Lewis Hamilton war nach seinem gestrigen Ausfall erstaunlich gut gelaunt

Formel 1 2012

— 24.09.2012

WM-Kampf: Hamilton in Topform lässt McLaren hoffen

McLaren ist von Lewis Hamilton begeistert ("Er ist momentan in seiner eigenen Liga") und zeigt sich im WM-Rennen trotz der Nullrunde von Singapur kämpferisch



52 Punkte Rückstand nach 14 Rennen, noch sechs ausstehende WM-Läufe und derzeit Platz vier in der Fahrerwertung: Wenn Lewis Hamilton 2012 zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister werden will, muss der Getriebeschaden gestern in Singapur wahrscheinlich sein letzter Ausfall bleiben. "Wir konnten uns das heute eigentlich nicht leisten", weiß der McLaren-Pilot, gibt aber noch lange nicht auf: "Muss ich halt die letzten sechs Rennen alle gewinnen!"

Karl Wendlinger glaubt nicht, dass Hamilton noch eine Chance auf den WM-Titel hat: "Der Abstand ist zu groß", rechnet der 'ORF'-Experte. "Alonso ist ein Fixpunkt, der nicht ausscheidet. Wenn natürlich einer einen Totalausfall hat und Hamilton gewinnt, dann relativiert sich das Ganze wieder, aber ich glaube, dass Alonso und Vettel die Leute sind, die um den Titel kämpfen. Allerdings ist Suzuka die nächste Strecke. Ich glaube, dass McLaren mit Hamilton und Red Bull mit Vettel dort sehr gut sein wird."

Bei McLaren hält sich die Katerstimmung nach dem gestrigen K.O. jedenfalls in Grenzen, obwohl der zweite Platz von Jenson Button nur ein schwacher Trost war - der Weltmeister von 2009 spielt im Titelrennen mit 75 Punkten Rückstand wohl keine Rolle mehr. Vielmehr wird nun angedacht, alles auf die Karte Hamilton zu setzen - Button soll laut Teamchef Martin Whitmarsh sogar schon von sich aus angeboten haben, sich in den Dienst seines Stallgefährten und Landsmannes zu stellen.

Speed seit Hockenheim vorhanden

"Unser Ziel ist immer noch, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Es kann alles passieren", hofft Sportdirektor Sam Michael. "Das Auto ist schnell. Wir müssen sicherstellen, dass es zuverlässig ist, die Probleme von heute aussortieren und in Suzuka versuchen zu gewinnen." Den besten Speed im Feld hat McLaren seit dem Hockenheim-Update, aber: "Der Red Bull war hier genauso stark wie der McLaren", analysierte 'RTL'-Experte Niki Lauda nach dem gestrigen Nachtrennen.

Der Hauptgegner scheint ohnehin nicht Sebastian Vettel zu sein, auf den Hamilton 23 Punkte fehlen, sondern Fernando Alonso im Ferrari. "Es wird schwierig, den Abstand zu verkürzen, wenn Fernando und Seb immer ins Ziel kommen", weiß Hamilton, "aber ich hoffe, dass unser Pech jetzt zu Ende ist. 52 Punkte Rückstand bedeuten, dass ich jedes Mal vor Fernando ins Ziel kommen muss, jedes Mal um zehn Punkte mehr holen sollte. Dann sind das in sechs Rennen 60 Punkte!"

Gar nicht auszudenken, wie es in der Weltmeisterschaft stehen würde, wenn Hamilton seine Möglichkeiten seit dem Sieg in Montreal immer genutzt hätte. In Valencia wurde er an dritter Stelle liegend von Pastor Maldonado von der Strecke geräumt, in Hockenheim erlebte er einen völlig durchwachsenen Rennsonntag, in Spa-Francorchamps wurde er von Romain Grosjean abgeschossen und gestern streikte das Getriebe. Sonst hat der 27-Jährige mit Ausnahme seines Heimrennens in Silverstone seit Montreal immer gewonnen, wenn er ins Ziel gekommen ist.

"Punkte-Eichhörnchen" Alonso der härteste Gegner?

Die Konkurrenz sammelte indes recht verlässlich wichtige Punkte: "Alonso", seufzt Michael, "hat still und leise wieder 15 Punkte geholt. Es wird eine harte Nuss, aber dafür sind wir hier - wir wollen gewinnen. Lewis ist auch nach diesem Rennen wirklich guter Dinge, was sehr ermutigend ist, denn er könnte auch wahnsinnig niedergeschlagen sein. Er kam nach dem Rennen zu mir und sagte nur: 'Gewinne ich halt in Japan!' Das ist die richtige Einstellung."

Tatsache ist: Seit dem Hockenheim-Update hat McLaren immer gewonnen oder war vom Speed her siegfähig. Dass Hamilton trotzdem nur 50 von 125 möglichen Punkten geholt hat, tut weh. Michael nickt: "Wir haben in Budapest gewonnen und hätten hier gewinnen können. Wir haben Monza gewonnen und Spa. Spa ist wie Suzuka, mit vielen schnellen Kurven. Wir sind auf allen Strecken schnell, daher gebe ich die Hoffnung nicht auf."

Suzuka wieder eine McLaren-Strecke?

Für Suzuka hofft der Australier, bis Ende 2011 Technischer Direktor des Williams-Teams, auf einen Doppelsieg, "aber da haben Red Bull und Ferrari sicher was dagegen". Für McLaren spricht, dass Pirelli nach Suzuka die Reifenmischungen Hard und Soft statt, wie in Singapur, Soft und Supersoft bringt. Ob das McLaren im Vergleich zu Red Bull und Ferrari entgegenkommen könnte, wie zuletzt auf den schnellen Strecken in Spa-Francorchamps und Monza? "Vielleicht", hofft Michael.

Dass Red Bull am vergangenen Wochenende zumindest mit Vettel - Mark Webber landete als Zehnter im Nirgendwo und verlor den WM-Punkt wegen einer nachträglichen Strafe - auf Augenhöhe war, kommt für McLaren nicht überraschend: "Diese Strecke gehört zu denen, wo wie sie mit am stärksten erwartet haben. Das war uns schon vorher klar - und sie waren dann tatsächlich stark", sagt Michael. Dass Spa-Francorchamps und Monza dem Red Bull nicht liegen würden, hatten die meisten Experten prognostiziert.

Große Hoffnungen setzt McLaren in die derzeitige Überform von Hamilton, der sich von diversen Transfergerüchten anscheinend nicht mehr aus der Ruhe bringen lässt. Michael ist voll des Lobes: "Lewis hat im Moment einen Lauf - das sieht man an allem, was er anpackt. Auf der Strecke fährt er sowieso hervorragend, aber seine Integration und die Arbeit mit dem Team waren in den letzten drei oder vier Rennen wirklich außergewöhnlich", stellt er fest.

Dickes McLaren-Lob für Hamilton

"Er ist momentan in seiner eigenen Liga, daher freut es mich, dass er sich vom heutigen Rückschlag nicht unterkriegen lässt. Er weiß, wie schnell er war, und er glaubt, dass er das in Japan wiederholen kann. Es ist eine Freude, ihn so zu sehen", sagt Michael. "Ich persönlich habe in den vergangenen vier oder fünf Monaten auch ein sehr enges professionelles Verhältnis zu ihm entwickelt. Ich habe großen Respekt vor ihm. So, wie er sich momentan präsentiert, ist er außergewöhnlich."

Dass Hamilton mit dem gestrigen Ausfall erstaunlich locker umgeht und auch das Team auf Schmusekurs geht, könnte man als Indiz dafür interpretieren, dass sich die beiden Seiten in Sachen Vertragsverlängerung angenähert haben. Über Twitter zeigte sich Hamilton gestern jedenfalls philosophisch: "Man misst einen Menschen letztendlich nicht daran, wie er sich in Zeiten der Behaglichkeit und des Komforts verhält, sondern in Zeiten der Herausforderung und der Kontroverse.' Zitat Martin Luther King. Amen!"

Fotoquelle: McLaren

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