Fernando Alonso hat in Singapur seine WM-Führung verteidigt

Formel 1 2012

— 23.09.2012

Trotz Podium: Ferrari will die Performance verbessern

Fernando Alonso füllt sein Punktekonto in Singapur weiter und Felipe Massa legt eine Aufholjagd hin - Dennoch ist Ferrari nicht mit der Performance des Autos zufrieden



Fernando Alonso hat in Singapur einen weiteren Podestplatz in dieser Saison eingefahren und damit wichtige 15 Punkte gesammelt. Der Verlauf des Rennens spielte dem Ferrari-Piloten in die Hände. Lewis Hamilton (McLaren), der vor dem Rennen sein gefährlichster WM-Verfolger war, schied in Führung liegend aus und sammelte keine Punkte. Dafür machte Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel zehn Punkte gut und ist nun erster Verfolger des Asturiers. Alonsos WM-Vorsprung ist auf 29 Punkte geschrumpft. Dennoch ist der 31-Jährige mit dem dritten Platz zufrieden, denn aus eigener Kraft war Ferrari in den Straßen von Singapur nicht siegfähig.

Ein turbulentes Rennen erlebte wieder einmal sein Teamkollege Felipe Massa. Der Brasilianer musste bereits am Ende der ersten Runde die Box ansteuern, denn im Startgetümmel hatte er sich rechts hinten den Reifen beschädigt. Von da an zeigte Massa eine starke Aufholjagd und kam noch als Achter in die Punkteränge. Unter dem Strich ist Teamchef Stefano Domenicali mit der Ausbeute des Nachtrennens zufrieden. "Es war ein sehr schwieriges Wochenende, aber am Ende kann ich das Resultat als positiv bezeichnen."

"Es stimmt, dass Fernandos WM-Vorsprung kleiner geworden ist, aber auf der anderen Seite hat er Punkte auf drei seiner engsten Verfolger herausgeholt. In der Konstrukteurs-WM ist es so ziemlich gleich geblieben", spricht Domenicali den dritten Platz der Scuderia an. "Die Führenden (Red Bull; Anm. d. Red) sind etwas weiter weggezogen, aber wir sind Platz zwei (McLaren; Anm. d. Red.) näher gekommen. Unsere Performance war heute besser als im Qualifying, auch in Bezug auf das Verhalten der Reifen."

"Wir hatten aber auch Pech. Ohne den Reifenschaden in der ersten Runde hätte Felipe sicherlich weiter vorne landen können. Die erste Safety-Car-Phase ist auch nicht günstig gefallen." McLaren war in den vergangenen Rennen stark unterwegs und auch Red Bull fand in Singapur zurück in die Erfolgsspur. Dennoch bleibt Domenicali optimistisch. "Es sind noch sechs Rennen zu fahren und wir müssen bei der Performance einen klaren Fortschritt schaffen, denn wir können uns nicht auf das Pech der Konkurrent verlassen."

"Wir müssen uns auf Strecken verbessern, die maximalen Abtrieb verlangen. Wir dürfen aber nicht überreagieren, denn es ist besser, wenn man wenige Updates bringt die funktionieren, als zu viele Updates zu bringen. In diesem Bereich müssen wir uns verbessern, und das wird in den nächsten Tagen unsere Priorität sein. Abgesehen davon ist die Zuverlässigkeit unsere Priorität Nummer eins. Je länger die Saison dauert, desto höher ist der Preis für den kleinsten Fehler."

Alonso fordert bessere Performance

Auch wenn Alonso nicht gewinnen konnte, so hat er mit Platz drei wieder das Maximum aus der Situation gemacht. "Unter dem Strich ist es gut gegangen, aber wir können so nicht weitermachen", mahnt auch der zweifache Weltmeister. "Es wird nicht immer passieren, dass unser engster Rivale ausscheidet, so wie es in den letzten beiden Rennen passiert ist. Wir können auch bis zum Saisonende nicht mit solchen Qualifyings wie gestern weitermachen, wo uns eine Sekunde gefehlt hat."

"Auf der Strecke können wir dank der großartigen Arbeit des Teams das Optimum aus unseren Möglichkeiten herausholen. Alleine schon deswegen verdienen wir unsere WM-Position. Heute habe ich einen Vorsprung auf drei unserer Gegner herausgeholt. Das war positiv. Vielleicht war das unser schwierigstes Rennen, aber wir finden auch in Südkorea und Abu Dhabi teilweise ähnliche Streckencharakteristiken vor. Ich hoffe, dass wir bis dahin die Performance des Autos verbessert haben."

Alonso fordert von Ferrari also klar mehr Performance, sonst wird es mit dem WM-Titel schwierig, auch wenn er dank seiner Fähigkeiten das Blatt oft noch wenden kann. "Der Start war heute nicht der Beste dieser Saison, aber glücklicherweise konnte ich mir die Position von di Resta sofort zurückholen. Bei meinem ersten Boxenstopp bin ich sofort in Verkehr geraten, aber ich spürte, dass die Reifen zu stark nachließen, also entschieden wir uns für den Stopp", schildert Alonso. Er startete das Rennen auf Supersoft und legte dann zwei Stopps ein, bei denen jeweils die Mischung Soft aufgezogen wurde.

"Mit den Softs war ich konkurrenzfähiger, aber nach dem zweiten Boxenstopp kam das Safety-Car auf die Strecke. Das spielte Button und Vettel in die Hände. Direkt vor dem Neustart wären die beiden beinahe miteinander kollidiert. Ich verlor außerdem einige Meter, weil ich am Lenkrad eine Einstellung veränderte. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, ob wir ein weiteres Mal an die Box müssen. Als das Safety-Car dann zum zweiten Mal auf die Strecke kam und einige Fahrer an die Box abbogen, entschieden wir uns dazu draußen zu bleiben."

Unsicherheit herrschte trotzdem am Ferrari-Kommandostand. "Wir waren uns nicht sicher, ob die Reifen am Ende stark nachlassen würden, aber das war nicht der Fall und ich kam sicher auf das Podium. Körperlich war es ein anstrengendes Rennen und sicher das ermüdendste der Saison. 300 Kilometer bei dieser Hitze und Luftfeuchtigkeit sind sehr anstrengend", streicht Alonso nach zwei Stunden Fahrzeit heraus.

Reifenschaden wirft Massa zurück

Viel zu tun hatte auch Massa. In der 43 Runde kam es zu einer brenzligen Situation mit seinem Landsmann Bruno Senna. Massa quetschte sich mit der Brechstange an dem Williams vorbei und es kam sogar zu einer Berührung. Auch wenn es am Ende "nur" Platz acht wurde, so hatte sich Massa mit einer Aufholjagd in Szene gesetzt. "Es war ein hartes und schwieriges Rennen", stöhnt der Brasilianer nach der Zielflagge. "Das lag an dem Zwischenfall in der ersten Kurve, wo der Reifenschaden passierte. Ich hätte ansonsten im Ziel sicherlich Fernando viel näher sein können."

"Das wäre für beide WM-Wertungen wichtig gewesen. Als ich den Boxenstopp absolviert hatte, gab es keine besondere Taktik. Ich versuchte die Reifen so lange wie möglich am Leben zu halten, während ich gleichzeitig versuchte so schnell wie möglich zu fahren. Glücklicherweise haben die beiden Safety-Car-Phasen das Feld wieder zusammengebracht. Es stimmt aber, dass ich nie gedacht hätte, dass ich mit den Supersofts einen so langen Stint fahren könnte."

Massa kam in Runde 33 zum letzten Mal an die Box und fuhr mit der weichsten Mischung die verbleibenden 26 Runden bis ins Ziel. "Die Performance war heute sicherlich anders als an den beiden Trainingstagen. Es schien als würde ich ein komplett anderes Auto fahren. Selbst am Ende versuche ich noch Plätze gutzumachen. Erst in den letzten beiden Runden entschied ich mich dazu, das Auto ins Ziel zu tragen, weil die Reifen praktisch am Ende waren."

Manover gegen Senna für Massa klar

Und wie bewertet Massa das Manöver mit Senna? "Ich glaube, die Regeln sind klar und jeder muss sie respektieren. Ich war schon neben ihm und er musste mir Platz lassen. Er drückte mich aber gegen die Mauer." Senna erhielt aber keine Strafe. Generell sieht Massa die Situation wie Alonso. Ferrari muss sich für den Saisonendspurt steigern. "McLaren und Red Bull sind sehr stark. Das heutige Resultat ist für unser Team aber nicht so schlecht. Fernando hat gute Punkte gesammelt. Natürlich müssen wir unsere Performance verbessern, speziell im Qualifying."

Technikdirektor Pat Fry weiß, dass seine Ingenieure nachlegen müssen. "Wenn ich mir unsere Gesamtperformance ansehen, dann kann ich damit im Vergleich zu unserer Konkurrenz nicht zufrieden sein. Es gibt keinen Grund zu leugnen, dass wir uns mehr erwartet haben", gibt Fry zu. Die Scuderia hatte einen neuen Heckflügel im Gepäck, der aber nicht wunschgemäß funktioniert hatte. Im Rennen wurde die alte Version eingesetzt. "Trotzdem haben wir unter schwierigen Bedingungen das Optimum aus unserem Paket herausgeholt."

"Fernando und Felipe sind gut gefahren und in der Box und an der Boxengasse haben wir gut gearbeitet. Die Rennperformance war besser als es sich gestern angedeutet hatte. Wir müssen jetzt die Daten in Ruhe analysieren damit wir verstehen, wie wir die Rennperformance auch im Qualifying umsetzen können. Strategisch haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen. Beim zweiten Stopp hätten wir mit Fernando nicht länger fahren können, weil sein Reifenabbau zu groß war."

"Leider kam er hinter einigen langsameren Fahrern wieder zurück auf die Strecke. Wir hätten es aber nicht anders machen können", meint Fry zu dieser Situation. "Die Safety-Car-Phase hat jenen geholfen, die noch nicht an der Box waren. Gleichzeitig gab es Fernando die Möglichkeit ohne weiteren Stopp bis ins Ziel zu fahren. Das war sicherlich positiv."

Auch mit der Leistung von Massa ist Fry zufrieden: "Pech hat zunächst sein Rennen beeinflusst, aber dann ist er richtig gut gefahren und hat die Situation gerettet. Er war auf den Softs und den Supersofts schnell unterwegs. Ich muss sagen, dass sein letzter Stint wirklich gut war, denn er ist 26 Runden mit den weichen Reifen gefahren. Dabei hat er überholt und ist aggressiv gefahren. Es war eine schöne Überraschung."

"Jetzt müssen wir das Wochenende genau analysieren, damit wir verstehen, wie wir die Performance für die kommenden Rennen verbessern können. Wir haben speziell auf dieser Art von Strecke nicht das schnellste Auto. Es liegt an uns, dass wir unseren Fahrern etwas geben, damit sie gegen unsere starken Gegner auf Augenhöhe kämpfen können."

Fotoquelle: xpbimages.com

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