Lewis Hamilton will sich Fernando Alonso zur Brust nehmen und weiter aufholen

Formel 1 2012

— 20.09.2012

Hamilton: "Es wird eng ..."

McLaren-Fahrer Lewis Hamilton lassen die Gerüchte um seine Person kalt: Der Brite will in Singapur vielmehr Fernando Alonso ein Schnippchen schlagen



37 Punkte trennen Fernando Alonso (Ferrari) und Lewis Hamilton (McLaren) in der Gesamtwertung der Formel 1. Und deshalb bläst Hamilton ab sofort zum Angriff: Der Brite hat zwei der jüngsten drei Rennen für sich entschieden und kommt scheinbar immer besser in Fahrt. In seiner Medienrunde spricht Hamilton über seine Aussichten für die restlichen Saisonrennen, seine Rivalen im WM-Kampf und die Stärke seines Teams. Von den Gerüchten um seine Zukunft will er aber nichts wissen.

Frage: "Lewis, wir sind in Singapur. Was erwartest du von diesem Wochenende und welche Teams hast du hier auf der Rechnung?"
Lewis Hamilton: "Nun, ich denke, wir haben die vergangenen Rennen in dem Bewusstsein verlassen, ein gutes Auto zu haben. Das ist auch auf den Heckflügel zurückzuführen, den wir dabei im Einsatz hatten. Jetzt gehen wir aber wieder auf den Stand der Dinge zurück, den wir vor der Sommerpause hatten. Hoffentlich gelingt es uns, das Auto, das wir in Ungarn hatten, weiter zu verbessern."

"Dort waren wir ziemlich konkurrenzfähig. Fernando (Alonso; Anm. d. Red.) und Ferrari werden einige Modifizierungen an den Start bringen. Wir hoffen, gut genug gearbeitet zu haben, um mithalten zu können. Es wird eng werden. Ich weiß gar nicht, was ich erwarten kann. Manche Leute werden gewisse Fortschritte gemacht haben. Wir werden uns einfach auf uns selbst konzentrieren."

Frage: "Singapur ist eine Strecke, auf der mit viel Abtrieb gefahren wird. Meinst du, die Konkurrenz kann die Lücke zu McLaren deshalb schließen?"
Hamilton: "Es werden sicherlich andere Flügel zum Einsatz kommen als bei den beiden jüngsten Rennen. Diese speziellen Flügel werden erst einmal nicht mehr auftauchen. Wir gehen wahrscheinlich zu der Variante zurück, die wir in Ungarn am Auto hatten, sofern das für uns funktioniert."

"Es ist uns gelungen, das Auto in anderen Bereichen zu verbessern. Wir sollten also gut in Form sein. Ungarn hat aber eine deutlich ebenere Oberfläche als Singapur und Singapur weist viel mehr Kurven auf. Die Reifen werden angesichts der vielen Bremszonen auch eher ein Thema werden."

"Außerdem ist Singapur natürlich ein Stadtkurs und viele Teams führen in dieser Phase des Jahres noch einmal einige Modifizierungen ein. Es wird ein großer Test für alle und ich habe keine Ahnung, was dabei herauskommt. Ich fühle mich aber zuversichtlich und denke, ich fahre das Auto besser denn je. Ich hoffe, uns gelingt an diesem Wochenende ebenfalls ein Schritt nach vorn."

Ist Alonso noch abzufangen?

Frage: "Fernando Alonso liegt in der Fahrer-WM vor dir. Wer, abgesehen von ihm, ist deiner Meinung nach dein Hauptgegner in der Gesamtwertung?"
Hamilton: "Es sind die beiden, die mir am dichtesten auf den Fersen liegen (Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel; Anm. d. Red.)."

Frage: "Wie siehst du die Chancen von Sebastian Vettel?"
Hamilton: "Nun, er ist der aktuelle Weltmeister. Er ist natürlich auch in diesem Jahr ein Kandidat auf den Titel. Sie haben ein klasse Auto und haben bisher - sieht man vielleicht einmal vom jüngsten Rennen ab - eine gute Leistung erbracht. Sie waren sehr stark. Ich rechne damit, dass sie an diesem Wochenende kaum zu schlagen sein werden."

Frage: "Wie schwierig wird es, Fernando Alonso noch von Platz eins zu verdrängen?"
Hamilton: "Sehr schwierig, denn er hatte bisher ein wirklich erfolgreiches Jahr. Er war sehr konstant unterwegs."

"Und er wäre sogar noch weiter vorn, wenn wir da nicht dieses Problem (den von Romain Grosjean verursachten Startunfall; Anm. d. Red.) gehabt hätten. An diesem Wochenende war Fernando schneller als ich. Er hat bisher wirklich gute Arbeit geleistet. Ich hoffe nur, wir können im restlichen Saisonverlauf noch bessere Arbeit leisten."

Frage: "Die Saison-Endphase hat begonnen. Wie wichtig ist es, gleich mit gutem Schwung in die Übersee-Rennen zu gehen?"
Hamilton: "Das ist so wichtig wie bei jedem anderen Rennen auch. Ich weiß gar nicht, was ich da sagen soll. Was auch immer ich sage, spielt eh keine Rolle. Was wichtig ist, ist, was auf der Strecke passiert. Wir geben ab sofort einfach alles, um die Rennen zu gewinnen oder um vor unseren direkten Konkurrenten anzukommen. Das ist der Plan für jedes der restlichen Wochenenden."

Red Bull und Lotus in Schlagdistanz?

Frage: "Kimi Räikkönnen und Lotus rücken euch immer näher auf die Pelle, obwohl sie noch kein Rennen gewonnen haben. Würdest du sie als eine größere Gefahr als Red Bull einschätzen?"
Hamilton: "Beide scheinen gut unterwegs zu sein. Wer ab jetzt was leisten kann, wird sich zeigen."

"Kann Lotus siegen, kann sich Red Bull wieder berappeln? Keine Ahnung. Ich kann mich nur auf meine eigene Arbeit konzentrieren und nicht auf die Anderen. Lotus wird aber ebenfalls sehr schnell sein. Vielleicht siegen sie schon bald - möglicherweise hier. Red Bull hatte zuletzt ein paar Probleme, doch sie sind noch immer bei der Musik. Wir müssen einfach vorsichtig sein."

Frage: "Glaubst du, es ist möglich, die WM zu gewinnen, ohne einen Saisonsieg einzufahren?"
Hamilton: "Ich habe keine Ahnung, aber natürlich ist es möglich. Hat es schonmal jemand geschafft?"

Frage: "Nein."

Hamilton: "Nun, wenn es rechnerisch möglich ist, dann ist es möglich. Ich hoffe aber nicht, dass es eintritt."

Frage: "Sollte der Fahrertitel nicht an dich gehen, McLaren aber den Konstrukteurstitel erobern, könntest du dich dann trotzdem freuen?"
Hamilton: "Das wäre natürlich positiv, denn dann hätten wir einen Titel gewonnen und gezeigt, dass wir das beste Team sind. Wenn wir aber nicht auch noch den Fahrertitel holen würden, wäre es aber nicht gar so toll."

Frage: "Was siehst du als Vorteil für dich im Titelkampf?"
Hamilton: "Ich bin im besten Team. Das ist alles, was ich dazu sagen kann."

Frage: "Glaubst du, der Titelkampf gewinnt auf der Strecke mehr und mehr an Schärfe, wo wir uns doch nun allmählich dem Saisonende nähern?"
Hamilton: "Ja."

Frage: "Werden die Reifen in Singapur auch in diesem Jahr wieder eine Schlüsselrolle spielen? Konzentriert man sich verstärkt darauf?"
Hamilton: "Nun, das verändert sich von Jahr zu Jahr. Eines ist aber immer gleich: Das Rennen hier ist unglaublich hart. Es dauert fast zwei Stunden und ist körperlich extrem fordernd. Außerdem kommt es hier darauf an, möglichst viel Abtrieb zu haben. Je mehr, je besser. Auf den Geraden kannst du in Singapur nicht viel Zeit gewinnen."

Singapur ist anders als die anderen Rennen

Frage: "Du hast es angesprochen: Nach der schnellsten Strecke des Jahres kommt nun eine der langsamsten. Und das Rennen dauert gut eine halbe Stunde länger. Spürt man diese Minuten als Fahrer?"
Hamilton: "Im Rennen? Oh ja. Es ist ein sehr anstrengendes Rennen. Während des Rennens verlierst du ein paar Kilogramm an Körpergewicht. Einmal waren es drei Kilogramm bei mir. Wichtig ist daher, vor dem Rennen sehr viel zu trinken. Du musst dich gesund ernähren und darfst keine Probleme mit der Fitness bekommen. Im Rennen gilt es, sich so sehr zu konzentrieren."

Frage: "Auch die Vorbereitung auf dieses Rennen ist etwas Besonderes: Wie ist es, tagsüber zu schlafen und nachts zu arbeiten, während alle anderen es genau umgekehrt machen?"
Hamilton: "Für uns ist das kein großes Problem, denn im Prinzip haben wir das Hilton-Hotel ganz für uns."

"Wir werden dort sehr gut versorgt. Die Leute dort passen sich uns an und begeben sich gewissermaßen in unsere Zeitzone. Manche bleiben bis fünf oder sechs Uhr früh auf, um uns zu helfen. Diese Partnerschaft macht hier wahrscheinlich den größten Unterschied aus."

Frage: "Und was machst du, um so lange wach zu bleiben?"
Hamilton: "Ich lese viel, höre mir Musik an, schaue mir Filme an."

Frage: "In diesem Rennen kann es zu vielen Zwischenfällen kommen. Die Qualifikation ist daher überaus wichtig, nicht wahr?"
Hamilton: "So ein großes Problem ist die Qualifikation eigentlich nicht. Okay, in Q1 sind viele Autos auf der Strecke. Der Kurs ist aber ziemlich lang, sodass es nicht so schlimm sein dürfte, eine Lücke zu finden. Das Qualifying ist natürlich wichtig für die Startposition. Wir müssen also sicherstellen, dabei gute Arbeit zu leisten."

Frage: "Hattest du zwischen den Rennen die Gelegenheit, in der Fabrik vorbeizuschauen? Wie ist die Stimmung im Team - nach zuletzt drei Pole-Positions und drei Siegen?"
Hamilton: "Ja. Die Atmosphäre im Team ist fantastisch. Die Jungs sind unglaublich erpicht darauf, um den Titel zu kämpfen. Das ist schön zu sehen."

"Manche hatten ihre Siegershirts sogar nicht nur einen Tag lang an, sondern für mehrere Tage. Das ist toll. Die Stimmung ist, dass wir in den jüngsten drei Rennen dreimal eine richtig gute Leistung erbracht haben. Wir werden weiterhin viel Druck machen, denn wir wollen es schaffen. Und was dann passiert, werden wir sehen."

Die Gerüchteküche lässt Hamilton kalt

Frage: "Stellt sich diese Saisonphase anders dar als andere Abschnitte des Jahres? Spürst du eine Veränderung?"
Hamilton: "Du spürst einfach eine gewisse Energie."

Frage: "Überträgt sich das auf dich?"
Hamilton: "Es ist beruhigend, zu wissen, dass die Jungs härter denn je arbeiten. Sie sind sehr gespannt. Das stimmt dich selbst natürlich zufrieden. Ansonsten ist es wie immer."

Frage: "Stört es dich, dass es viele Gerüchte um deine sportliche Zukunft gibt?"
Hamilton: "Ich weiß gar nicht, was da alles im Umlauf ist. Ich konzentriere mich jedenfalls voll und ganz auf dieses Wochenende. Das Wichtigste ist: Wir dürfen uns nicht von der Geschwindigkeit verrückt machen lassen, die wir in den letzten Rennen hatten. An diesem Wochenende kann schon alles ganz anders sein. Ich bewahre einfach die Ruhe und lasse meine Taten auf der Strecke für mich sprechen."

Frage: "Gab es für dich einen technischen Wendepunkt in dieser Saison? Gab es eine Entwicklung, die dir dabei half, besser in Fahrt zu kommen?"
Hamilton: "Eigentlich nicht. Es ist vielmehr eine ständige Lernphase. Es ist nicht so, dass du in einem Rennen plötzlich merkst: 'Aha, so muss ich also mit den Reifen umgehen.' Du lernst immer mehr dazu und versuchst, dich von Rennen zu Rennen zu steigern."

Frage: "In diesem Jahr läuft es deutlich runder für dich. Woran machst du das fest?"
Hamilton: "Ich finde das prima. Die Konstanz, von der wir seit Saisonbeginn reden, ist aber nicht auf mich alleine zurückzuführen. Es ist Teamwork. Wir freuen uns über das Positive und stehen zusammen, wenn es einmal nicht läuft."

"Am wichtigsten ist: Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Unsere Boxenstopps sind mittlerweile sehr gut, können aber noch weiter verbessert werden. Auch unsere Rennen sind klasse, doch auch da können wir uns noch steigern. Damit werden wir fortfahren. Ich fahre schon das gesamte Jahr so. Es ist nur so, dass sich jetzt auch die Ergebnisse einstellen."

Hamilton spricht über Sid Watkins

Frage: "Wie wichtig ist es, als Rennfahrer eine ausführliche und gute Ausbildung zu genießen, ehe man in die Formel 1 aufsteigt. Ich denke da natürlich an Romain Grosjean ..."
Hamilton: "Nun, ich glaube, ich hatte die längste Ausbildung von allen. Es begann, als ich 13 Jahre alt war. Ich saß schon früh im Simulator. McLaren baute mich prima auf."

"Deshalb konnte ich von Anfang an einiges leisten. Auch er (Grosjean; Anm. d. Red.) hatte eine Ausbildung, denn er stieß ja schon vor einigen Jahren zu seinem Team. Wir fuhren schon 2009 gegeneinander. Er schlug dann aber einen anderen Weg ein. Er dachte, er müsste sich noch einmal verbessern. Jetzt ist er wieder da und ist noch besser. Das ist gut."

Frage: "Der langjährige Formel-1-Rennarzt Sid Watkins ist dieser Tage verstorben. Das gesamte Fahrerlager hat im vieles zu verdanken. Er hat so viel für den Sport getan und er hinterlässt ein großes Erbe ..."
Hamilton: "In der Tat. Ich hoffe, er hat viele andere Ärzte dazu inspiriert, Positives zu tun."

"Das ist definitiv der Fall, denn bei der FIA arbeiten wir mit tollen Leuten zusammen. Die Sicherheit hat sich so sehr verbessert. Am Freitag können wir in dem Bewusstsein hinausfahren, dass, was auch immer passiert, wir sehr, sehr sicher sind. Das geht alles auf seinen Beitrag zu diesem Sport zurück."

Frage: "Viele Beobachter sagen, Suzuka ist die eine der besten Strecken im Formel-1-Kalender. Wie siehst du das? Und was magst du an dieser Strecke?"
Hamilton: "Ich weiß nicht, was die beste Strecke im Kalender ist. Suzuka ist aber definitiv eine der besten. Sie ist fantastisch zu fahren."

"Ich liebe aber auch Stadtkurse. Deshalb freue ich mich schon sehr darauf, am Freitag endlich in Singapur auf die Strecke zu gehen. Es ist wirklich etwas Besonderes, unter Flutlicht und bei Nacht zu fahren. Für alle Leute, die hierher kommen, ist es eine klasse Sportveranstaltung."

Fotoquelle: xpbimages.com

Weitere Formel 1 Themen

News

Top 10: Größte Unsportlichkeiten der Formel 1

News

Lewis Hamilton vermutet halblegalen Trick von Vettel in Austin

News

"Idioten-Steward": Red Bull kocht nach Verstappen-Strafe

News

Rosbergs-Handschuhtrick: "Vergessen" es Hamilton zu sagen

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung