Toro Rosso hat mit Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne in Monza ein Heimspiel

Formel 1 2012

— 05.09.2012

Toro Rosso: Drittes Monza-Highlight für Franz Tost?

Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne reisen optimistisch nach Monza - Teamchef Franz Tost erinnert sich an seine wilde Vergangenheit als Tifoso



Beim Grand Prix von Belgien brachte Toro Rosso erstmals in dieser Saison beide Autos in die Punkteränge. Jean-Eric Vergne lief in Spa-Francorchamps als Achter ein. Teamkollege Daniel Ricciardo kam direkt dahinter auf Platz neun ins Ziel, wodurch das diesjährige Punktekontos des B-Teams von Red Bull mit einem Schlag verdoppelt wurde.

Am kommenden Wochenende steht mit dem Grand Prix von Italien das Heimspiel für Toro Rosso auf dem Programm. Entsprechend groß ist im Team die Vorfreude. "Ich freue mich schon riesig auf Monza und das nicht nur, weil ich diese Strecke liebe", sagt Ricciardo. "Ich fahre in dieser Saison für ein italienisches Team und meine Familie hat italienische Wurzeln. Für mich ist es nach meinem Heimrennen in Australien der zweitgrößte Wettkampf des Jahres."

"Zudem werden viele unserer Mitarbeiter die kurze Reise von der Toro-Rosso-Fabrik in Faenza nach Monza antreten, um uns fahren zu sehen. Auch das ist etwas Besonderes. Wir werden viele der Kollegen treffen, die hinter den Kulissen ihr Bestes für uns geben. Es wird sicher eine tolle familiäre Atmosphäre", ist Ricciardo überzeugt.

Ricciardo beim ersten Anblick der Steilkurve von den Socken

Der 23-Jährige erinnert sich noch gut an den Moment, als er vor Jahren zum ersten Mal in den Königlichen Park nach Monza kam: "Als ich zum ersten Mal hier war und die alte Strecke mit der Steilkurve sah, konnte ich nicht glauben, dass dort tatsächlich Rennen gefahren wurden." Inzwischen gehört die Steilkurve längst nicht mehr zum Formel-1-Layout. Seit 1962 wird ausschließlich auf der aktuellen Streckenvariante gefahren, die im Laufe der Jahre lediglich einige Schikanen erhielt.

"Es gibt nicht viele Kurven", hält Ricciardo fest. "Deshalb muss man alle zusammenbringen. Wenn man in einer Kurve einen Fehler macht, hat man Probleme, eine gute Runde zu fahren. Meiner Meinung nach sind hier alle Kurven wichtig, die Ascari aber ganz besonders. Danach folgt eine lange Gerade, wo man viel Zeit gutmachen kann", sagt der Toro-Rosso-Pilot mit Blick auf die Anfahrt zur Parabolica-Kurve, welche die 5,8 Kilometer lange Runde beschließt.

"Mein erstes Formel-1-Rennen in Monza habe ich im vergangenen Jahr bestritten", erinnert Ricciardo an seinen Einsatz im HRT. "Ich habe das Wochenende genossen, denn zum ersten Mal war ich beim Qualifying schneller als mein Teamkollege, der die Strecke gut kennt (Vitantonio Liuzzi; Anm. d. Red.). Ricciardo plant auch im aktuellen Team, seinen Kollegen einmal mehr hinter sich zu lassen. Derzeit steht das Qualifying-Duell bei Toro Rosso gegen Vergne 9:3 für den Australier.

Teamkollege Vergne freut sich vor allem auf die Highspeed-Passagen. "Es gibt sehr lange Geraden. Wir fahren mit sehr wenig Abtrieb. Mit 330 km/h sind wir etwa 20 km/h schneller als sonst. Das ist jetzt kein so großer Unterschied in solch einem Auto, es ermöglicht aber tollen Rennsport und viele Gelegenheiten, um zu überholen", sagt der Franzose und stellt heraus: "Der Windschatten spielt eine entscheidende Rolle. Das Rennen sollte unterhaltsam werden."

Monza 1975: Franz Tost als Tifoso

Teamchef Franz Tost hat ganz besondere Erinnerungen an den Königlichen Park. Im Alter von 19 Jahren fuhr er dank seiner kurz zuvor abgelegten Führerscheinprüfung zum ersten Mal selbst nach Monza. "Das war im Jahr 1975 und mein erstes Formel-1-Rennen, das ich live an der Strecke verfolgte." Zum damaligen Zeitpunkt war dem Österreicher das Fahrerlager der Königsklasse noch völlig fremd.

"Ich kam am Mittwochabend an und hatte keine Ahnung, wie ich ins Innere der Strecke gelangen könnte. Also hängte ich mich an einen Transporter des Tyrrell-Teams dran und ließ mich von ihm in den Paddock-Bereich ziehen." Einmal im Formel-1-Fahrerlager angekommen, "wollte ich nicht wieder raus und blieb für den Rest des Wochenendes dort", erinnert sich Tost und führt als Beweis die gesammelten Autogramme von James Hunt, Graham Hill, Jody Scheckter und anderen an.

Während des Qualifyings stand der damals 19-Jährige dann an der Boxenmauer. "Die Sicherheitsleute wollten mich zunächst aus dem Boxenbereich werfen. Also griff ich mir eine der Boxentafeln des Lotus-Teams. Das hat sie wohl überzeugt und sie glaubten, ich würde für das Team arbeiten." Doch damit fingen Tosts Probleme erst an. "Nachdem die Sicherheitsleute von mir abgelassen und mich allein gelassen hatten, wurden die Lotus-Jungs auf einmal sehr sauer und schmissen mich raus. Also zog ich von Box zu Box weiter."

Die Windschattenschlacht am Sonntag verfolgte Tost im Kreise der Tifosi: "Während das Rennen lief, kletterte ich auf die berühmte Agip-Werbetafel, fertigte mir dort ein Loch an und schaute dem Rennen vier oder fünf Runden lang zu. In der Schlussphase des Rennens hielt ich mich in der Parabolica auf. Als ich dort sah, wie einige Tifosi ein Loch in den Zaun schnitten, um auf die Strecke zu gelangen, hielt ich das für eine gute Idee und hängte mich an die Gruppe dran. Dummerweise nahm die Polizei davon Notiz und umzingelte uns mit Pferden."

Das Polizei-Problem war aber schnell gelöst. "Ein paar Meter weiter kamen andere Fans auf dieselbe Idee. So wussten die Polizisten nicht, ob sie bei uns bleiben oder sich um die neue Gruppe kümmern sollten." So kam es, dass der Österreicher doch noch seinen Weg auf die Strecke fand und die Siegerehrung aus nächste Nähe miterlebte. "Ich erinnere mich noch, dass Regazzoni das Rennen gewonnen hatte. Fittipaldi war Zweiter und Lauda Dritter."

Das zweite Monza-Erlebnis, das Tost nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, trug sich 33 Jahre später zu, als Toro Rosso mit Sebastian Vettel den Grand Prix von Italien gewann. Am kommenden Wochenende hofft der mittlerweile 56-jährige Chef des Toro-Rosso-Teams auf sein persönlich drittes Monza-Highlight.

Fotoquelle: xpbimages.com

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