Michael Schumacher war am Vormittag in Monza der Schnellste

Formel 1 2012

— 07.09.2012

Schumacher vorn: Goldener Auftakt für Silber

Mercedes und McLaren präsentieren sich zum Auftakt in Monza in guter Verfassung: Michael Schumacher fährt zur Bestzeit, WM-Leader Fernando Alonso rollt aus



Die Formel 1 hat im sonnigen Monza ihre ersten Trainingsrunden absolviert. Zur Freude aller Teams und Fahrer fand endlich mal wieder eine Session am Freitagmorgen bei besten Bedingungen statt. Die Sonne strahlte während des ersten Freien Trainings über dem königlichen Park, die Temperaturen (Luft: 23-26° C/Strecke: 28-32° C) lagen in jenem Bereich, der gute Arbeit und wertvolle Erkenntnisse zulässt. Entsprechend viel Verkehr gab es auf der italienischen Traditionsstrecke.

Nahezu alle Teams packten am Freitagmorgen ein spezielles Monza-Aerodynamikpaket aus. In vielen Fällen wurde dies vor allem am Heck sichtbar. An den Autos wurden die Flügel gerupft und äußerst flach gestellt, speziell am Ferrari fiel eine Wölbung des Hauptblattes nach oben auf: alles auf Topspeed im Hochgeschwindigkeits-Tempel Monza. Viele Fahrzeuge waren ob der neuen Teile mit der auffälligen FloViz-Farbe markiert, die Hinweise auf den Luftstrom bringen soll.

Einen idealen Auftakt erwischte Mercedes. Michael Schumacher markierte nach rund 40 Minuten eine Bestzeit, die anschließend nicht mehr erreicht wurde. In 1:25.422 Minuten war der Rekordweltmeister über drei Zehntelsekunden schneller als der Rest der Formel-1-Welt. Schumacher absolvierte am Morgen insgesamt 26 Runden und zeigte sich dabei als recht konstant. Die harten Pneus, die in der ersten Session von allen Teams genutzt wurden, lassen einige schnelle Runden zu.

Starker Topspeed von Mercedes

Bei Mercedes kam vermutlich das sogenannte Dreifach-DRS zum Einsatz. Jenes System erzeugt einen Strömungsabriss nicht nur am geöffneten Hauptblatt des Heckflügels sowie am Frontflügel, sondern neuerdings zusätzlich auch noch am unteren Blatt des hinteren Leitelements. Dies verschafft den Silbernen einen geringeren Luftwiderstand auf den langen Geraden und höhere Topspeedwerte. In Sektor zwei war Schumacher mit 337 km/h der deutlich schnellste Mann.

Auch Nico Rosbergs Mercedes lief ähnlich gut. Der gebürtige Wiesbadener (3./+0,340 Sekunden) erzielte am Ende des ersten Sektors die beste Höchstgeschwindigkeit. Mit 328 km/h war Rosberg einen Hauch schneller als McLaren-Mann Jenson Button. Der Spa-Sieger spulte am Freitagmorgen insgesamt 29 Runden ab und kam Schumacher am nächsten. Button schob sich in 1:25.723 Minuten auf den zweiten Rang im Klassement. "Sieht sehr gut und konstant aus", so die Ansage seines Renningenieurs.

McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton, der sich am Donnerstag unzähligen Fragen zu einem angeblichen Wechsel zu Mercedes stellen musste, konnte das Tempo von Button in der ersten Session nicht ganz mitgehen. Der Weltmeister von 2008 schob sich in der schnellsten seiner 30 Runden in 1:25.944 Minuten auf den sechsten Rang. Hamilton hatte vor allem in den harten Bremszonen mehrfach Probleme. Die Reifen qualmten, die Bremspunkte passten nicht und mehrfach musste Hamilton durch den Notausgang.

Vor dem Briten rangierten jene zwei Piloten, die in Monza ganz besonders im Fokus der Fans stehen. Fernando Alonso (4./+0,378) und Felipe Massa (5./+0,439) deuteten einen guten Speed der Ferraris an, hatten aber auch keinen ganz problemfreien Tag. Der spanische WM-Leader konnte gleich zu Beginn eine vorübergehende Bestzeit fahren und zeigte sich mit dem veränderten Aerodynamikpaket zufrieden, aber der Motor machte nach 22 Runden nicht mehr mit.

Alonso muss den Ferrari parken

Alonso rollte inmitten eines mittellangen Runs an der ersten Schikane plötzlich aus. "Wahrscheinlich ein Motorproblem, ähnlich wie jenes von Felipe in Spa", so die erste Diagnose des Teams. Für den Spanier war die Session somit frühzeitig beendet, Massa absolvierte noch einige zusätzliche Runden mit der knallgelben FloViz-Farbe auf den Bargeboards seitlich des Cockpits. Alonso gab sich nicht allzu betrübt, sondern hatte nach seinem Fußmarsch ins Fahrerlager ein Lächeln im Gesicht.

Hinter den drei Teams Mercedes, McLaren und Ferrari zeigte Kimi Räikkönen (7./+0,624), dass mit Lotus auch an diesem Wochenende zu rechnen sein dürfte. Allerdings hatte der Finne ähnliche Mühe in den Bremszonen wie Hamilton. Räikkönen rumpelte teils brutal über die Randsteine, hob nach einer wuchtigen Fahrt über die Abweiser in der Schikane sogar kurzzeitig etwas ab. Sein Aushilfsteamkollege Jerome d'Ambrosio ließ es zunächst vorsichtig angehen.

Der Belgier, der den gesperrten Stammpiloten Romain Grosjean in Monza vertritt, tastete sich langsam an Strecke, Bedingungen und Fahrzeug heran. In 1:27.180 Minuten hatte D'Ambrosio am Ende der Session über eine Sekunde Rückstand auf seinen prominenten Teamkollegen. Lotus hatte das eigene Doppel-DRS nicht im Einsatz und entsprechend erheblichen Rückstand an den Radarfallen. Am Ende des zweiten Sektors fehlten über zehn km/h auf die Besten.

Einen wenig überragenden Auftakt legte Red Bull in Monza hin. Mark Webber (9./+0,968) und Sebastian Vettel (11./+1,086) platzierten sich im Mittelfeld. Der RB8 scheint die langen Geradeausfahrten, harten Bremsmanöver und engen Schikanen nicht sonderlich zu mögen. Red Bull bewegte sich am Freitagmorgen in etwa auf dem Niveau von Sauber, Williams und Force India.

Barcelona-Sieger Pastor Maldonado (10./+1,082) war zwar schneller als Williams-Tester Valtteri Bottas (13./+1,219), aber der Venezolaner hatte seine Sorgen. Kurz vor dem Ende der Session musste Maldonado seinen FW34 vor der Roggia-Schikane am Streckenrand abstellen. Das Team vermutet einen Hydraulikdefekt. Klartext: Gut möglich, dass am Auto von Maldonado mal wieder das Getriebe gewechselt werden muss. Der Ex-GP2-Champion muss nach den Vorfällen aus Spa ohnehin schon zehn Startplätze zurück.

Kovalainen sieht gute Tendenz

Sergio Perez (8./+0,901) war am Morgen überraschend deutlich schneller als sein Sauber-Teamkollege Kamui Kobayashi (14./+1,324). Das Team aus der Schweiz dürfte nach dem ereignisreichen Wochenende in Belgien erst einmal froh gewesen sein, dass beide Autos problemlos liefen. Wegen der Kollision in ersten Ecke hatten beide Fahrzeuge teils erhebliche Schäden davongetragen, die innerhalb weniger Tage repariert werden mussten.

Nico Hülkenberg (12./+1,096) und Testpilot Jules Bianchi (16./+1,770) zeigten im Force India eine solide, aber keine herausragende Session. Immerhin waren die beiden Piloten der Inder noch schneller als Toro Rosso. Die Italiener scheinen beim Heimspiel kaum Chancen zu haben. Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne hatten rund zwei Sekunden Abstand zur Spitze. Caterham-Mann Heikki Kovalainen (19./+2,433) hatte nur wenig Rückstand auf Vergne.

"Die Balance des Autos ist jetzt viel besser. Ich kann deutlich konstantere und schnellere Runden fahren", jubelte Kovalainen nach seinen 27 Umläufen am Freitagvormittag. Auch Caterham rückt auf der Highspeed-Strecke mit neuen Teilen aus. Diese kamen aber offenbar zunächst nur am Auto des Finnen zum Einsatz. Teamkollege Witali Petrow fehlten am Ende der Session rund sieben Zehntelsekunden auf Kovalainen - eine Welt.

Am Ende des Feldes gab es das typische Bild: Marussia knapp vor HRT. Im Lager der Briten war Charles Pic etwas schneller als Timo Glock. Der Deutsche hatte jedoch kaum schnelle Runden im Sinn als vielmehr Entwicklungsarbeit. Sein MR01 war an der Front und am Heck über große Flächen mit FloViz-Farbe zugekleistert. Immer wieder wurde der Verlauf der Farbe mit einer Spezialkamera überprüft. Pedro de la Rosa hielt bei HRT den Debütanten Ma Quing Hua locker in Schach. Dem Chinesen fehlten zwei Sekunden auf den Spanier.

Fotoquelle: Pirelli

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