Stefano Domenicali steht den elektrischen Konzepten skeptisch gegenüber

Formel 1 2012

— 03.09.2012

Ferrari protestiert gegen "lautlose" Boxeneinfahrt

Der Gedanke, dass Formel-1-Autos lautlos durch die Boxengasse fahren, ist Stefano Domenicali ein Gräuel - Monisha Kaltenborn hofft auf Klarheit in Sachen Kosten



Der derzeitige Entwurf des Formel-1-Reglements für 2014 sieht vor, dass ein neues Motorenformat eingeführt wird. Statt der aktuellen V8-Sauger sind neue V6-Turbos geplant, inklusive "grünem Anstrich" mit doppelter Energierückgewinnung, weniger Hubraum, nur noch 15.000 statt 18.000 Touren Maximaldrehzahl und einem deutlich niedrigeren Benzinverbrauch. Die Automobilindustrie würde das "Downsizing" nennen.

Um das Potenzial der elektrischen Energie der Hybridsysteme zu demonstrieren, soll der Benzinmotor zumindest in der Boxengasse komplett abgeschaltet werden. Sprich: Wenn Fernando Alonso und Co. zum Stopp kommen, wird nur noch der Elektromotor laufen. Das hat zur Folge, dass kein lautes Fahrgeräusch mehr entsteht, was viele als Sicherheitsrisiko einstufen, weil die Mechaniker herannahende Autos nicht mehr hören können, wenn ein paar Meter daneben das Feld mit lautem Benzinantrieb vorbeidonnert.

Ferrari skeptisch gegenüber E-Konzepten

Am lautesten protestiert Ferrari gegen diesen Plan: "Da sind wir total dagegen", sagt Teamchef Stefano Domenicali im Interview mit der spanischen Zeitung 'Marca'. "Es ist aber noch keine finale Entscheidung gefallen. Wir müssen das noch mit der FIA diskutieren." Die Bedenken, dass der Turbo auch sonst nicht an den prägnanten Sound der Saugmotoren herankommen wird, teilt er hingegen nicht: "Wir tauschen halt einen Tenor gegen einen Bariton aus..."

"Am Anfang", glaubt Domenicali, "wird es für alle ein bisschen merkwürdig sein, aber für die Zukunft ist dieses Konzept mit Turbo, Energierückgewinnung und weniger Lärm richtig. Die Formel 1 ist die Königsklasse des Motorsports und muss beim Einschlagen dieses Weges Vorreiter sein. Einige sagen, dass es besser gewesen wäre, in Zeiten der Wirtschaftskrise noch damit zu warten, was vielleicht stimmt, aber so weit, wie wir jetzt sind, gibt es kein Zurück mehr."

Sehr zum Bedauern der mittelständischen und kleinen Teams, die finanziell fast ohne Ausnahme schwer zu kämpfen haben. Derzeit kostet das Leasing von Kundenmotoren pro Jahr acht Millionen Euro, vor allem dank einer Initiative der Teamvereinigung FOTA. Je nach Hersteller kommen für Getriebe und KERS weitere zwei bis vier Millionen Euro dazu. Doch weil der neue Öko-Turbo für 2014 in der Entwicklung extrem teuer ist, könnten die Preise ansteigen.

Wie teuer die Motoren 2014 kommen werden, kann derzeit noch niemand sagen. Monisha Kaltenborn hofft "noch dieses Jahr" auf Antworten, denn: "Das ist für die zukünftige Budgetplanung wichtig. Als Kundenteam wollen wir nicht in jene Zeiten zurückfallen, als die Motorenkosten enorm hoch waren, weil die Motoren weiterentwickelt wurden und es verschiedene Motorenkategorien gab. Das haben wir überwunden, da wollen wir nicht zurückfallen."

Kaltenborn hofft auf Kostenklarheit

"Für uns ist der natürliche Weg, uns zuerst an unseren derzeitigen Partner zu wenden, was wir getan haben", sagt die Sauber-Geschäftsführerin. "Aber im Moment gibt es in diesem Bereich so viel Unsicherheit, dass niemand sagen kann: 'Das ist das Paket, das ihr bekommen werdet, und so viel wird es kosten.' Ich hoffe wirklich, dass die Hersteller da bald eine Entscheidung treffen und dann mit den Kundenteams sprechen werden. Unsere erste Adresse ist aber unser derzeitiger Lieferant."

Also Ferrari. In Maranello wünscht man sich übrigens generell, dass der Motor in der Formel 1 wieder mehr Bedeutung erlangt, schließlich gelten die alten V12-Sauger als wichtiger Teil von Enzo Ferraris Vermächtnis. "In der Formel 1 redet man heutzutage nur noch von der Aerodynamik", kritisiert Domenicali. "Wenn man die Fans fragt, wie viele Zylinder unser Motor hat, wie viel Leistung, dann wissen sie das nicht einmal."

"Ich finde, dass wir da für die Zukunft eine bessere Balance finden müssen", regt der Italiener an. "Wir sollten wieder mehr über die Motoren reden, wenn es um die Autos geht, und nicht nur um die Aerodynamik. In Maranello arbeiten wir sehr hart am neuen Motorenprojekt. Es ist eine Herausforderung, aber eine technisch sehr aufregende. Ich bin mir sicher, dass unsere Leute rund um Luca Marmorini ihre Sache gut machen, aber sie haben natürlich starke Konkurrenz."

Fotoquelle: xpbimages.com

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