Der Startunfall in Spa beschäftigt auch ehemalige Formel-1-Piloten

Formel 1 2012

— 06.09.2012

Ex-Formel-1-Piloten befürworten Grosjeans Sperre

David Coulthard, Jackie Stewart und Derek Warwick finden die Sperre gegen Romain Grosjean richtig - Coulthard kritisiert Fahrer der "Generation PlayStation" scharf



Auch Tage später ist der Startunfall von Spa-Francorchamps noch ein beherrschendes Thema im Formel-1-Zirkus: Die Tatsache, dass Romain Grosjeans Lotus-Bolide während des Unfalls nur knapp den Helm von Fernando Alonso verfehlte, führte einmal mehr klar vor Augen, wie gefährlich die Formel 1 nach wie vor sein kann. Der Franzose, der zuerst Lewis Hamilton abdrängte, durch die Kollision dann auf Alonsos Ferrari gedrückt und den Kopf des Spaniers nur knapp verfehlte, wurde mit einem Rennen Sperre bestraft und muss zudem 50.000 Euro bezahlen.

Grosjean hat die Strafe akzeptiert und gab sich nach dem Zwischenfall, der in dieser Saison nicht der erste war, an dem der 26-Jährigen Schuld war, kleinlaut und akzeptierte die Strafe. Kritik an Grosjeans Fahrweise gab es von allen Seiten. Egal ob Niki Lauda, Marc Surer oder Rennkollegen wie Felipe Massa: Durchweg wurde die Strafe als richtig erachtet.

Nun meldeten sich auch die ehemaligen Grand-Prix-Piloten David Coulthard, Derek Warwick und Jackie Stewart bezüglich der Thematik zu Wort. Alle drei sind erfahrene Piloten, bringen es zusammen auf beinahe 500 Grands Prix und fuhren in Epochen, in denen die Sicherheitsstandards und die technischen Voraussetzungen völlig unterschiedlich waren. Dennoch sind sie was dieses Thema angeht durchweg gleicher Meinung.

"Ich weiß durch die Erfahrung von 246 Grands Prix, bei denen ich bei den meisten nicht schon zu Beginn ausgeschieden bin, dass man jedes Mal, wenn man nach links oder rechts fährt, vorsichtig und umsichtig sein muss, weil man nie genau weiß, wo sich der andere Fahrer gerade befindet", erklärt Coulthard in seiner Kolumne für 'AA'. "Wenn man in so viele Unfälle verwickelt wird, dann kann man nicht immer die andere dafür verantwortlich machen. Niemand hat so viel Pech." Die Rennsperre könne laut Coulthard als hart angesehen werden, doch "es muss jemanden geben, der den Jungs sagt 'Hört zu, das ist inakzeptabel!'

Coulthard kritisiert die "Generation PlayStation"

Der Schotte spricht in diesem Zusammenhang auch von der "Generation PlayStation", also die Generation, die das Rennfahren nicht nur aus der Realität kennt, sondern auch aus der Computer-Simulation. Ein Unfall bleibt dort natürlich folgenlos für den, der das Auto steuert. In der Realität sieht das freilich anders aus.

"Das ist echtes Leben, da gibt es den Tod", stellt der 41-Jährige klar. "Fahrern in allen Rennklassen muss das klargemacht werden. Angesichts des Verhaltens mancher Piloten möchte man denken, dass sie sich darüber nicht im Klaren sind. Aufgrund der möglichen Konsequenzen sollte man das sehr ernst nehmen." Als Beispiel führt Coulthard auch die Rahmenrennserie der Formel 1, die GP2, an. Manchmal müsse er angesichts manch haarsträubender Manöver die Augen zu halten, so Coulthard.

Der Startunfall in Spa sei zudem "unnötig gewesen". Die Fahrer müssten laut Coulthard, der in seiner Formel-1-Karriere für Williams, McLaren und Red Bull fuhr und in Spa im Jahr 1998 selber in die Entstehung des wohl berühmtesten Startunfalls verwickelt war, erkennen, dass ein Rennen nicht in der ersten Kurve entschieden wird. Wichtig sei, dass Grosjeans nun aus seinem Fehler lerne: "Ich möchte ihn nicht fertigmachen", so 'DC', der heute in der DTM für Mercedes fährt. "Doch er hat schon zu häufig Unfälle ausgelöst."

Stewart: Geldstrafe alleine bringt nichts

Auch Jackie Stewart, der zwischen 1965 und 1973 in der Formel 1 fuhr und in dieser Zeit drei Mal Weltmeister wurde, sieht Grosjeans Sperre als gerechtfertigt an und glaubt, dass nur auf diese Weise Fahrer wirklich zum Nachdenken gebracht werden: "Ich glaube, die einzige Strafe, die einen Fahrer wirklich hart trifft, ist eine Sperre", so Stewart gegenüber 'Autosport'. "Die meisten von ihnen verdienen sowieso so viel, dass ihnen eine Geldstrafe nicht wehtut."

Der 73-Jährige weiter: "Die Sperre bringt sie wirklich dazu, nachzudenken und zeigt ihnen, was sie nicht tun dürfen. Ich denke, die Entscheidung war richtig. Und er kann noch froh sein, dass er angesichts seiner anderen Unfälle in diesem Jahr nicht für noch ein Rennen gesperrt wurde."

Die Rennkommissare dürften bei Sperren laut Stewart auch nicht vor großen Namen Halt machen: "Lewis Hamilton, Fernando Alonso, Sebastian Vettel - jeder sollte eine Strafe bekommen, wenn er sich auf der Strecke falsch verhält."

Warwick: Rennkommissare müssen so reagieren

Derek Warwick, der zwischen 1981 und 1993 in der Formel 1 fuhr, war in diesem Jahr bereits selber als Rennkommissar im Einsatz und bewertet die Strafe ebenfalls als richtig: "Wenn etwas passiert, das als gefährliche Fahrweise eingeschätzt wird, dann müssen die Kommissare so reagieren wie in Spa, wo ihnen der Unfall praktisch auf dem Teller präsentiert wurde", so der 58-Jährige gegenüber 'Autosport'.

"Romain ist ein guter und schneller Fahrer, wenn er die erste Runde überstanden hat", fährt der Brite fort. "Doch in den bisher zwölf Rennen war er glaube ich bislang in sieben Unfälle auf der ersten Runde verwickelt. Von daher war die Strafe richtig."

Laut einer Umfrage von 'Motorsport-Total.com', bei der insgesamt 5.936 Leser ihre Stimmen abgaben, sei die Strafe gegen Romain Grosjean sogar zu lasch: 44 Prozent stimmten dafür, dass die Strafe noch härter hätte ausfallen müssen, während 39,12 Prozent der Ansicht sind, dass das Strafmaß ausreiche. 16,88 Prozent waren hingegen der Meinung, dass der Motorsport-Weltverband FIA überreagiert habe.

Fotoquelle: xpbimages.com

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