Bitter: Einmal mehr musste Vettel wegen defekter Lichtmaschine aussteigen

Formel 1 2012

— 11.09.2012

Lichtmaschinen-Pannen: Waren die Kurse schuld?

Laut Renault verursachen langsame Kurven die Lichtmaschinen-Pannen, die Sebastian Vettel die WM kosten könnten - Vor Singapur steht man unter Druck



Red Bull steht dieses Jahr auf Kriegsfuß mit der Lichtmaschine. Bereits zweimal musste Titelverteidiger Sebastian Vettel seinen RB8 in aussichtsreicher Position am Streckenrand abstellen - in Valencia in Führung liegend und in Monza als Sechster. Hätte er in beiden Rennen das Ziel erreicht, hätte er vermutlich 33 WM-Punkte mehr auf dem Konto und wäre damit auf Augenhöhe mit Leader Fernando Alonso, der beim Grand Prix von Europa den Sieg abstaubte.

Nach Valencia hatte Renault Red Bull noch beruhigt, dass ein ähnlicher Defekt diese Saison nicht mehr auftreten würde. Eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellte. Immerhin scheinen die Franzosen die Ursache des Problems gefunden zu haben, das diese Saison auch schon bei Vettel und Jerome D'Ambrosio im Training von Monza, bei Caterham-Pilot Heikki Kovalainen in Monte Carlo und bei Lotus-Fahrer Romain Grosjean in Valencia aufgetaucht war.

Glücklicherweise war die defekte Lichtmaschine in D'Ambrosios Lotus-Boliden noch nicht komplett durchgeschmort, als man sie aus dem Lotus-Boliden entnahm - das sollte nun die Fehlersuche beschleunigen. Offenbar kommt es im niedrigen Drehzahlbereich zur Überhitzung - das haben die Untersuchungen in der Motorenfabrik in Viry-Chatillon ergeben. Sowohl in Monaco, in Valencia und in Monza gibt es viele langsame Ecken, die mit niedriger Drehlzahl durchfahren werden und die Lichtmaschine des Zulieferers Magneti Marelli an ihre Grenzen brachten.

Nachbesserungen ohne Erfolg

"Unsere Untersuchungen nach Valencia haben ergeben, dass es potenzielle Überhitzungsprobleme bei niedriger Drehzahl geben könnte", erklärt Renaults Motorenchef Rob White gegenüber 'Autosport'. "Wir haben daraufhin eine überarbeitete Lichtmaschine entwickelt, die auf dem Prüfstand abgesegnet und in Spa von Red Bull und Lotus - also den Teams, die in Valencia Defekte erlitten hatten - ausprobiert wurde. Dabei traten keine Probleme auf."

"Grundsätzlich haben wir das Gehäuse und den Rotor der Lichtmaschine um zehn Millimeter verlängert, um die Energiegewinnungskapazität zu vergrößern, denn der Bedarf überschritt die Kapazität der Lichtmaschine. Mit der neuen Spezifikation können wir rund 30 Prozent mehr Strom abliefern, um die Probleme bei niedriger Drehzahl zu lösen."

Das Problem: Trotz der Nachbesserungen traten die Schäden in Monza wieder auf. "In beiden Fällen waren es ganz neue Teile der neuesten Spezifikation", gibt White zu. "Nach den Zwischenfällen im dritten Freien Training und im Qualifying wechselten wir die Lichtmaschinen beim Red Bull von Vettel und beim Lotus von D'Ambrosio. Der Zwischenfall im Rennen war daher ein weiterer Defekt bei niedriger Lebensdauer."

Singapur sorgt für Hochdruck bei Renault

Nun steht Renault unter großem Druck, denn beim Grand Prix von Singapur sieht man sich einmal mehr mit langsamen, engen Kurven und daher mit niedriger Drehzahl konfrontiert. "Andere Teile haben viel mehr Kilometer zurückgelegt", sagt Renault-Mann White. "Daher hat es Priorität, die maßgeblichen Unterschiede zwischen den Teilen zu ermitteln."

Dem Briten ist bewusst, dass die Situation "nicht akzeptabel" ist: "Wir müssen uns mit dem Problem vor Singapur auseinandersetzen." Für das Stadtrennen bei Flutlicht kann man nun entweder auf eine ältere Spezifikation zurückwechseln, oder eine neue Lichtmaschine entwickeln.

Horner spricht Vettel frei

Interessant ist, dass bei Red Bull bisher nur Vettel Probleme mit der Lichtmaschine hatte - auch bei den Tests schlug schon einmal der Defektteufel zu. Doch Red-Bull-Teamchef Christian Horner spricht seinen Schützling gegenüber 'ServusTV' von jeglicher Schuld an den Defekten der 2.000-Euro-Teile frei: "Das hat überhaupt nichts mit Sebastian und seinem Fahrstil zu tun. Das ist einfach Pech."

Während die Atmosphäre hinter den Kulissen angespannt ist, stellt sich Horner offiziell hinter den französischen Motorenpartner: "Die Lichtmaschine ist ein Teil, das von Renault kommt und von einem Zulieferer hergestellt wird. Die machen auch Lichtmaschinen für andere Teams in der Formel 1. Wir tun unser Bestes, um Renault zu unterstützen, und wir arbeiten schon lange zusammen. Auch unsere beiden WM-Titel haben wir gemeinsam eingefahren. Die Beziehung ist sehr eng. Für sie ist es auch schwierig. Sie haben das Problem noch nicht hundertprozentig im Griff und verstehen es noch nicht so richtig. Sie arbeiten aber hart daran, das Problem für die nächsten Rennen zu überwinden."

Warum Vettel den Boliden abstellen musste

Dass Red Bull es nicht einmal versucht hatte, Vettel irgendwie über die Distanz zu bringen, und Renningenieur Guillaume Rocquelin seinen Piloten stattdessen hastig anwies, den Boliden wenige Runden vor Schluss abzustellen, hat gute Gründe: Im Red-Bull-Lager fürchtete man, dass sich der Defekt auch auf das Renault-Aggregat ausweiten könnte.

"Das Problem ist, wenn die Batterie leer wird, dann hat der Motor zwar keinen Antrieb mehr, läuft aber weiter", gibt Horner interessante Einblicke. "Da entsteht ein Schaden am Motor. Wir wollten wegen der begrenzten Anzahl der Motoren, die wir haben, nichts riskieren. Daher war es die richtige Entscheidung, den Motor sofort auszuschalten. Da hat Sebastian auch sofort reagiert. Glücklicherweise war es nicht der Motor, der kaputt gegangen ist - und zwar, weil sich Sebastian an die Anweisungen gehalten hat."

Motorenkontingent als WM-Faktor?

Wird der Motor im Titelfinish noch ein entscheidender Faktor, weil ein Fahrer keine neuen Aggregate mehr zur Verfügung hat? Ex-Pilot und Formel-1-Experte Christian Danner rechnet gegenüber 'ServusTV' nicht damit, dass die acht Motoren pro Saison nicht ausreichen könnten: "Ein Formel-1-Motor hat am meisten Leistung, wenn er neu ist und potenziell die beste Haltbarkeit. Wenn er älter wird, dann verliert er Leistung, und die Chance, dass was kaputt geht, wird immer größer. Und so jongliert man mit den acht Motoren durchs Jahr, sodass man immer noch genügend frische Motoren hat, um eine Renndistanz gut über die Runden bringt."

Bei Ferrari gab es zuletzt am Freitag in Spa und in Monza Motorplatzer, doch Felipe Massa und Fernando Alonso entgangen einer Rückversetzung in der Startaufstellung, weil das Reglement erst ab Samstag gilt. Danner erklärt: "Ferrari hatte jetzt zwar etwas Ärger, aber das sind natürlich die ausgelutschten Gurken, die man am Freitag hernimmt."

Fotoquelle: xpbimages.com

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Nico Rosberg: Die schönsten Jubelfotos

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Formel-1-Live-Ticker: Der Sonntag in der Chronologie

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.