. Man sollte die Leute so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte", so Vettel.

Auch Schumacher kann die Diskussionen nicht verstehen: Ich wüsste nicht, warum das bestraft werden sollte", sagt der siebenmalige Weltmeister. "Ich habe ihn nicht abgedrängt oder ähnliches." Im offiziellen Statement der Rennleitung heißt es: "Red Bull hat den Stewards erklärt, dass der Fahrer von Auto Nummer 1 (Vettel; Anm. d. Red.) das Gegenteil von Auto Nummer 7 (Schumacher) machen sollte. Als Auto Nummer 7 in die Box fuhr, ist Auto Nummer 1 auf der Strecke geblieben."

Vettel: "Er ist ein Fuchs"

Blieb unterm Strich nur der Zeitverlust für Vettel und Schumacher. "Man weiß natürlich nicht, was der Vordermann macht, und genauso weiß der Vordermann nicht, was der Hintermann macht. Ich glaube, wir haben ungefähr zwei Sekunden verloren durch die Aktion, aber c'est la vie." Deshalb fällt das Fazit des Red-Bull-Piloten versöhnlich aus: "Wir sind beide unheimlich am Limit. Er ist schon ein Fuchs, er lässt einem nicht viel Platz, aber es macht auch Spaß, gegen ihn zu fahren. Ich habe damit kein Problem."

"In der Szene war es halt ein Missverständnis, aber da kann man keinen Schuldigen herbeizaubern. Ich glaube nicht, dass das böse Absicht von ihm war. Die Strecke kann man auch nicht als Schuldigen heranziehen. Sowas passiert. Gott sei Dank sind wir beide heil davongekommen. Klar hat die Situation für uns beide ein bisschen Zeit gekostet, aber mehr nicht", bilanziert Vettel.

Experte Marc Surer hat eine ähnliche Meinung: "Wenn keine Kollision passiert, sollte man auch nicht bestrafen. Wenn es einen Leidtragenden gibt, dann ist das eine andere Geschichte", urteilt er. "Schumacher wollte sich verteidigen gegen Vettel, hat sich verbremst und sich dabei wohl gedacht 'Dann gehe ich doch gleich an die Box, weil die Reifen kaputt sind', aber es war natürlich ein haariges Manöver."

Fotoquelle: xpbimages.com

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