Sebastian Vettel will in Singapur verlorengegangenen Boden aufholen

Formel 1 2012

— 20.09.2012

Vettel: "Wenn alle Stricke reißen..."

Sebastian Vettel äußerst sich zu einem möglichen Wechsel des Lichtmaschinenlieferanten bei Red Bull - Hoffnung auf den WM-Titel intakt



Sebastian Vettel kommt mit 39 Punkten Rückstand auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso zum Grand Prix von Singapur an diesem Wochenende. Vor zwei Wochen in Monza büßte Vettel durch einen erneuten Defekt an der Lichtmaschine seines Red Bull RB8 wertvolle Zähler ein. Dennoch gibt der amtierende Weltmeister die Hoffnung auf eine erfolgreiche Titelverteidigung noch nicht auf.

In seiner Medienrunde am Donnerstag spricht Vettel über einen möglichen Wechsel des Lichtmaschinenlieferanten, über seine Erwartungen für das Singapur-Wochenende und den weiteren WM-Kampf, über die ausgebliebenen Fortschritte bei Red Bull im Saisonverlauf und über den Tod des langjährigen Formel-1-Chefarzts Sid Watkins.

Frage: "Sebastian, wurde während der zurückliegenden Tage über Lichtmaschinen geredet?"
Sebastian Vettel: "Kaum. Es ist ja nichts, das mich direkt betrifft. Man hält sich aber natürlich auf dem Laufenden, was das Problem war, warum wir in Monza letzten Endes stehengeblieben sind und ob es Lösungen gibt für die nächsten Rennen. Es ist ein bisschen schwierig zu sagen, dass alles hervorragend ist. Ich denke aber, es sieht ganz gut aus. Die Leute machen sich auf jeden Fall Gedanken und arbeiten sehr hart daran, dass so etwas nicht mehr passiert."

Frage: "Sogar Dietrich Mateschitz hat sich eingeschaltet und gesagt, dass zur Not der Zulieferer gewechselt werden müsste. Hast du selbst auch mit ihm darüber gesprochen?"
Vettel: "Natürlich redet man darüber. Man zieht alles in Erwägung, aber natürlich schaut man erstmal, dass man das Problem in den Griff bekommt. Den Zulieferer von heute auf morgen wechseln, das geht nicht so einfach. Doch wenn alle Stricke reißen, muss man eben auch daran denken."

Frage: "Mit welchen Erwartungen gehst du in das Singapur-Wochenende?"
Vettel: "Es ist schwer vorherzusagen, was am Wochenende passiert. Es ist doch schon eine ganze Weile her, dass wir auf einer ähnlichen Strecke wie der hier waren. Dazu kommt, dass wir hier in der Nacht fahren und die Strecke mit vielen Kurven und sehr vielen Bodenwellen doch nochmal ein bisschen eigen ist. Es ist hier sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Alles in allem ist es hier sehr anstrengend, sowohl für den Fahrer als auch für das Auto. Das Rennen ist sehr lang und wahrscheinlich eines der schwierigsten im gesamten Jahr. All das macht es wichtig, dass man früh am Wochenende in den Rhythmus findet und sich wohl fühlt. Der Rest kommt dann von allein. Die Reifen könnten uns hier in die Karten spielen. Wir müssen abwarten. Die Trainings könnten hier teilweise ein falsches Bild vermitteln, da sie zum Teil bei Tageslicht ausgetragen werden, während der Rennstart bei Dunkelheit unter Flutlicht erfolgt."

Frage: "Lösen die 39 Punkte Rückstand auf Fernando Alonso bei dir in erster Linie Hoffnung oder Ärger aus?"
Vettel: "Hoffnung ist auf jeden Fall da. Ganz ehrlich gesagt, schaue ich da aber gar nicht drauf. Deswegen löst es gar nichts aus. Wir denken von Rennen zu Rennen und unser Ziel ist die Meisterschaft. Wenn man sieht, wie schnell sich die Dinge ändern können, dann ist die Meisterschaft meiner Meinung nach noch immer absolut drin. Mit Sicherheit hat das zurückliegende Wochenende nicht zum Positiven beigetragen, aber wer weiß, vielleicht sieht nach dem Wochenende hier wieder alles anders aus."

Mehrere Baustellen in der Saison 2012

Frage: "Wo liegen die Gründe für das schwierige Jahr 2012 - beim Team, bei der Technik, bei dir?"
Vettel: "Ich glaube, man kann da nicht einen Schuldigen herbeiziehen. Mit Sicherheit hilft es nicht, wenn man in einer guten Position liegend nicht ins Ziel kommt. Ich glaube aber, dass es jedem ähnlich ging. Alles ging in diesem Jahr ein bisschen drunter und drüber. Alles in allem waren wir immer in der Lage, vorn reinzufahren und haben das auch meistens geschafft - vielleicht nicht immer ganz nach vorn. Dass man in gewisser Weise am vergangenen Jahr gemessen wird, ist klar. Das ist auch unser eigener Anspruch, aber da sind wir im Moment noch nicht. Ich glaube, wir sind in allen Bereich noch nicht ganz da, wo wir im vergangenen Jahr waren. Es ist nicht eine Baustelle, sondern ich glaube, es sind viele Bereiche, die nicht ganz auf 100 Prozent sind. Es ist aber auch nicht so, dass alles ein Desaster wäre und man alles komplett umkrempeln müsste, damit es wieder funktioniert."

Frage: "Welchen Vorteil hast du deiner Meinung nach im Vergleich zu Fernando Alonso und Lewis Hamilton im WM-Kampf?"
Vettel: "Es gibt noch viele Rennen und es kann viel passieren. Wir haben ein starkes Auto, das vielleicht nicht immer gut genug war, um das Rennen zu gewinnen, aber gut genug war, um vorn reinzufahren und Punkte mitzunehmen. Das ist auch weiterhin unser Ziel. Im Idealfall wollen wir natürlich ein paar mehr Punkte mitnehmen und ein bisschen Champagner trinken. Der Rest wird sich dann zeigen. Vielleicht bleiben die anderen das eine oder andere Mal stehen. Wünschen möchte man es ihnen nicht. Vielleicht würde es uns ein bisschen helfen, aber da steckt man nicht drin."

Frage: "Wie fühlst du dich als Jäger, der von hinten kommend angreifen muss?"
Vettel: "Ich habe damit kein Problem. Wir pushen immer. Ob man vorn oder hinten ist, ändert daran nichts. Wir schauen wie gesagt von Rennen zu Rennen. Wir müssen auf uns schauen und versuchen, das Beste herauszuholen. Was die anderen machen, hat man nicht in den eigenen Händen."

Frage: "Die Qualifying-Leistungen von Red Bull unterscheiden sich in diesem Jahr doch deutlich im Vergleich zum vergangenen. Würdest du sagen, dass das am Auto liegt?"
Vettel: "Ich denke, es ist in diesem Jahr einfach schwieriger, alles auf den Punkt genau herauszuholen. Sprich, das Fenster, in dem das Auto wirklich funktioniert, ist einfach schmaler geworden. Auch für uns gab es das eine oder andere Überraschungs-Qualifying, bei dem wir nicht wussten, woran es liegt. Einen Tag später im Rennen ging es dann wieder gut. So etwas hilft natürlich nicht, aber das Wichtigste sind immer noch die Punkte im Rennen."

Ferrari mit den größten Fortschritten

Frage: "Ferrari hatte zu Beginn der Saison ein relativ schwaches Auto und Red Bull ein relativ starkes. Inzwischen ist es fast umgekehrt. Worauf führst du das zurück?"
Vettel: "Die Schwierigkeit in diesem Jahr bestand darin, die Autos wirklich zu verbessern. Leider hat man als Außenstehender nicht den Einblick, den wir haben. Die Teile, die bei uns ans Auto gegangen sind, haben nicht immer das gebracht, was wir uns erwünscht hätten. Deswegen kam nicht immer der Schritt nach vorn. Bei anderen hat das vielleicht hier und da ein bisschen besser funktioniert und sie konnten größere Schritte zum richtigen Zeitpunkt machen. Wenn man sich das Beispiel Ferrari hernimmt: Zu Beginn der Saison, war das doch ein relativ schwaches Auto, gerade was die ersten Tests angeht. Doch seit dem zweiten, dritten Rennen ist das eines der konstantesten Autos im Feld. Es ist nicht so, dass die urplötzlich aus dem Nichts da vorne rumfahren würden."

Frage: "Hier in Singapur wird trotz der Zeitverschiebung im Europa-Rhythmus gefahren. Was tust du, um hier auch bei Dunkelheit hellwach zu sein - abgesehen von Red Bull trinken?"
Vettel: "Ich stehe spät auf. Ich kann keine genaue Uhrzeit nennen, aber wir sind hier im Vergleich zu Europa sechs Stunden voraus. Das Rennen geht hier um 20:00 Uhr Ortszeit los. Dennoch essen wir zur selben Zeit zu Mittag und zu Abend wie in Europa. Aus diesem Grund kam ich erst heute Morgen hier an und habe mich sofort schlafen gelegt."

Sid Watkins' Tod einer harter Schlag für die Formel 1

Frage: "Nach dem Tod von Sid Watkins war die Anteilnahme in der Formel-1-Gemeinde sehr groß. Was verbindest du persönlich mit diesem Namen?"
Vettel: "Das ist natürlich ein harter Schlag für die Formel 1. Ich selbst kannte ihn nicht so gut. Er ist ja zurückgetreten, bevor ich so richtig angefangen habe. Deswegen gab es nicht so viel Kontakt. Ich habe ihn aber danach ab und zu mal getroffen und ihn dabei kennengelernt. Ich glaube, er war eine sehr wichtige und zentrale Figur für die Sicherheit für uns Fahrer. All die Fahrer, die nach seiner Zeit in die Formel 1 kamen, haben wahrscheinlich kein umfassendes Bild über die Arbeit, die er geleistet hat. Das Gefühl, das wir heutzutage genießen - nämlich einfach ins Auto springen zu können und anders als die Fahrer vor 30 Jahren nicht ständig über die Sicherheit nachdenken zu müssen - verdanken wir zum Großteil ihm. Es ist sehr schade, dass er von uns gegangen ist. Solche Leute braucht es, damit es uns auch in Zukunft im Cockpit gut geht."

Fotoquelle: xpbimages.com

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